Ali Özek, Geschäftsführer von Folienmarkt
Ali Özek, Geschäftsführer von Folienmarkt

Wer seinen Lebensraum gestalten will, denkt zuerst an Farbe, Böden und Möbel. Das Fenster spielt dabei kaum eine Rolle, dabei ist die Glasscheibe eine der größten Flächen in jedem Raum. Die Redaktion hat sich mit Ali Özek getroffen, dem Geschäftsführer von Folienmarkt. Das Unternehmen ist seit über 19 Jahren auf selbstklebende Fensterfolien spezialisiert und bietet millimetergenau zugeschnittene Dekor-, Design-, Sonnenschutz- und Sichtschutzfolien für private Haushalte, Gewerbe und die Gastronomie an.


Das Gespräch dreht sich um Glasflächen als Gestaltungselement, das Potenzial, das die meisten Kunden erst beim zweiten Blick entdecken, und die Frage, warum ein schlichtes Streifenmuster manchmal mehr bewirkt als eine neue Wandfarbe.

Herr Özek, Fensterfolien klingen für viele nach Sichtschutz im Badezimmer und nicht viel mehr. Täuscht dieser erste Eindruck?

Ali Özek: Ja, absolut. Das ist der häufigste Irrtum, mit dem wir es zu tun haben. Sichtschutz ist oft der Einstieg, das stimmt. Aber wenn Kunden erst einmal sehen, was möglich ist, ändert sich der Blick sehr schnell. Viele kommen wegen Sonnenschutz und entdecken dann, dass sie ihr Bad mit einer Designfolie komplett neu erfinden können. Das höre ich regelmäßig und es überrascht mich jedes Mal wieder, wie groß der Aha-Moment ist.

Was unterscheidet eine Dekorfolie von dem, was die meisten aus dem Baumarkt kennen?

Özek: Der größte Unterschied liegt im Zuschnitt und in der Qualität der Muster. Was man im Baumarkt findet, kommt von der Rolle, in Standardbreiten, und dann schneidet man eben so gut es geht. Bei uns wird jede Folie millimetergenau auf das Maß des jeweiligen Fensters zugeschnitten. Das klingt nach einem kleinen Detail, macht aber einen enormen Unterschied im Ergebnis. Ein Wabenmuster, das am Rand sauber abschließt, sieht komplett anders aus als dasselbe Muster, das einfach abgetrennt wurde.

Welche Muster funktionieren in der Praxis am häufigsten?

Özek: Die Klassiker sind schmale horizontale Streifen. Zehn Millimeter breite Bänder, die sich über die gesamte Scheibe ziehen, erinnern an satiniertes Glas und wirken dabei nicht aufdringlich. Die sind beliebt, weil sie zu fast allem passen. Dann gibt es geometrischere Formen wie unser Wabenmuster oder das Schuppenmuster, die eher als gestalterisches Statement funktionieren. Und auf der anderen Seite haben wir ganz feine Punktmuster mit drei Millimeter großen Elementen, die kaum sichtbar sind, aber trotzdem ausreichend Sichtschutz bieten. Da ist die Bandbreite wirklich groß.

Wie viel Licht verliert man durch eine solche Folie?

Özek: Das kommt komplett auf das Muster an, und das ist auch der Punkt, an dem wir Kunden ausführlich beraten. Ein feines Punktmuster lässt bis zu 92 Prozent des Lichts durch. Man merkt kaum, dass etwas auf der Scheibe ist. Ein dichteres Muster wie unsere Silberstreifen kommt auf rund 40 Prozent Lichtdurchlass. Das ist dann schon ein anderer Raumeffekt. Für ein Nordzimmer mit wenig direktem Licht empfehle ich etwas anderes als für ein Südfenster, das den ganzen Tag Sonne abbekommt. Das muss man abwägen.

Sie erwähnten den Raumeffekt. Welche Rolle spielt Licht bei der Gestaltung mit Folien?

