So schillernd können technische Gebäude sein. Bild: Martin Schwarz
So schillernd können technische Gebäude sein. Bild: Martin Schwarz

In Adlershof hat sich technische Infrastruktur angesiedelt

So eine frisch ausgetüftelte Erkundung ist immer ein Überraschungsei: Gibt die ausgesuchte Gegend genug für einen spannenden Spaziergang her? In der Innenstadt mit den zahlreichen spannenden Altbauten ist das meist kein Problem. Schwieriger wird es am Stadtrand mit Vorortsiedlungen und Neubauten. Heute wollen wir einmal sehen, was der in vielen Teilen relativ neue Wissen­schaftsstandort Adlershof zu bieten hat, jener Bereich westlich der S-Bahn.


Die Tour beginnt am S-Bahnhof Adlershof. Südlich der ­Rudower Chaussee schmiegt sich eine Grünanlage an. An der Ecke ­Moritz-Seeler- und Franz-Ehrlich-Straße befindet sich das ­Theater Ost (www.theater-ost.de), das mit seiner großen roten Fahne ein wenig an die frühere Ästhetik der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz erinnert. Über die Ernst-August-Straße erreichen wir zuerst die Willy-Schwabe-Straße, benannt nach jenem Entertainer, der jahrzehntelang die Sendung „Willy Schwabes Rumpelkammer“ über die deutsche Filmgeschichte im DDR-Fernsehen moderierte. Hier stehen einige ältere Forschungsgebäude.

Wir gelangen zur Straße Am Studio. Und die heißt nicht ohne Grund so: Hier befindet sich das Studio Berlin. Anfang der 50er-Jahre wurde dieses Terrain für das DDR-Fernsehen auserkoren, bis zum Mauerfall wurden von hier aus die beiden DDR-TV-Programme gesendet. Heute ist das Studio Berlin Adlershof mit unterschiedlichen Firmen für zahlreiche Produktionen verschiedener TV-Sender verantwortlich, von „Quiz-Champion“ bis „Maischberger“, von „Verstehen Sie Spaß?“ bis „Wer stiehlt mir die Show?“.

Besondere Gebäude der HU

Ein Stück zurück beginnt die ­Albert-Einstein-Straße, über eine idyllische Grünfläche geht es zur Kekuléstraße. Bemerkenswert hier: die angelegten, an Terrarien erinnernden Grünflächen auf der Rückseite der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität. Überhaupt hat sich die HU hier einige sehenswerte Bauten gegönnt. Über einen Pfad kommen wir nach rechts zur Rudower Chaussee, dahinter beginnt die Max-Born-Straße. Über den Grünzug an der Carl-Scheele-Straße erreichen wir die Schwarzschildstraße. Höchst sehenswert: die beiden abgerundeten, mit viel Farbe gestalteten Gebäude, in denen das WISTA-Zentrum (steht für Wissenschafts- & Wirtschaftsstandort) für Photonik und Optik und technische Betriebe untergebracht sind.

Über die Johann-Hittorf-Straße und vorbei an wissenschaft­lichen Instituten und dem Studentendorf Adlershof erreichen wir rechts über die Brook-­Taylor-Straße den Höhepunkt unseres Spaziergangs: den Aerodynamischen Park, ein Ensemble mit grandiosen Industriedenkmälern.

Da ist zuerst links der Schallgedämpfte Motorenprüfstand mit seinen prägnanten Ablufttürmen. Erbaut zwischen 1933 und 1935 als Teil der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt wurden hier Flugmotoren mit Luftschrauben geprüft. Heute ist das Gebäude der Sitz des Studentischen Begegnungszentrums „Motorenprüfstand“, kurz MoPs (www.projekte.hu-berlin.de/de/pruefstand).

Rechts: der Trudelturm. Erbaut zwischen 1934 und 1936, war es mit diesem Bau möglich, erstmals den gefährlichen Zustand des Trudelns beim Fliegen im Labor zu simulieren, seinerzeit eine technische Innovation.

Direkt daneben befindet sich der Große Windkanal, erbaut zwischen 1932 und 1934, konnten in der Röhre aerodynamische Untersuchungen in Luftströmen durchgeführt werden. Drumherum um die denkmalgeschützten Gebäude: kreisrunde Sitzgelegenheiten, in die kluge Sprüche eingraviert sind.

Über eine Freifläche erreichen wir das Forum Adlershof, das Besuchs- und Veranstaltungszentrum des Wissenschaftsstandorts. An der Rudower Chaussee fällt die markante, 2008 errichtete Skulptur „Kopfbewegung“ auf, mit zwei Stelen, auf denen sich jeweils ein 1,75 Meter hoher Kunststoffkopf befindet. Daneben: das Ristorante I Due Amici (Erich-Thilo-Str. 12, Adlershof, Tel. 67 81 83 13, tägl. 11–23.30 Uhr, www.idueamici.berlin) mit italienischen Spezialitäten. Wer vor der Rückkehr zum S-Bahnhof noch einkaufen möchte: auf dem Weg dorthin liegt an der Rudower Chaussee eine Kaufland-Filiale. Für die etwa 3,5 Kilometer lange Strecke sollte man um die anderthalb Stunden einplanen.