Einhub der Ringbahnbrücken-Überbauten am 10. Juli. Bild: IMAGO / Jürgen Heinrich
Einhub der Ringbahnbrücken-Überbauten am 10. Juli. Bild: IMAGO / Jürgen Heinrich

Die Arbeiten an der maroden Stadtautobahn A100 laufen nicht nur im ­festgesteckten Zeitrahmen ab, sie bieten auch staunenswerte Momente für Technikfreaks

Über Berlin wird viel gemeckert: Kalkutta an der Spree, gescheiterte Stadt, Shithole-City. Und vieles davon – etwa den Dreck auf Straßen und Fußwegen – wird ja auch zu Recht kritisiert. Doch es gibt auch positive Nachrichten, sei es aus den Bürgerämtern, die endlich wieder erreichbar sind, sei es über die Digitalisierung, die dank Martina Klement (CSU) in Gang gekommen ist. Und auch von den großen Baustellen in der Stadt gibt es durchaus Gutes zu vermelden.


320 Tonnen

Die Stadtautobahn A100 zwischen Dreieck Funkturm und dem Spandauer Damm ist seit Herbst 2025 eine Baustelle und sorgt für viel Verkehrsfrust in den umliegenden Wohngebieten. Nicht nur gehen dort die Arbeiten im geplanten Zeitrahmen ­voran, sie verursachen sogar beeindruckende Nachrichten.

Am Wochenende vom 10. bis zum 13. Juli wurde die neue Ringbahnbrücke eingehoben. Ein Ereignis, dass auch viele Technikfreaks elektrisierte, von der rbb-Abendschau begleitet und sogar live im Internet gestreamt wurde (www.deges.de/ringbahnbruecke). Sechs Großbauteile wurden seit Mitte März angeliefert und vormontiert. Das schwerste Bauteil wog erstaunliche 320 Tonnen.

Dafür wurde extra ein spezieller Raupenkran errichtet, der sich auf einer eigens angelegten Spur aus tragfähigen Bongossi-Holz bewegt. Damals, beim Abriss der alten, maroden Ringbahnbrücke, musste der S-Bahn-Verkehr für gleich mehrere Wochen unterbrochen werden. Diesmal, bei der Montage der neuen Brücke, gab es Sperrpausen von ein paar Stunden.

Wind und Kies

Aber es lief auch nicht alles vollkommen glatt. Plötzlich aufkommende Winde etwa sorgten dafür, dass die Montage ein paar Stunden länger dauerte als geplant und erst am Montag abgeschlossen werden konnte. Und rätselhafterweise hinterließ die Baustellen-Nachtschicht einen riesigen Kieshaufen direkt neben dem Kran, der gemeinschaftlich von den Arbeitern weggeschippt werden musste.

Und nun zum Westend

Ab August soll dieser Stunt nun wiederholt werden, zwei Kilometer weiter südlich, kurz vor der Anschlussstelle Spandauer Damm. Diese Operation wird noch kniffliger: Über 240 Meter wird die neue Westendbrücke lang sein. Vorarbeiten – neue Pfeiler – laufen bereits seit März, ab Mitte August werden auch nachts Kabelarbeiten durchgeführt werden. Der Einhub erfolgt in mehreren Abschnitten und soll noch vor Weihnachten abgeschlossen werden. Die neue Westendbrücke soll dann zusammen mit dem gesamten Bauabschnitt im nächsten Sommer fertig sein und über eine neuartige Form von Flüsterasphalt verfügen.

Die Zukunft

Und dann wird es kompliziert: Angekündigt ist der Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke. Sie ist mit fast einem Kilometer Länge die längste Brücke im Berliner Stadtgebiet. Das wird noch einmal besonders anspruchsvoll, denn bisher ruhen alle sechs Fahrspuren der Brücke auf jeweils einem Pfeiler. Geplant ist eine Ersatzbrücke und ein sukzessiver Neubau von jeweils 60 Metern.