
SPORT Ein halbes Jahr nach ihrer Einstellung im Oktober 2025 erlebt die Berliner Kultzeitschrift „Fußball-Woche“ eine Wiederauferstehung
Montag war immer FuWo-Tag. Echte Fußballnerds lieben den „Kicker“, mit seinen großen Berichten, Reportagen und Interviews, und sie lesen das eher gesellschaftspolitische Magazin „11 Freunde“ sehr gerne. Aber nichts war schöner, als sich nach dem Wochenende in die scheinbar endlosen Tabellen und Statistiken zu vertiefen, die man so nur in der „Fußball-Woche“ fand. Selbst Manfred Krug las in der Serie „Liebling Kreuzberg“ regelmäßig das Kultblatt.
Das ging so über 100 Jahre so, bis im Oktober 2025 das Blatt eingestellt wurde. Doch nach nur einem halben Jahr Pause geht es jetzt weiter.
Gegründet wurde die „Fußball-Woche“ tatsächlich 1921 auf einem Donaudampfer zwischen Budapest und Pressburg, die erste Ausgabe erschien am 24. September 1923. Die „Fußball-Woche“ war vor allen Dingen in Berlin verbreitet, hatte aber überall in Deutschland auch regionale Ausgaben. Nach einer kriegsbedingten Pause erschien die „FuWo“ wieder ab 1950, wurde dann jedoch auch ein Opfer der deutschen Teilung: Von 1949 an gab es in der DDR die „Neue Fußballwoche“. Der große Sportjournalist Günter Simon (von ihm stammen einige der besten Bücher über Fußball überhaupt) war hier seit 1961 Autor, in späteren Jahren auch immer wieder Chefredakteur.
Den Online-Zug verpasst
Die „FuWo“ war eine Traditionszeitschrift und wie viele Traditionszeitschriften konnte oder wollte sie sich nicht bewegen, als die neuen Medien die Art der Informationsaufbereitung revolutionierten. Die Ansage anlässlich des 100-jährigen Bestehens, alte Ausgaben digital zur Verfügung zu stellen, machte da einen eher hilflosen Eindruck. „Es ist ein Stück Berliner Fußball-Kultur, das nun verschwindet, auch weil der Online-Zug verpasst wurde“, urteilte Matthias Koch im „11 Freunde“, als die „FuWo“ im letzten Oktober eingestellt wurde.
Doch Totgesagte leben eben länger. Nur ein halbes Jahr nach dem Ende feiert die „Fußball-Woche“ ihre Wiederauferstehung. Verantwortlich dafür ist Tino Loest, Versicherungskaufmann, Gastronom und Vorsitzender des Vereins Eintracht Mahlsdorf. Auch wenn er viele Mitarbeiter und die Redaktionsadresse in der Lützowstraße in Tiergarten übernimmt, ist das doch eine echte Neugründung, denn die 300.000 Euro Verbindlichkeiten des alten Verlags konnte und wollte Loest nicht übernehmen.
Dabei setzt der Retter der „FuWo“ zunächst ganz auf Internetpräsenz und eine kostenlose App, aber auch eine Printausgabe soll es wieder geben. Zurzeit ist Loest noch dabei, die „FuWo“ auf finanziell seriöse Füße zu stellen. Neben Sponsoren und Werbung wird es auch einen „Club der Retter“ geben. Angepeilt ist eine Summe von mindestens 250.000 Euro. „Die Marke soll Marke bleiben“, sagt Tino Loest im Interview mit dem „Tagesspiegel“, „unsere erste Liga ist die Regionalliga.“
Spätestens zur Fußball-WM im Juni werden Webseite und App starten, die gedruckte Ausgabe soll zum Saisonstart 2026/27 erscheinen.
Text: Lutz Göllner
