Der Weihnachtsmann hat in den kommenden Tagen viel zu tun. Bilder: Deutsche Post/Jens Schlüter
Der Weihnachtsmann hat in den kommenden Tagen viel zu tun. Bilder: Deutsche Post/Jens Schlüter

Der Weihnachtsmann ist für große und kleine Menschen eine Figur der Beständigkeit in unruhigen Zeiten. Dieser Tage hat er zwar besonders viel zu tun, doch nahm sich die Zeit für ein Interview mit uns.

Während Krieg, Energiekrise und Inflation bei Erwachsenen für eine gedämpfte Gemütslage sorgen, können unsere Kinder – und das ist auch gut so – im Moment nur an eines denken: an den Weihnachtsmann, den für sie wichtigsten Mann des Landes in dieser Zeit.

Wir haben mit dem „Alten Bärtigen“ aus Himmelpfort, wo er seine Weihnachtspostfiliale betreibt, gesprochen.

Manche Leute sagen, es soll dich nicht geben. Was sagst du dazu?

Natürlich gibt es mich, den Weihnachtsmann. Ich wohne das Jahr über am Nordpol – und bin in den Sommermonaten auch inkognito in aller Welt unterwegs, um mich über aktuelle Geschenke zu informieren. Jedes Jahr reise ich dann Mitte November in den Norden Brandenburgs, nach Himmelpfort, und halte mich dort in meiner Weihnachtspostfiliale auf. An Heiligabend reise ich mit meinen Rentieren zu den Kindern in der ganzen Welt, um ihnen die Geschenke zu bringen.

Wie lange gibt es die Weihnachtsschreibaktion in Himmelpfort schon und aus welchem Impuls heraus ist sie entstanden?

Im Jahr 1984 – also vor nunmehr 38 Jahren – schrieben zwei Kinder aus Sachsen und Berlin an den Weihnachtsmann nach Himmelpfort. Die damalige Postmitarbeiterin konnte diese Briefe nicht in Himmelpfort zustellen, wollte sie aber auch nicht mit dem Vermerk “Empfänger unbekannt” zurückschicken. Deshalb antwortete sie den Kindern selbst. Das sprach sich offensichtlich herum. Denn bis 1989 beantwortete sie mit anderen Postmitarbeitern zusammen jährlich rund 75 Briefe in Himmelpfort.

„Jahr für Jahr kommen in Himmelpfort mehr Wunschzettel an“

Nach 1990 nahm die Anzahl der Wunschzettel erheblich zu: Bald gingen in der Vorweihnachtszeit täglich 1.000 – manchmal bis zu 2.000 – Briefe ein. Diese Mengen konnten die Postmitarbeiter vor Ort nicht mehr bewältigen. Deshalb engagierte die Deutsche Post 1995 erstmals zwei “Weihnachtsmannhelfer”. Inzwischen beschäftigt die Deutsche Post insgesamt 20 Weihnachtsengel zur Unterstützung des bärtigen Alten, da Jahr für Jahr mehr Wunschzettel ankommen.

Worüber sprichst du mit den Kindern, wenn sie dich in Himmelpfort besuchen? Haben die Kinder manchmal Angst vor dir?

Die Kinder freuen sich, wenn sie mich in Himmelpfort besuchen und sich persönlich überzeugen können, dass es mich wirklich gibt. Manche Kleinen haben aber zuerst auch etwas Respekt, wenn sie vor mir stehen und den bärtigen Alten in Natura sehen. Das legt sich aber schnell, wenn wir uns unterhalten.

Auch in vielen Kinderbriefen werde ich gefragt, ob es mich denn wirklich gibt oder wie meine Rentiere heißen oder ob ich wirklich am Nordpol wohne. Mit den Kindern unterhalte ich mich zum Beispiel über ihre Wünsche oder woher sie kommen oder ob sie im letzten Jahr auch artig gewesen sind.

