In dieser Woche geht es vom Bahnhof Charlottenburg durch den gleichnamigen Ortsteil, dann durch Wilmersdorf und schließlich bis zum Bayerischen Viertel in Schöneberg
Wo gibt’s denn so etwas, auf einer Strecke von nicht einmal fünf Kilometern gleich sechs besondere Plätze? Das gelingt womöglich nur in der City West mit ihren zum Teil gut erhaltenen Altbauquartieren, die um eben diese Plätze errichtet wurden und die in den meisten Fällen eine zentrale Funktion im Kiez und oft auch darüber hinaus haben.
Die Tour beginnt am Bahnhof Charlottenburg. Von dort geht es in südlicher Richtung hinein in das kürzere Ende der Wilmersdorfer Straße. Nach dem Überqueren der Mommsenstraße gelangen wir in eine der schönsten Straßen Berlins, die nur 355 Meter lange Giesebrechtstraße mit ihren prächtigen Mietshäusern, Galerien und einigen erlesenen Geschäften, so etwa „Grafs Kontor“ (Giesebrechtstr. 10, Charlottenburg, Tel. 0170/587 35 58, Di–Fr 9–19 Uhr, Mo 9–17 Uhr, Sa 10–18 Uhr, www.grafs-kontor.de). Dort gibt es Floristik, Weine, Süßes und Schönes.
Der Olivaer Platz hat an Qualität gewonnen
Über den Kurfürstendamm hinweg erreichen wir Wilmersdorfer Territorium und den neugestalteten Olivaer Platz, der mit seiner parkähnlichen Grünfläche bei schönem Wetter ein beliebter Treffpunkt ist. Hier befindet sich auch „Aux Merveilleux de Fred“ (Olivaer Pl. 2, Wilmersdorf, Tel. 89 65 71 84, tgl. 8–18 Uhr, www.auxmerveilleux.com/de) mit feinsten Baiser-Kreationen und Filialen überall auf der Welt. Dem Straßenverlauf auf der Südseite des Platzes in östlicher Richtung folgend geht es über die Pariser Straße zum sehenswerten Ludwigkirchplatz mit der schönen Sank-Ludwig-Kirche in der Mitte, einem großen Spielplatz dahinter und vielen Restaurants rundherum.
Die Ludwigkirchstraße entlang überqueren wir die Uhlandstraße und gelangen so zum Fasanenplatz, der grün, klein und recht unscheinbar ist. Von dort geht es in die Meierottostraße, vorbei am Bühneneingang der Berliner Festspiele und am Spiegelzelt der Bar jeder Vernunft am Gerhart-Hauptmann-Park. Kurze Zeit später erreichen wir am U-Bahnhof Spichernstraße die Bundesallee, deren Verlauf wir in südlicher Richtung zur Trautenaustraße folgen. Dort wechseln wir die Straßenseite und gelangen zum rondelartig angelegten Prager Platz am Rande des Bayerischen Viertels. Nahezu verwirrend sind die vielen Wege und Straßen, die auf diesen Platz münden beziehungsweise ihren Anfang nehmen. Wir wählen die Aschaffenburger Straße, gehen in östlicher Richtung zur Bamberger Straße, dann rechtsherum zur Güntzelstraße und in diese hinein erneut bis zur Aschaffenburger Straße.
So erreichen wir auf Schöneberger Territorium den verkehrsreichen Bayerischen Platz, der mehr groß als schön ist, aber zunehmend durch behutsame Umgestaltungen an Aufenthaltsqualität gewinnt. Am Nordende des Platzes geht es die Landshuter Straße entlang, dann rechts hinein über die Rosenheimer und die Heilbronner Straße bis zur Hohenstaufenstraße. In die rechts eingebogen überqueren wir sie, um dann über die Münchener Straße zum Viktoria-Luise-Platz zu gelangen.
Ein Ort zum Flanieren und Verweilen
Für viele Berliner ist dieser Platz in Form eines langgestreckten Sechsecks einer der schönsten Orte der Stadt. Der Platz wurde 1900 eingeweiht und ist nach der Tochter Kaiser Wilhelm II. benannt. Herrschaftliche Häuser säumen das Areal, Restaurants laden zum Verweilen ein, die Wiesen um den Springbrunnen sind im Sommer bevölkert.
Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt für eine Erkundung des Bayerischen Viertels oder des angrenzenden Motzstraßen-Quartiers. Und mit der U-Bahn U4 kann man vom 1910 in Betrieb genommenen Bahnhof entspannt die Heimfahrt antreten. Der Spaziergang ist etwa 4,5 Kilometer lang und dauert eine gute Stunde.
Text: Mathias Stengel
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