Organspendeausweis
Nicht mal die Hälfte der Deutschen besitzt einen Organspendeausweis. Bild: IMAGO/Fotostand

9.000 Menschen warten derzeit auf eine lebensrettende Organspende. In den vergangenen Monaten ist die Zahl der Organspender aber zeitgleich merklich zurückgegangen.

„Im Alter von drei Jahren wurde bei mir eine Genmutation festgestellt, bei der die Nieren sich mehr und mehr selber zerstören“, erzählt Manja Elle, die elf Jahre auf eine Nierenspende gewartet hat. „Von da an musste ich viermal im Jahr zur Blutkontrolle, wo auch verschiedene Behandlungen ausprobiert wurden, um die Zerstörung der Nieren zu verlangsamen. Aber es war auch schon klar, dass die Nieren irgendwann versagen würden. Es ging noch ziemlich lange ohne größere Komplikationen. Mit 17 Jahren wurden die Blutwerte dann immer schlechter“, erzählt sie.

Infografik
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Ersehnter Anruf nach elf Jahren

Im Sommer 2015 kam dann der ersehnte Anruf. „Wir haben eine Niere für Sie. Sind Sie gesund?“ „Ab diesem Moment haben wir nur noch funktioniert. Geduscht, Koffer gepackt und schnell nach Berlin gefahren. Dort angekommen, wird man noch einmal komplett auf den Kopf gestellt. Die Operation fand noch am selben Tag statt. Ich erinnere mich, dass mich die Krankenschwester nach dem Aufwachen direkt mit der guten Nachricht begrüßte: ,Ihre Niere produziert Urin.‘ Das ist ein gutes Zeichen, da das Organ seine Funktion aufnimmt. Nach zwei Wochen konnte ich wieder nach Hause.“

Organe aus dem Ausland

Auf eine ähnliche Erfolgsgeschichte hoffen derzeit 9.000 Menschen in ganz Deutschland. Das sind drei Mal so viele wie 2021 gespendet wurden. Und das obwohl die Bereitschaft zu Organspenden eigentlich steigt. Welche Organe Menschen spenden wollen, können sie zu Lebzeiten im Organspendeausweis festlegen, den sie am besten immer mit sich tragen.

Doch den haben aktuell nicht einmal die Hälfte der Deutschen. Deshalb müssen hierzulande auch Organe aus dem europäischen Ausland eingeführt werden, wo im Gegensatz zu Deutschland die Widerspruchsregelung gilt. Nach der kommt jeder als potenzieller Organspender infrage – es sei den er oder sie widerspricht ausdrücklich zu Lebzeiten.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) will die persönliche Entscheidungsfindung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende unterstützen und über das Thema informieren. Damit mehr Menschen wie Manja Elle geholfen wird.

Text: red/kr

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