Idyllischer als in Neu-Venedig geht‘s nicht. Bild: Sascha Uhlig
Idyllischer als in Neu-Venedig geht‘s nicht. Bild: Sascha Uhlig

Seit Jahren erkunden wir die Stadt zu Fuß und waren schon in fast sämtlichen Bezirken und Kiezen unterwegs. Doch auch auf zwei Rädern gibt es viel zu entdecken, und so starten wir ab jetzt in unregelmäßigen Abständen auch auf dem Fahrrad zu mal kürzeren, mal längeren Touren. Also, Kette geölt, Bremsen gecheckt und auf geht’s!

Immer das Ziel vor Augen. Bild: Sascha Uhlig
Immer das Ziel vor Augen. Bild: Sascha Uhlig

Unsere erste Fahrrad-Erkundung startet am S-Bahnhof Karlshorst im Osten der Stadt und führt ohne große Umwege ins Grüne des Volksparks Wuhlheide. Über einen gut zu fahrenden Schotterweg gelangen wir zum schnurgeraden, aber wunderschönen Eichgestell-Radweg und fahren auf diesem für rund anderthalb Kilometer in Richtung FEZ. Auf dem Weg dahin passieren wir die legendäre Parkbühne Wuhlheide – eine der größten Freilichtbühnen Berlins und für viele eine der schönsten Live-Locations in ganz Berlin. Die amphitheaterförmige ­Bühne bietet Platz für bis zu 17.000 Besucher und ist seit den 1990er-Jahren denkmalgeschützt.


Anschließend lassen wir das gemeinnützige Kinder-, Jugend- und Familienzentrum FEZ links liegen und verlassen die Wuhlheide wieder. Direkt nach der Wilhelm-Spindler-Brücke führt ein ruhiger Weg an der Treptower Spree entlang. Weiß-grüne Schilder mitsamt eines wandernden Bären weisen darauf hin, dass wir auf einem der vielen Grünen Hauptwege Berlins unterwegs sind. Diese bilden ein insgesamt 575 Kilometer langes Netz aus 20 ausgewiesenen Rad- und Wanderrouten, die durch die Stadt und ins brandenburgische Umland führen.

Zeit für eine Pause

Auf der Langen Brücke blicken wir für einen Moment auf das prächtige Barockwasserschloss von Köpenick, das stolz auf einer Insel in der Dahme thront. Kurz darauf gelangen wir über einen Teil des EuroVelo-Radwegs R1 mitten in die wunderschönen Wälder südlich des Großen Müggelsees. Der R1 ist eine der längsten europäischen Radrouten und verläuft auf über 5.000 Kilo­metern von Calais in Frankreich bis nach St. Petersburg in Russland. Der Abschnitt am Müggelsee führt als gut asphaltierter Radweg durch den Müggelheimer Forst und lädt spätestens beim Biergarten Rübezahl (Müggelheimer Damm 143, Di-So 10-18 Uhr, www.ruebezahl-berlin.de), direkt am Wasser gelegen, nach 13 gefahren Kilometern zu einer ersten Pause ein.

Auf den Großen Müggelsee folgt der ebenso schöne Kleine Müggelsee, wo wir an einer Badestelle mit großem Sandstrand vorbeikommen. Hier können die Füße kurz ins kühle Nass gehalten oder sogar die ­Badehose ausgepackt werden. Unsere Route führt weiter über die „Russenbrücke“, eine historische Brücke, die den Weg zum Café Klein Schwallenberg (Triglawstr. 20, Fr 12-19 Uhr, Sa 11-19, So 10-19 Uhr, www.kleinschwalbenberg.de) weist. Das Café ist ein echter Geheimtipp für Radfahrer: gemütliche Atmosphäre, leckerer Kuchen und eine Terrasse, die zum Verweilen einlädt.

Kapelle im Grünen

Die Waldkapelle Hessenwinkel. Bild: Sascha Uhlig
Die Waldkapelle Hessenwinkel. Bild: Sascha Uhlig

Vorbei am Ufer des Dämeritzsees und an den vielen dort befindlichen Villen, entdecken wir nach 22 Kilometern etwas versteckt die Waldkapelle Hessenwinkel (Sa + So 15-17 Uhr und nach Vereinb., www.waldkapelle-berlin-hessenwinkel.de). Offiziell „Zum anklopfenden Christus“ genannt, handelt es sich dabei um eine historische evangelische Kapelle, ein idyllischer Ort der Stille mitten im Grünen. Kurz darauf öffnet sich der Wald, und wir radeln durch Neu-Venedig im Ortsteil Rahnsdorf mit seinen Wasser­wegen. Das Gebiet verdankt seinen Namen den fünf Kanälen, die hier ein kleines Delta bilden.

Um dem Autoverkehr nördlich des Müggelsees zu umfahren, nehmen wir eine der vielen Berliner „Wald-Autobahnen“: lange, gerade und breite Wege, die früher oft als Forststraßen für die Holzabfuhr und Jagd angelegt wurden. Heute sind sie bei Radfahrern und Joggern beliebt, da sie komfortable Strecken durch die Natur bieten.

Nach 38 Kilometern erreichen wir schließlich das Ende der Tour: den Bahnhof ­Köpenick. Für die Route sollten zwei, mit Kuchen- und Badestopps drei bis vier Stunden eingeplant werden. Der Großteil der Strecke ist asphaltiert, die wenigen festen Schotterwege sind für Trekking-Räder kein Problem.

Unsere Erkundungen auf Komoot:
www.komoot.com/user/berlinerabendblatt