Eine Rundtour durch das bürgerliche Pankow mit bemerkenswerten Gebäuden
Vom großen Bezirk Pankow wollen wir heute den gleichnamigen Ortsteil erkunden, mit einem Abstecher nach Niederschönhausen. Am U- und S-Bahnhof Pankow beginnt die Grunowstraße, und dort befindet sich an der Hausnummer 8–11 eine Besonderheit: Das von 1926 bis 1928 erbaute Gesundheitshaus mit seiner dunklen Klinkerfassade war das erste kommunale seiner Art in ganz Deutschland, steht unter Denkmalschutz und beherbergt auch heute noch soziale Dienstleister.
Über die Schulstraße geht es links zum Bleichröderpark mit seinem Pferdespielplatz, zuvor kommen wir am Italiener Ristorante Avellino (Grunowstr. 21, Tel. 50 56 69 80, tägl. 12–23 Uhr, www.ristorante-avellino.de) vorbei, derzeit gibt es eine große Spargelkarte.
Rechts in einem Flachbau mit großem Biergarten: das Kiez Kaffee Kraft (Mo–Fr 8.30–18, Sa+So 10–18 Uhr, www.kiezkaffeekraft.de). Hier treffen wir auf die Breite Straße, das Zentrum Pankows. Rechts die Alte Pfarrkirche „Zu den vier Evangelisten“. Hier stand schon um 1420 eine Feldsteinkirche, seither wurde vor allem in den Jahren 1859 und 1909 vieles um- und angebaut. Links ist dienstags, freitags und sonnabends von 8 bis 13 Uhr Wochenmarkt, mittwochs sogar bis 18 Uhr.
Ein Weg durch das Rathaus Center Pankow führt zum Jugendzentrum Schabracke, zur Pestalozzistraße und nach rechts zur Ossietzkystraße. Etliche Plastiken säumen den Weg Richtung Schloss Schönhausen, die schönste stellt den Namensgeber Carl von Ossietzky dar. Nach ihm ist auch die Ossietzkybrücke über die Panke benannt. Wir halten uns auf dem Hauptweg, durchqueren das Gelände der Bundesakademie für Sicherheitspolitik (geöffnet von 5 bis 20.30 Uhr).
Da steht es: das ansehnliche Schloss Schönhausen, das jahrelang von der DDR als repräsentativer Bau genutzt wurde. Ein kurzer Abstecher in den Garten lohnt sich wegen des prächtigen Baumbestands – und wegen der kleinen Bronze-Schildkröte gleich rechts. Vor dem Schlossportal beginnt die Tschaikowskistraße mit dem Gartenlokal Café Sommerlust (tägl. 11–17 Uhr) und dem ehemaligen Gästehaus der DDR gegenüber, heute bestückt mit Wohnungen.
Viel DDR-Prominenz
Ab hier wird es edel, schmucke Villa an schönem Stadthaus. Links über den Boris-Pasternak-Weg erreichen wir eine der kuriosesten Straßen Berlins: den Majakowskiring. Wenig weist heute darauf hin, aber ab den frühen 1950er-Jahren residierten hier etliche „Großkopferte“ der DDR, von Otto Grotewohl (Nr. 46/48) bis Kurt Hager (Nr. 55), von Günter Schabowski (Nr. 63) bis Willi Stoph (Nr. 64). Das Haus mit der Nummer 58 wurde ab 1945 vielfach genutzt, von den Sowjets, von Honecker, der Stasi – heute ist es Sitz von „KULTI“ (www.kultipankow.de), dem Kinder- und Jugendfreizeithaus des Bezirksamts Pankow. Und das ist auch gut so.
Wir verlassen dieses seltsame Terrain und tauchen ein in den Alltag – in Form der belebten Grabbeallee. Links: die Paul-Francke-Siedlung, erbaut in prächtigem Backstein in den Jahren 1908 und 1909 vom Architekten Paul Mebes im Auftrag des Beamten-Wohnungs-Vereins zu Berlin. Wir erreichen den Bürgerpark Pankow und betreten die Grünanlage am Denkmal für den Schriftsteller und Nazi-Widerstandskämpfer Julius Fu?ík.
Kurz dahinter führt ein Steg über die Panke in den eigentlichen Bürgerpark. Der gehört zweifelsohne zu den schönsten Grünflächen der Stadt – mit dem Rosengarten und seinem Pavillon, mit dem Tiergehege am südlichen Rand, mit den Liegewiesen, den Bronzeplastiken, etwa von Heinrich Mann und Johannes R. Becher. Freitags ab 16 Uhr kann man hier Qigong ausüben, auch Anfänger sind willkommen.
Das prächtige Portal bringt uns zur Wilhelm-Kuhr-Straße. Über sie gelangen wir zur Wollank- und – kurz vor dem Rathaus Pankow – zur Neuen Schönholzer Straße, wo sich ein weiteres bemerkenswertes Gebäude befindet: die Alte Mälzerei. Heute eine Wohnanlage, wurde hier bis 1945 Malz zum Bierbrauen hergestellt. Über die Florastraße, vorbei an interessanten Läden und der Kneipeninstitution „Prager Frühling 1968“ (Nr. 62) geht es zurück zum Bahnhof Pankow. Für die knapp sechs Kilometer lange Tour sollte man um die zwei Stunden einplanen.



