Im Reparatur-Café Mariendorf wird alter Technik neues Leben eingehaucht. Bild: Reparatur-Café Mariendorf
Im Reparatur-Café Mariendorf wird alter Technik neues Leben eingehaucht. Bild: Reparatur-Café Mariendorf

POLITIK Seit Ende Juli gilt das EU-weite „Recht auf Reparatur“, doch in Berlins Repair-Cafés ist davon bislang wenig zu spüren. Und beim Thema Preis bleiben viele Fragen offen

Streikt die Waschmaschine oder verstummt der Mixer, war die Antwort bisher oft: wegwerfen, neu kaufen. Denn Ersatzteile sind rar und Reparaturen nicht selten kompliziert. Rund drei Viertel der kaputten Elektrogeräte landet so im Müll, in Berlin sind das pro Kopf rund vier Kilogramm Elektroschrott pro Jahr. Das will die EU ­ändern: Seit dem 31. Juli dieses Jahres gilt ein neues „Recht auf Reparatur“. Deutschland hat die EU-Richtlinie umgesetzt und gibt Verbraucher:innen erstmals einen direk­ten Anspruch gegen den Hersteller.


Der gilt für Geräte wie ­Waschmaschinen, Trockner, Kühlgeräte, Fernseher und Smartphones. Verbraucher:innen können verlangen, dass der Hersteller defekte Geräte repariert. Auch nach Ablauf der zweijährigen Gewährleistung und bei selbst verschuldetem Schaden. Ersatzteile, Updates und Anleitungen muss er bis zu zehn Jahre lang vorhalten, verklebte Gehäuse und Software-Sperren sind künftig untersagt. Wer innerhalb der Gewährleistung eine Reparatur statt eines Ersatzgeräts wählt, verlängert die Frist sogar von zwei auf drei Jahre.

Kostenlos ist die Reparatur trotzdem nicht. Das Gesetz schreibt nur einen „angemessenen“ Preis vor. Ein Ersatzteil darf also teurer sein als ein Neugerät. „Reparaturen sind derzeit teuer, zeitaufwändig und umständlich im Vergleich zum Neukauf“, sagt Keo Sasha Glawion Rigorth von der Verbraucherzentrale. Bis die Hürden aus dem Alltag verschwänden, werde es noch ­dauern. Die Verbraucherzentrale fordert daher ­einen europaweiten Kriterienkatalog für Ersatzteilpreise. Ein Ersatzteil müsse immer günstiger sein als ein neues Produkt. Wer ein defektes Gerät hat, sollte prüfen, ob es unter das neue Recht fällt: Die Reparaturbedingungen und typischen Preise muss der Hersteller online transparent veröffentlichen.

Schnelle Hilfe im Repair-Café

Bei kleineren Defekten können die über 50 Berliner Reparatur-Initiativen helfen. Ob in Schöneberg, Mariendorf oder Reinickendorf: Ehrenamtliche gehen dort ohne Zeitdruck den Defekten auf den Grund. In Mariendorf laufen 70 bis 80 Prozent der Geräte wieder, in Reinickendorf mehr als jedes zweite. „Repair Cafés sind Orte, an denen Menschen konkret ins Handeln kommen können und an denen Wissen weitergegeben wird“, sagt Lysann ­Steinbacher vom BUND-Repair-Café Schöneberg.

Doch vom neuen EU-Recht merken die Initiativen bislang noch wenig: Typische Haushaltsgeräte wie Toaster, Wasserkocher oder Nähmaschinen sind vom Gesetz gar nicht erfasst. Anfragen zu Smartphones erwartet Steinbacher erst „in zwei bis drei Jahren, wenn die Gewährleistung für die aktuell produzierten Geräte abläuft“.Dass zwischen Gesetz und Werkstattalltag noch Lücken klaffen, zeigt auch die Suche nach Ersatzteilen. Das größte Problem sei das Öffnen der Geräte, berichtet Rolf Antkowiak vom Café in Reinickendorf: ­Verklebte Gehäuse und Plastik-Klickverbindungen kosteten oft mehr Zeit als die Fehlersuche. Fehlende Teile besorgen die Gäste meist selbst. „Hier ist zum Teil echte Detektiv-Arbeit gefragt.“

Damit aus dem Recht mehr wird als ein bürokratischer Papiertiger, müssten Hersteller Originalersatzteile und Anleitungen auch an unabhängige Werkstätten und Repair-Cafés liefern.Flankiert wird das EU-Recht in Berlin vom Reparaturbonus des Senats: Seit September 2024 wurden über 14.000 Reparaturen mit bis zu 200 Euro bezuschusst. Denn die Berliner:innen wollen reparieren statt wegwerfen.