Bei einem Wasserschaden ist schnelle und gute Hilfe gefragt. Bild: iStock / Getty Images Plus / gorodenkoff
Bei einem Wasserschaden ist schnelle und gute Hilfe gefragt. Bild: iStock / Getty Images Plus / gorodenkoff

Die Waschmaschine läuft aus, ein Rohr platzt nachts hinter der Wand, oder der Nachbar von oben lässt die Badewanne überlaufen. Was danach passiert, entscheidet oft über Kosten im vier- oder gar fünfstelligen Bereich. Spezialisten der AKTIV Trocknungsservice GmbH wissen aus drei Jahrzehnten Berufserfahrung, dass die ersten 24 Stunden nach einem Wasserschaden über weit mehr entscheiden als nur über nasse Teppiche. Es geht um Schimmelbildung, Versicherungsleistungen und die Frage, ob man wochenlang mit Trocknungsgeräten leben muss oder das Problem schnell behoben werden kann.

Manfred K. aus Berlin-Köpenick hat es erlebt. Montagmorgen, halb sieben. Er steht verschlafen in der Küche und bemerkt erst beim zweiten Blick die dunklen Flecken an der Decke. Tropfen. Langsam, aber stetig. Der Nachbar über ihm hatte am Wochenende seine Spülmaschine laufen lassen, offenbar mit einem undichten Schlauch. Zwei Tage lang. „Ich dachte mir nichts dabei“, erzählt der 58-Jährige später. „Hab den Nachbarn angerufen, ein paar Handtücher ausgelegt und bin zur Arbeit gefahren.“ Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Als drei Wochen später schwarze Flecken an der Wand auftauchten, war die Schimmelsanierung teurer als die ursprüngliche Trocknung es gewesen wäre.


Feuchtigkeit arbeitet im Verborgenen

Genau solche Szenarien sehen Fachleute täglich. Denn während Eigentümer oft erst mal abwarten wollen, läuft im Verborgenen bereits ein biologischer Prozess ab, der sich kaum noch aufhalten lässt. Feuchtigkeit zieht in Estriche, Dämmschichten und Holzbalken ein. Dort herrschen dann perfekte Bedingungen für Mikroorganismen, die niemand in seinen vier Wänden haben möchte. „Viele unterschätzen, wie schnell sich Materialfeuchte aufbaut“, erklärt ein Experte für Gebäudetrocknung. „Was nach außen hin wie ein kleiner Fleck aussieht, kann dahinter bereits eine großflächige Durchfeuchtung bedeuten.“

Moderne Leckageortung arbeitet heute mit Technologien, die man eher aus Medizin oder Industrie kennt. Thermografie macht Temperaturunterschiede sichtbar, die auf versteckte Wasserschäden hinweisen. Elektroakustische Messverfahren können selbst kleinste Lecks in Rohrleitungen orten, ohne dass dafür Wände aufgestemmt werden müssen. Wer solche Geräte beherrscht, spart Betroffenen nicht nur Geld, sondern auch Nerven. Denn niemand möchte erleben, dass der Handwerker auf Verdacht an drei verschiedenen Stellen die Fliesen herausreißt, nur um dann festzustellen, dass das Leck ganz woanders sitzt.

Die Geschwindigkeit der Reaktion entscheidet auch darüber, wie sich Versicherer verhalten. Eigentümer haben eine Schadenminderungspflicht. Das bedeutet konkret: Wer wissentlich tatenlos zusieht, wie sich der Schaden ausweitet, kann am Ende auf einem Teil der Kosten sitzenbleiben. Die meisten Versicherer betreibenSchadenhotlines, die rund um die Uhr erreichbar sind. Manche haben Vertragspartner, die sofort ausrücken. Andere überlassen die Wahl dem Geschädigten. Wichtig ist in jedem Fall, dass schnell dokumentiert und gehandelt wird. Fotografieren Sie alles. Notieren Sie Uhrzeiten. Sichern Sie Beweise. Das klingt nach Bürokratie, kann aber später entscheidend sein, wenn es um die Regulierung geht.

Warum der Baumarkt-Trockner nicht reicht

Was viele nicht wissen: Auch die Art der Trocknung macht einen gewaltigen Unterschied. Ein handelsüblicher Bautrockner aus dem Baumarkt mag für einen Neubau ausreichen, bei einem akuten Wasserschaden braucht es aber oft deutlich mehr. Professionelle Geräte arbeiten mit Unterdruck, können gezielt Hohlräume trocknen oder arbeiten mit Infrarottechnik. Die Auswahl hängt vom Material ab, von der Art des Schadens, von der Raumgröße. Wer hier falsch vorgeht, riskiert eine monatelange Trocknungsphase statt weniger Wochen.

