In der Kolumne „Schlager der Woche“ setzen sich unsere Kollegen von Schlager Radio (in Berlin u. a. auf 106,0 UKW) mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und interessanten Alltagsbeobachtungen auseinander. Dieses Mal schreibt Kathleen Fengler über einen Bezirk, der immer in Bewegung ist: Wedding.

Wer nach Wedding kommt, lernt schnell: Der Knall ist nur der Auftakt. Die eigentliche Frage beginnt danach: Wie geht es weiter? Der Brand am S-Bahnhof in der Silvesternacht war ein Schock, doch in diesem Kiez ist das selten das Ende der Geschichte, eher eine ihrer ­typischen Wendungen.


Der Bahnhof Wedding wird nicht über Nacht zum Schmuckstück, aber Berlin lebt von Provisorien, die bleiben. Ersatzbusse werden weiter durch die Müllerstraße kriechen, Pendler werden murren, und trotzdem wird sich der Alltag wieder ­sortieren. Irgendwann halten die Züge wieder, als wäre nie ­etwas gewesen.

Auch der Kiez selbst wird nicht lange trauern. Der Brand wird zur Anekdote. Vielleicht ist genau das Wedding: ein Ort, der stolpert, kurz hustet und dann weitermacht, laut, widersprüchlich, solidarisch, manchmal chaotisch, aber immer in Bewegung. Ein Kiez, der niemandem ­etwas vormacht und gerade ­deshalb auf seine eigene, raue Art ­so verlässlich bleibt.