Das Brückenbauwerk am Breitenbachplatz schlägt eine brutale Schneise durch das Quartier im Berliner Südwesten. Bild: IMAGO/Jürgen Ritter
Das Brückenbauwerk am Breitenbachplatz schlägt eine brutale Schneise durch das Quartier im Berliner Südwesten. Bild: IMAGO/Jürgen Ritter

Der von vielen Parteien und Initiativen geforderte Rückbau der ehemaligen Autobahnbrücken am Breitenbachplatz ist möglich. Das hat eine Verkehrs- und Machbarkeitsuntersuchung ergeben.

Am Donnerstag hat Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) die Ergebnisse der Verkehrs- und Machbarkeitsuntersuchung Breitenbachplatz vorgestellt. Die wesentliche Erkenntnis lautet: Der Rückbau der ehemaligen Autobahnbrücken, der einstigen A 104 mit Anschluss an die Stadtautobahn, ist technisch machbar und verkehrlich zu bewältigen.

Die in den späten 70er-Jahren errichteten Spannbeton-Brücken teilen den Breitenbachplatz mitten im Wohngebiet und setzen die Aufenthaltsqualität dort extrem herab, hieß es aus Senatskreisen. Etliche Initiativen setzen sich seit Jahren für den Abriss der mehr als 500 Meter langen, insgesamt vierspurigen Doppelbrücken ein.

„Relikt der autogerechten Stadt“

„Ein Abriss dieses besonders drastischen Relikts der autogerechten Stadt wird den Platz und seine Umgebung enorm verbessern“, erklärte Jarasch. „Wir wollen die autogerechte Stadt Stück für Stück zurückbauen – und zu einer menschenfreundlichen Stadt umbauen.“

Und weiter: „Es wird mehr Platz gewonnen für Grün, mehr Platz für Kinder, mehr Platz zum Sitzen, Spielen, Draußensein und auch zum Wohnen. Die Menschen können ihren Breitenbachplatz nach fast einem halben Jahrhundert zurückerobern.“

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz hatte auf Beschluss des Abgeordnetenhauses vom 6. Juni 2019 ein interdisziplinäres Bearbeitungsteam aus Verkehrsplanern, Stadtplanern und Bauingenieuren mit der Erstellung einer Verkehrs- und Machbarkeitsuntersuchung beauftragt.

Neue Gestaltung

Sie untersuchten die Fragestellung, unter welchen verkehrlichen, städtebaulichen, ökologischen und finanziellen Rahmenbedingungen ein (Teil-)Rückbau der Brückenbauwerke über den Breitenbachplatz möglich sei und wie der Platz neu gestaltet werden könne.

Nach umfangreichen Arbeiten des Planungsteams unter Beteiligung der Öffentlichkeit, der betroffenen Verwaltungen, weiterer Träger öffentlicher Belange sowie von Interessenverbänden liegen nun die Ergebnisse der Untersuchung vor.
Mehr als zehn Varianten seien untersucht worden, zwei davon (Variante 1 und Variante 3) wurden als machbar bestätigt.

In Variante 1 wird der Verkehr ebenerdig über den Breitenbachplatz und dann weiterhin durch den Tunnel unter der Überbauung Schlangenbader Straße (ÜBS) geführt.
In Variante 3 wird darüber hinaus auch die Tunnelverbindung geschlossen, sodass weitere Möglichkeiten für eine Umnutzung des heutigen Verkehrsraums entstehen.

Brücken nicht mehr nötig

In beiden Varianten werden die Brückenbauwerke über den Breitenbachplatz nicht mehr benötigt und können zurückgebaut werden. Die finale Entscheidung zur Verkehrsführung im Abschnitt der Schlangenbader Straße (ÜBS) steht noch aus. Hierzu werden weiterführende Detailuntersuchungen erfolgen, die im Rahmen des nachfolgenden planrechtlichen Verfahrens durchzuführen sind.

„Auch der bauliche Zustand legt eine Umsetzung der entwickelten Varianten nah, denn die mittelfristige Aufrechterhaltung der Verkehrstauglichkeit würde einen hohen Instandsetzungsaufwand bedeuten“, so die Senatsverwaltung. Angestrebt werden daher eine Minimierung dieses Aufwandes und ein zeitnaher Rückbau der Brücken.

So geht es weiter

Die Ergebnisse der Verkehrs- und Machbarkeitsuntersuchung werden durch die Senatsverwaltung zunächst in den Senat eingebracht. Auch das Abgeordnetenhaus erhält detaillierte Kenntnis. Nach einem entsprechenden Senatsbeschluss können die Planungen zum Rückbau der Brücken starten, das weitere Vorgehen, Zuständigkeiten sowie die Finanzierung werden zwischen den betroffenen Verwaltungen abgestimmt.

Ziel sei es, ein verwaltungsübergreifendes Projektteam zur Entwicklung des Breitenbachplatzes und seiner Umgebung einschließlich der notwendigen Untersuchungen zu bilden. Wie im bisherigen Prozess blieben dabei die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf eng eingebunden.

Text: red

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