In der Kolumne „Schlager der Woche“ setzen sich unsere Kollegen von Schlager Radio (in Berlin u. a. auf 106,0 UKW) mit aktuellen gesellschaftlichen Themen und interessanten Alltagsbeobachtungen auseinander. Dieses Mal schreibt Mandy Exner über die Probleme von Berliner Unternehmen bei der Azubi-Suche.
Für viele Berliner Arbeitgeber ist die Ausbildung inzwischen ein pädagogisches Abenteuer mit offenem Ausgang. Bewerbungen kommen mit mehr Tippfehlern als ein U-Bahn-Fahrplan Störungen hat, Schulwissen wirkt wie aus der Erinnerungskiste: die Grammatik wackelt, die Rechtschreibung würfelt, die Prozentrechnung bleibt ein Gerücht. Dafür sitzen die Gehaltswünsche. 1.500 bis 2.000 Euro im ersten Lehrjahr gelten als gesetzt. Dass die IHK da etwas anderes sagt, wird höflich überhört.
Die Motivation hält oft ungefähr so lange wie ein Coffee-to-go. Lernen gilt als Zumutung, Kritik als Mikroaggression, Pünktlichkeit als urbaner Vorschlag. Gleichzeitig soll der Betrieb Sinn stiften, Selbstverwirklichung ermöglichen und idealerweise auch gleich die Miete im Prenzlauer Berg, Führerschein und Auto sichern.
Kein Wunder, dass in Berlin immer mehr Betriebe die Ausbildung auf Eis legen, nicht aus bösem Willen, sondern aus schierer Erschöpfung.
Von Mandy Exner, Schlager Radio (u.a. 106,0 UKW)