Özek: Eine sehr unterschätzte Rolle. Wenn Licht durch eine strukturierte Folie fällt, wird es gestreut. Es kommt weicher an, diffuser. Das verändert die Stimmung in einem Raum spürbar, ohne dass man irgendetwas an der Einrichtung anfasst. Ich sage manchmal: Bevor man neue Lampen kauft, lohnt es sich zu schauen, was mit dem Fenster möglich ist. Das Fenster ist der größte natürliche Lichteinfall in einem Raum. Wer den gestaltet, gestaltet den Raum.

Gastronomie und Hotels tauchen in Ihren Referenzfeldern immer wieder auf. Was brauchen diese Kunden, das ein Privathaushalt nicht braucht?

Özek: Vor allem Verlässlichkeit und Reversibilität. Wer ein Restaurant betreibt oder ein Hotel führt, renoviert regelmäßig. Das Konzept ändert sich, die Marke entwickelt sich weiter. Eine Folie, die sich rückstandslos abnehmen lässt, ist da ein echtes Argument. Bei einer Glastür zur Küche oder einem Durchblick, den man regulieren will, ohne die Tür zu verändern, ist das die unkomplizierteste Lösung, die es gibt. Und der optische Anspruch ist im Gewerbebereich oft höher. Da reicht kein Standardrollo.

Wie ist es bei Mietwohnungen? Viele Menschen scheuen Veränderungen, weil sie beim Auszug alles rückgängig machen müssen.

Özek: Das ist tatsächlich ein Thema, das wir häufig ansprechen. Unsere Folien werden innen auf das Glas aufgebracht, sie berühren die Substanz der Wohnung nicht. Wer die Folie später abnimmt, hinterlässt keine Spuren auf dem Glas. Das ist für Mietende wirklich wichtig, und sobald wir das klargestellt haben, fällt die Hemmschwelle meistens komplett weg. Viele haben vorher gar nicht gewusst, dass das überhaupt eine Option für sie ist.

Interior Designer scheinen das Produkt zunehmend für sich zu entdecken. Woher kommt dieses wachsende Interesse aus der Branche?

Özek: Ich denke, weil das Fenster so lange einfach ignoriert wurde. Wände, Böden, Möbel, Beleuchtung, das sind die klassischen Gestaltungsebenen. Das Fenster war baulich vorhanden und wurde nicht als aktiv gestaltbar wahrgenommen. Das ändert sich gerade. Wer ein Raumprojekt durchdenkt, schaut mittlerweile auch auf das Glas. Und sobald man anfängt, die Scheibe als Fläche zu begreifen, eröffnen sich Möglichkeiten, die vorher nicht auf dem Radar waren.

Was kostet ein Einstieg, wenn jemand zum ersten Mal eine Designfolie ausprobieren will?

Özek: Unsere Dekorfolien beginnen bei rund 24 Euro, zugeschnitten auf das eigene Maß. Das ist kein großes Budget. Wer mit einem Badezimmerfenster anfängt, kann für sehr wenig Geld sehen, wie sich das anfühlt und ob es zum eigenen Stil passt. Das ist einer der Gründe, warum ich denke, dass der Einstieg über das Bad so häufig passiert. Das Fenster ist klein, der Einsatz ist gering, und das Ergebnis ist trotzdem sofort spürbar.

Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich, dass Leute anders über ihr Fenster denken?

Özek: Dass sie es überhaupt denken. Das Fenster ist eine Fläche, und Flächen kann man gestalten. So einfach ist das. Wer renoviert, streicht die Wände, sucht neue Möbel, überlegt sich die Beleuchtung, und dann hängt ein Plastikrollo vor dem Fenster. Das muss nicht so sein. Ich würde mir wünschen, dass das Fenster dieselbe Selbstverständlichkeit bekommt wie jede andere Gestaltungsfläche in einem Raum. Wir haben jetzt 19 Jahre lang gezeigt, dass das möglich ist. Ich glaube, das Bewusstsein dafür wächst gerade wirklich.