Eine Straße für Regina Jonas: Wie geht es weiter?

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Synagoge am Fraenkelufer in Kreuzberg.
Regina Jonas wirkte unter anderem in der Synagoge am Fraenkelufer. Bild: IMAGO / Schöning
 

Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg hat 2021 beschlossen, in Kreuzberg eine Straße nach Regina Jonas, der weltweit ersten Rabbinerin, zu benennen. Eine Abstimmung findet dazu über Postkarten statt.

Verschiedene Veranstaltungen über Regina Jonas sollen über ihr Leben, Wirken und ihre Bedeutung in der Gegenwart informieren und ihr jüdisch-feministisches Erbe erörtern.
Am 21. November sprachen Elisa Klapheck und Tanja Berg über das feministische Wirken und Nachwirken von Regina Jonas.

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Die liberale Rabbinerin und Professorin Elisa Klapheck veröffentlichte 1999 die Doktorarbeit von Jonas unter dem Titel “Fräulein Rabbiner Jonas – Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?”. Elisa Klapheck gehört zu den Initiatoren der jüdisch-feministischen Initiative „Bet Debora“. Zusammen mit Tanja Berg vom Verein „Freunde der Synagoge Fraenkelufer e.V.“ sprach sie über Jonas‘ Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit in geistlichen Ämtern und ihren Einfluss auf junge Rabbinerinnen der heutigen Zeit.

Diversitätsorientierte Gedenkarbeit

„In Friedrichshain-Kreuzberg setzen wir uns für eine diversitätsorientierte Gedenkarbeit und Erinnerungskultur ein“, so Bezirksbürgermeistern Clara Herrmann. Straßenbenennungen seien auch immer eine Gerechtigkeitsfrage: „Straßennamen verdeutlichen, wem die Gesellschaft einen Platz im Selbstverständnis einräumt. Die Geschichte von Regina Jonas die als erste Frau weltweit, hier in Berlin, zur Rabbinerin ordiniert wurde und in Kreuzberg predigte, ist Inspiration und Mahnung zugleich. Jonas wird einen festen Platz im Straßenbild unseres Bezirks erhalten – das ist unser Beitrag dafür, Ihr Andenken zu bewahren, Wirken zu ehren und ihren Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit zu würdigen.“

Regina Jonas (1902-1944) war nach ihrer Ordination 1935 in der Seelsorge und im Religionsunterricht tätig. Ab 1938 arbeitete sie verstärkt als Rabbinerin, u.a. in der heutigen Fraenkelufer Synagoge in Kreuzberg. Unter dem nationalsozialistischen Regime musste sie Anfang 1942 Zwangsarbeit leisten. Im November 1942 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Dort wirkte sie weiter als Seelsorgerin und predigte. Im Oktober 1944 wurde sie nach Ausschwitz-Birkenau deportiert und ermordet.

Straßenumbenennung – wie geht es weiter?

Nach dem Beschluss der BVV Friedrichshain-Kreuzberg aus 2021 soll unter Beteiligung der Öffentlichkeit eine Straße zur Benennung nach Regina Jonas gefunden werden. Dafür finden Informationsveranstaltungen statt und es wird eine Abstimmung über Postkarten durchgeführt, bei der verschiedene Straßen zur Auswahl gestellt werden.

Anwohner aus der Umgebung der in Frage kommenden Straßen werden eingeladen, sich aktiv am Abstimmungsprozess zu beteiligen. Eine weitere Informationsveranstaltung folgt im Frühjahr kommenden Jahres. Nach der Anwohnerbeteiligung werden die Ergebnisse der Bezirksverordnetenversammlung als Meinungsbild vorgelegt. Die BVV ist das Gremium, das final über die Straßenumbenennung entscheidet.

Text: red

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