Besonders kritisch wird es bei Estrichen. Zementgebundene Varianten geben Feuchtigkeit relativ gut ab, Anhydrit-Estriche hingegen verschließen sich an der Oberfläche wie eine natürliche Barriere. Die Feuchtigkeit bleibt dann im Material gefangen. Experten müssen hier manchmal die Oberfläche aufrauen oder sogar kontrolliert brechen, um den Trocknungsprozess zu beschleunigen. Solche Details kennen Laien nicht, und genau deshalb kann der Versuch, selbst Hand anzulegen, nach hinten losgehen.

Schimmelbildung beginnt übrigens nicht erst nach Wochen, wie viele annehmen. Unter bestimmten klimatischen Bedingungen reichen bereits 24 bis 48 Stunden aus, damit sich erste Sporen festsetzen. Hohe Luftfeuchtigkeit, warme Temperaturen und organisches Material, das ist die ideale Mixtur. Gipskartonwände, Tapeten, sogar Holzfußböden bieten perfekte Nährböden. Ist der Schimmel erst einmal da, wird es richtig teuer. Dann reicht einfaches Trocknen nicht mehr aus. Befallene Bereiche müssen oft vollständig entfernt, Räume dekontaminiert, Luftkeimmessungen durchgeführt werden. Was als Bagatellschaden begann, entwickelt sich zur Großbaustelle.

Die Kostenfrage: Wer zahlt im Ernstfall?

Wer übernimmt eigentlich die Kosten? Das kommt darauf an. Bei Leitungswasserschäden zahlt in der Regel die Wohngebäudeversicherung, sofern Leitungswasser mitversichert ist. Bei Elementarschäden wie Starkregen oder Hochwasser greift die Versicherung nur, wenn diese Gefahren explizit im Vertrag stehen. Haftpflichtfälle sind nochmal eine eigene Kategorie: Wenn der Nachbar schuld ist und dessen Versicherung anerkennt, läuft alles über diese. Allerdings gibt es dann oft nur eine Zeitwertentschädigung statt Neuwert. Auch hier gilt: Je besser dokumentiert, desto reibungsloser die Abwicklung.

Die Stromkosten für Trocknungsgeräte, die wochenlang laufen, werden übrigens ebenfalls von der Versicherung getragen. Nach Abschluss der Maßnahme erhalten Betroffene Verbrauchsnachweise, die sie sowohl der Versicherung als auch dem Energieversorger vorlegen können. So vermeidet man, dass im Folgejahr plötzlich eine deutlich höhere Abschlagszahlung fällig wird, nur weil der Jahresverbrauch außergewöhnlich hoch war.

Muss man ausziehen während der Sanierung? Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Wenn sich der Schaden auf ein Gästebad beschränkt und dieses abgeschottet werden kann, bleibt ein Auszug meist erspart. Anders sieht es aus bei großflächigen Schimmelsanierungen oder wenn Kleinkinder, Asthmatiker oder immungeschwächte Personen im Haushalt leben. Dann raten Fachleute oft zum vorübergehenden Umzug, allein schon aus gesundheitlichen Gründen. Die Kosten dafür übernimmt in der Regel die Versicherung, sofern die Notwendigkeit nachvollziehbar dokumentiert ist.

Was bleibt als Fazit? Wasserschäden sind keine Kleinigkeit, die man mal eben selbst regeln kann. Schnelles Handeln ist nicht nur empfehlenswert, sondern bei Versicherungen sogar vorgeschrieben. Wer zu lange wartet, zahlt doppelt: einmal durch höhere Sanierungskosten, ein zweites Mal möglicherweise durch Ablehnung von Versicherungsleistungen. Moderne Ortungstechnik, professionelle Trocknung und vor allem Erfahrung machen den Unterschied zwischen einer glimpflich verlaufenen Panne und einem monatelangen Alptraum. Manfred K. aus Köpenick weiß das heute. Hätte er damals sofort reagiert, wären ihm viele Nerven und einige tausend Euro erspart geblieben. Stattdessen kämpft er noch immer mit den Folgen und mit der Erinnerung daran, dass er es eigentlich besser hätte wissen können.