In Südwest-Florida klafft eine Preislücke, die Investoren aufhorchen lässt. Patrick Lauber von Daria US erklärt, warum Cape Coral der letzte bezahlbare Premium-Standort ist und weshalb sich das Fenster in fünf Jahren für immer schließt.
Eine Villa in Naples kostet vier Millionen Dollar. Nur 50 Kilometer nördlich, in Cape Coral, zahlen Käufer für ein vergleichbares Anwesen gerade einmal eine Million. Beide Städte liegen in Südwest-Florida, bieten direkten Zugang zum Golf von Mexiko (den Trump jüngst in Golf von Amerika umbenennen ließ) und profitieren von derselben Infrastruktur. Diese Preisdifferenz bei praktisch identischer Lage ist kein Zufall. Sie markiert vielmehr den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die Immobilienexperten seit Jahren beobachten und die sich gerade beschleunigt.
Patrick Lauber steht auf dem Rohbau einer Villa im Nordosten von Cape Coral. Der 40-Jährige analysiert seit über 15 Jahren Immobilienmärkte und hat 2013 erstmals Florida besucht. Zehn Jahre später gründete er mit Frank Rahlf, 56, das Unternehmen Daria US. Ihre Mission: deutsche Bauqualität mit amerikanischem Lifestyle zu verbinden. „In fünf Jahren ist dieses Zeitfenster für immer geschlossen“, sagt Lauber Anfang 2026, während er auf die Baustellen ringsum zeigt. Überall entstehen neue Häuser. Die Infrastruktur wächst täglich. „Das ist genau das Muster, das wir aus Miami, Tampa und Orlando kennen“, erklärt er. „Am Anfang sind die Preise niedrig, dann strömt Kapital in den Markt, danach folgt die Preisexplosion. Cape Coral ist jetzt genau da, wo diese Städte vor 15 Jahren waren.“
Ver-24-fachung in 100 Jahren
Die Zahlen geben ihm recht. Florida hat seine Bevölkerung in den vergangenen 100 Jahren ver-24-facht. Lebten 1910 noch unter einer Million Menschen in dem Bundesstaat, sind es heute 24 Millionen. Zum Vergleich: Deutschland müsste seine Einwohner alle 30 Jahre verdoppeln, um ähnliche Wachstumsraten zu erreichen. Was in Europa unvorstellbar erscheint, ist in Florida Alltag. Als einzelner Bundesstaat erwirtschaftet Florida ein Bruttoinlandsprodukt, das dem von Russland entspricht und das auf einem Hundertstel der Fläche.
Cape Coral lag dennoch lange im Schatten der großen Florida-Städte. Bis in die 1990er Jahre hinein gab es praktisch keine Wertsteigerung bei Immobilien. Grundstücke wurden fast verschenkt, während Miami, Orlando und Tampa zu den teuersten Immobilienstandorten der USA aufstiegen. „Die Karawane zieht weiter“, sagt Frank Rahlf und verwendet damit einen in Florida geläufigen Ausdruck. „So nennen wir das hier. Das Investitionskapital fließt immer dorthin, wo noch echtes Potenzial vorhanden ist. Jetzt ist Cape Coral an der Reihe.“
Natürlich begrenzt: Die Halbinsel-Situation
Der entscheidende Unterschied zu anderen Boomtowns liegt in der Geografie. Cape Coral befindet sich auf einer Halbinsel, das verfügbare Land ist natürlich begrenzt. Anders als Städte im Landesinneren kann Cape Coral nicht beliebig erweitert werden. Die Zahlen belegen das eindrücklich: 1980 hatte die Stadt 90.000 Einwohner, im Jahr 2020 waren es bereits 194.000. Alle zehn Jahre werden im Schnitt 40.000 neue Wohneinheiten fertiggestellt. Mehr schafft die Bauwirtschaft nicht. Im Jahr 2040 wird Cape Coral vollständig bebaut sein. „Dann gibt es keine neuen Grundstücke mehr“, erklärt Lauber. „Nur noch Bestandsimmobilien. Und die Preise werden auf dem Niveau von Naples liegen.“
Ein konkretes Beispiel illustriert die Dynamik des Marktes: Ein Wassergrundstück, das vor fünf Jahren für 80.000 Dollar angeboten wurde, kostet heute 800.000 Dollar. Das entspricht einer Verzehnfachung innerhalb von nur fünf Jahren. Im Nordosten, wo Daria US seine Villen errichtet, sind die Gewerbemieten innerhalb weniger Monate von 26 Dollar pro Quadratmeter auf 60 Dollar gestiegen. „Das ist die Geschwindigkeit, mit der sich unterentwickelte Märkte bewegen, sobald sie Kapital anziehen“, sagt Lauber.
Der Sweet Spot außerhalb der Flutzone
Der Nordosten von Cape Coral bietet dabei einen entscheidenden Vorteil, der nach den verheerenden Wirbelstürmen der vergangenen Jahre immer bedeutsamer wird: Die Region liegt außerhalb der Flutzone. Der Hurrikan Ian im Jahr 2022 gilt als einer der schlimmsten in der Geschichte Floridas. Während das Gebiet im Nordosten, in dem Daria baut, von Überflutungen verschont blieb, waren 20 Kilometer weiter südlich Totalschäden zu beklagen. „Nach den schweren Hurrikans wird dieser Sicherheitsfaktor immer wichtiger“, erklärt Lauber. „Die Versicherungskosten steigen, ganze Gebiete werden unbezahlbar. Wir befinden uns im Sweet Spot: nah genug am Wasser für die Lebensqualität, aber geschützt vor den Risiken.“
Diese Kombination aus begrenztem Angebot, wachsender Nachfrage und geografischen Vorteilen schafft eine Situation, die Immobilienexperten als einmalig beschreiben. „In zwei bis drei Jahren wird dieses Zeitfenster bereits deutlich enger sein“, sagt er. „In fünf Jahren ist es zu. Wer dann kommt, zahlt das Drei- bis Fünffache. Nicht weil wir die Preise erhöhen, sondern weil der Markt sie erhöht.“
Cape Coral beweist damit, dass es sie noch gibt: die unentdeckten Juwelen im Immobilienmarkt. Die Frage ist nur, wie lange noch. Die ersten Investoren haben bereits gebaut, viele weitere Hausbauprojekte werden nach Aussage von Lauber in den kommenden Jahren noch folgen. Danach wird das Fenster schmaler. Und irgendwann, in nicht allzu ferner Zukunft, schließt es sich vollständig. Dann wird Cape Coral zur Geschichte werden – wie Miami, wie Naples, wie alle anderen florianischen Boomtowns vor ihm. Mit einem entscheidenden Unterschied: Bei denen konnte man nicht mehr dabei sein. Hier schon. Noch.


