Die „Gründermütter“ des Schwulen Museums Manfred Baumgart, Wolfgang Theis, Andreas Sternweiler und Manfred Herzer-Wigglesworth (vlnr) in den Räumen der AHA, Juni 1986 (Fotograf*in unbek., Archiv SMU). Bild: Archiv SMU
Die „Gründermütter“ des Schwulen Museums Manfred Baumgart, Wolfgang Theis, Andreas Sternweiler und Manfred Herzer-Wigglesworth (vlnr) in den Räumen der AHA, Juni 1986 (Fotograf*in unbek., Archiv SMU). Bild: Archiv SMU

Das Schwule Museum hat Geburtstag – und blickt auf bewegte 40 Jahre queere Geschichte zurück

„…und dann fingen die Probleme an“ heißt eine Ausstellung, die an die Anfänge des Schwulen Museums in Berlin erinnert. Im Zentrum der Retrospektive, die bis März in der Lützowstraße zu sehen ist, stehen Videointerviews mit den Gründungsmitgliedern – den „Gründermüttern“, so ihre Eigen­bezeichnung. Ohne eine Crowdfunding-Kampagne wäre das nicht möglich gewesen, sagt Kuratorin und Geschäftsführerin Birga Meyer. Auch das Schwule Museum hat mit den Sparmaßnahmen des Senats zu kämpfen. Zwar sind viele Exponate aus den Anfangstagen wie Plakate, Fotos und Kunstwerke erhalten – „wenn wir einen Künstler ausgestellt haben, musste der uns was schenken“, meint Mitbegründer Andreas Sternweiler –, doch die Gründung selbst wurde erst jetzt dokumentiert.


Von der Ausstellung zum eigenen Museum

Seinen Ursprung hat das ­Museum in der Ausstellung ­„Eldorado“ im damaligen Berlin Museum 1984 in Kreuzberg, mit der die „Gründermütter“ einen Blick auf die homosexuelle Kultur und Geschichte der Stadt warfen. Das fand so viel Anklang, dass im Jahr darauf das Schwule ­Museum gegründet wurde. Ziel der ­ersten Ausstellungen war es, vor dem Hintergrund der Aids-Krise homo­sexuelles Leben in Berlin sichtbar zu machen, doch allzu gegenkulturell sieht Sternweiler das damalige Unterfangen nicht: „Sich mit Geschichte zu beschäftigen, war ja nun nicht unbedingt Punk.“

Doch Punk findet man in dem Museum durchaus. Die Werke der Fotografin Petra Gall ­zeigen weibliche und lesbische Bewe­gungen im West-Berlin der 1980er-Jahre. Galls Schwarzweiß-Bilder dokumentieren eine politisch aktive Szene, zu deren Alltag Häuserkampf und Demonstrationen ebenso gehörten wie Musik und Kunst. Den Bogen zur Jetztzeit spannt die Ausstellung „A Heart that Beats“, die queere Kunst aus der Ukraine versammelt. So zeigt die Video­installation „The Wonderful Years“ von Svitlana Shymko und Galka Yarmanova Archivmaterial lesbischer Frauen in den letzten Jahren der Sowjetunion. Fotografien, Zeichnungen und Textilskulpturen thematisieren auch den Krieg mit Russland.

Obwohl sich das Schwule ­Museum mittlerweile etabliert habe, sei der Kampfgeist nicht erloschen, sagt Meyer. So ist für dieses Jahr eine Ausstellung zu queerem Leben in der Provinz ­geplant, auch vor dem Hintergrund steigender LGBTIQ*-Feindlichkeit.

Auf einen Blick

Schwules Museum Lützowstr. 73, Tiergarten, Tel. 69 59 90 50, Mo,Mi+Fr 12–18, Do 12–20, Sa 14–19, So 14–18 Uhr,

Karten kosten 10, erm. 5 €, bis 16. März 2026