Weihnachtshaus im Himmelpfort

Seit Mitte November ist der Weihnachtsmann von Donnerstag bis Sonntag, 11 und 17 Uhr, in der Weihnachtspostfiliale anzutreffen. Dort bekommt er sehr viel Besuch von Kindern. Manche reisen aus weit entfernten Orten an, um ihren Wunschzettel persönlich abzugeben. Wunschzettel per Post mussten in diesem Jahr bis spätestens 3. Advent in Himmelpfort eingetroffen sein, um rechtzeitig vorm Fest beantwortet werden zu können.

Wie viele Wunschzettel hast du in diesem Jahr schon bekommen? Bekommen alle Kinder eine Antwort von dir?

Im letzten Jahr habe ich insgesamt 320.000 Wunschzettel von Kindern aus der ganzen Welt bekommen. Auch in diesem Jahr waren es bis Nikolaus schon mehr als 100.000 Briefe. Ich freue mich über jeden einzelnen davon. Alle Kinder, die an mich schreiben, bekommen eine Antwort von mir. Auch in diesem Jahr tragen alle Antwortbriefe meinen begehrten Himmelpforter Weihnachtsmann-Sonderstempel und da mir auch der Umweltschutz sehr am Herzen liegt, antworte ich auf Recyclingpapier.

Eröffnung der Weihnachtspostfiliale in Himmelpfort. Foto: Deutsche Post/Jens Schlüter
Eröffnung der Weihnachtspostfiliale in Himmelpfort. Foto: Deutsche Post/Jens Schlüter

Wie viele Helfer stehen dir bei der Weihnachtsschreibaktion bei?

Da ich es als Weihnachtsmann nicht alleine schaffen würde, die vielen Briefe alle zu lesen und zu beantworten, hat die Deutsche Post zu meiner Unterstützung in der Weihnachtszeit insgesamt 20 Weihnachtsengel eingestellt. Einige davon sitzen mit mir gemeinsam in der Weihnachtspostfiliale, die anderen Engel arbeiten in einer geheimen Schreibstube im Himmelpforter Märchenwald.

Warum ist es so wichtig für Kinder, an den Weihnachtsmann zu glauben? Was macht die Magie des Weihnachtmannes aus?

Der Glaube hat eine große Macht! Wenn die Menschen an etwas Gutes glauben und positive Hoffnungen haben, macht sie das glücklich. Und was gibt es wichtigeres im Leben, als selbst glücklich zu sein oder andere Menschen glücklich zu machen? Daher ist es eine besondere Freude für mich als Weihnachtsmann, wenn ich den Menschen – ob klein oder groß – mit weihnachtlicher Magie hierzu beitragen kann.

„Was gibt es wichtigeres, als glücklich zu sein und andere Menschen glücklich zu machen?“

Geht es dir gut? Bist du gesund, wo doch so viele Menschen derzeit erkältet sind oder an schwerwiegenden Atemwegserkrankungen leiden?

Es geht mir und meinen Weihnachtsengeln sehr gut. Wir sind gesund und genießen die gemeinsame Zeit hier in Himmelpfort sehr, so zum Beispiel wenn wir in der Weihnachtsstube zusammen sitzen, heißen Kakao trinken, Plätzchen knabbern und uns an den Wunschzetteln der Kinder erfreuen.

Was passiert mit dem Weihnachtshaus in Himmelpfort eigentlich im Sommer?

Meine Weihnachtspostfiliale in Himmelpfort wird Mitte November eröffnet und bleibt dann bis Heiligabend in Betrieb. Das Weihnachtshaus in Himmelpfort ist jedoch noch größer. Nebenan gibt es ein Café und auf dem Gelände finden das ganze Jahr über Veranstaltungen statt.

Was wünscht du den großen Erdbewohnern für das neue Jahr?

Mein sehnlichster Wunsch ist, dass alle Menschen auf Erden in Frieden zusammen leben.

Das Interview führte Sara Klinke.