Verkehr: Weniger Parkplätze, befürchteter Umsatzverlust für Gastronomie und Handel: Die Begegnungszone Maaßenstraße ist umstritten.

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Bunte Figuren, viele Bänke, wenig Autoverkehr

In den vergangenen Wochen mit schlechtem Wetter war es sehr ruhig in der Maaßenstraße: Der großzügig bemessene Raum für Fußgänger mit Sitzbänken, bunten Klötzen und Tierskulpturen auf der Straße ist weitgehend menschenleer. Autos kurven bei vorgeschriebenen 20 Kilometern pro Stunde vorsichtig durch die verbliebene Restfahrbahn zwischen Nollendorfplatz und Winterfeldtplatz. Wenn es am einspurigen Nadelöhr kurz vor dem Marktareal Gegenverkehr gibt, muss einer geduldig warten. Im Hinblick auf das Ziel der Verkehrsberuhigung scheint das Versuchsprojekt der Maaßenstraße als erste Begegnungszone in Berlin ein Erfolg zu sein. Wer sich bei den Gewerbetreibenden in den vielen Restaurants, Cafés und Geschäften auf beiden Seiten der kurzen Straße umhört, kann allerdings einen gegenteiligen Eindruck gewinnen: Sie warnen vor Umsatzeinbußen, auch für den Wochenmarkt, weil Parkplätze weggefallen sind und der Raum für Tische im Freien knapper geworden ist. Ein Mitarbeiter des Café Eckstein befürchtet, dass etliche frühere Kneipengäste sich nun lieber auf den neuen Straßenbänken ein günstigeres Bier vom Kiosk genehmigen.

800 Unterschriften

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Verabschiedung an der Maaßenstraße

Ayo Gnädig hat nach eigenen Angaben knapp 800 Unterschriften gegen die Begegnungszone gesammelt und an Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) übergeben. Die Marktforscherin, die an der Maaßenstraße aufgewachsen ist, fordert einen Rückbau der neuen Verkehrsführung. Nicht nur für die Gewerbeeinnahmen, sondern auch aus Sicherheitsgründen findet sie die Begegnungszone problematisch. Die Feuerwehr komme im Notfall womöglich nicht schnell genug durch die schmale Fahrgasse. Kinder seien gefährdet, weil bunte Klötzchen und aufgemalte Fußstapfen sie zum Spielen direkt an der Fahrbahn verleiteten. In ästhetischer Hinsicht erntet die Gestaltung ebenfalls Kritik. „Es fehlen Grünpflanzen, es sieht trist aus“, sagt Igor Mitrovic vom Café Berrio. „Allerdings war die Straße vorher nicht schöner.“ Positive Aspekte werden jedoch auch genannt. „Auf den Bänken können sich alte Leute ausruhen“, argumentiert die Inhaberin eines Lottogeschäfts. Eine Anwohnerin sagt: „Die Situation ist viel besser als vorher. Der Straßenverkehr ist wirklich leiser geworden. Das wird auch mehr Gäste für die Gastronomie anziehen.“

Die Begegnungszone war im vergangenen Herbst insbesondere deshalb eingerichtet worden, weil Autofahrer die Maaßenstraße zum Rasen missbrauchten. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler plädiert dafür, „der Straße eine Chance zu geben“. Sie möchte abwarten, wie die Freiflächengestaltung im Sommer angenommen wird, und gegebenenfalls an einzelnen Stellschrauben nachjustieren.

Text & Bilder: Felix Enzian