Die ehemalige Kaserne ist heute ein Oberstufenzentrum. Bild: M. Schwarz
Die ehemalige Kaserne ist heute ein Oberstufenzentrum. Bild: M. Schwarz

Ein Winter-Spaziergang von Kreuzberg nach Friedrichshain und wieder zurück, mit viel Kultur und spannenden Bauten

Wir verlassen das Kulturdenkmal U-Bahnhof Schlesisches Tor – erbaut von 1899 bis 1901 nach Entwürfen der Architekten Hans Grisebach und Georg Dinklage – und gehen die kleine Bevernstraße entlang zur Spree. Hier hat man einen herrlichen Blick auf die Oberbaumbrücke, für viele die schönste Brücke Berlins. Bereits 1723 wurde an dieser Stelle eine erste Brücke gebaut. Zwischen 1894 und 1896 entstand dann jenes neugotische Bauwerk, das im Krieg stark beschädigt und erst nach dem Mauerfall restauriert wurde.


Am Restaurant Spreeterrassen und einem schönen Wandgemälde am May-Ayim-Ufer – ­benannt nach der Aktivistin der afrodeutschen Bewegung – vorbei und nach dem Überqueren der Brücke führen links einige Stufen hinunter zum Wasser. Ein herrlicher Weg an der Spree beginnt, der ein Stück weiter einer Entscheidung bedarf: Entweder man begibt sich zur Mühlenstraße und begutachtet die Kunstwerke der East Side Gallery, oder man bleibt am Wasser und genießt den Blick. Das Ufer muss man nach einem langgezogenen Neubau kurz verlassen, um zum „Park an der Spree“ zu gelangen.

Vielfältig genutzte Backstein-Fabriken

Doch bald ist endgültig Schluss mit dem Spree-Promenieren, ein Neubauklotz versperrt den Weg. Also geht es über die Mühlenstraße zur Schillingbrücke. 1839 ließ Johann Friedrich Schilling hier eine private Holzbrücke errichten, die einige Jahre später verstaatlicht wurde. Ein Neubau entstand zwischen 1870 und 1874. Zu Mauerzeiten gab es hier kein Durchkommen, bis 1994 wurde die Schillingbrücke instand gesetzt.

Wir gehen am Kulturzentrum YAAM (Young African Art Market, das Café müsste ab 13 Uhr geöffnet sein, www.yaam.de) vorbei und sind wieder auf Kreuzberger Terrain. Hier ­liegen zwischen Köpenicker Straße und Spree etliche ehemalige Backstein-Fabriken, die heute vielfältig genutzt werden, so etwa durch den Sage Club oder die Eventlocation Spindler & Klatt. Kurz bevor wir rechts in die Eisenbahnstraße abbiegen, befindet sich mit Lefter Records ein Plattenladen, der sich auf türkische und Weltmusik spezialisiert hat (Köpenicker Str. 168, Kreuzberg, Mo, Di, Do + Fr 12–17 Uhr, www.lefterrecords.wordpress.com).

An der Ecke ­Eisenbahnstraße residiert das Museum für Kapi­talismus (Köpenicker Str. 172, Kreuzberg, Do 17–19, Sa 14–18 Uhr, www.museumdeskapitalismus.de), ein „selbstorganisierter Ort für politische Bildung“ mit einer Dauerausstellung zum Thema und regelmäßigen Veranstaltungen. Gleich daneben befindet sich das Theaterforum Kreuzberg (www.tfk-berlin.de).

Wer jetzt weitergeht, erreicht den an dieser Stelle schon oft erwähnten Konsumtempel Markthalle Neun. Wir aber biegen links ab in die Wrangelstraße und bestaunen links die ehemalige Kaserne des 3. Garde-Regiments zu Fuß, erbaut 1874–1878 von Otto Heimerdinger. Heute ist in dem eindrucksvollen Gebäude das Oberstufenzentrum Handel zuhause. Gegenüber: ein McDonald’s – man erinnere sich, wie es zu Protesten kam, als die erste Filiale der Burgerkette im linken Kreuzberg eröffnet wurde.

Wandgemälde am May-Ayim-Ufer. Bild: M. Schwarz
Wandgemälde am May-Ayim-Ufer. Bild: M. Schwarz

Der Wrangelkiez: lebhaft und gemütlich

Unter der U1 hindurch beginnt der eigentliche Wrangelkiez: eine zugleich lebhafte und gemütliche Gegend mit ­Kulturen aus aller Welt und spannenden Läden, etwa die Bäckerei Untek mit leckerem Börek (Wrangelstr. 45), die Kunstgalerie The Bleed (Wrangelstr. 48) oder der Laden Fisch Schmidt (Wrangelstr. 82). Auch sehenswert: die katholische St. Marien-Liebfrauen-Kirche (Wrangelstr. 50), erbaut 1904–1906 von Ludwig Becker. Wir steuern auf eine weitere Kirche zu: jene der rührigen evangelischen Taborgemeinde, erbaut 1903–1905 nach Plänen von Dombaumeister Ernst Schwartzkopff.

Über die Taborstraße erreichen wir den Ernst-Heilmann-Steg, benannt nach dem 1940 im KZ Buchenwald ermordeten SPD-Politiker, und erreichen eine künstliche Insel, auf deren nördlichen Seite sich die Oberschleuse des hier beginnenden Landwehrkanals befindet.

Über die lebhafte Schlesische Straße geht es zurück zum U-Bahnhof Schlesisches Tor. Für die 5,5 Kilometer lange Tour sollte man um die 1,5 Stunden einplanen.

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