Verbotene Bilder: Eisenbahnfotografie in der DDR

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Dampflok
Eine Dampflock auf einem Bahnhof in der DDR. Bild: Karl Düker

Die Ausstellung in den Räumen der DDR-Fotoerbe, Pfarrsstraße 113, „Verbotene Bilder: Eisenbahnfotografie in der DDR“ stellt Bilder und Erfahrungen aus zwei Welten gegenüber.

Tageseinreise nach Berlin, Hauptstadt der DDR. Das bedeutete für Karl Düker „Friedrichstraße, Grenzübergang Reisepass, Unauffälligkeit, keine Fotoapparate sichtbar und bitte bitte keine Durchsuchung, keine Frage beantworten müssen“ Stempel, Visum Umtausch und dann direkt zum S-Bahn-Schalter und rein in die Welt der Eisenbahnen. So ging er als Westdeutscher auf die Jagd nach dem besten Bild der Lokomotiven aus den Baureihen, die im Westen schon nicht mehr fuhren.

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Zwei Welten

Zwei Fotografen, zwei Welten – eine große Leidenschaft: die Dampflokomotive. Die Ausstellung „Verbotene Bilder: Eisenbahnfotografie in der DDR“ stellt Bilder und Erfahrungen aus zwei Welten gegenüber, die eines ost- und eines westdeutschen Fotografen. Sie erzählen uns in ihren Bildern von der Faszination Dampflokomotive und ihren Erfahrungen mit dem Fotografieren der Eisenbahn in DDR. Dabei zeigen wir auch ihre „verbotenen Bilder“, heimlich aufgenommen und offiziell nicht erlaubt.


Die Ausstellung in der Räumen der DDR-Fotoerbe in der Pfarrstraße 113 im Kaskelkiez in der Viktoriastadt öffnet am 19. November in Anwesenheit der beiden Fotografen und kann dann bis zum 07. November kommenden Jahres, jeweils freitags von 14 bis 19 Uhr und Samstag von 11 bis 14 Uhr, kostenlos besucht werden. Weitere Informationen und eventuelle Änderungen der Öffnungszeiten hier.


Wenn Karl Düker seine Eisenbahn-Fotografien zeigt, strahlen seine Augen. Akribisch geplant hat der westdeutsche Hobbyfotograf seine Touren und fotografischen Haltepunkte in den 70er/80er Jahren. Nachdem in der BRD der Dampfbetrieb 1977 eingestellt worden war, zog es die westdeutschen Eisenbahnliebhaber in die DDR, wo diese Bahnen noch ihren Dienst taten. Jenseits der Dampflokomotiven-Romantik wurden Karl Dükers Schritte durch das MfS bis ins kleinste Detail dokumentiert. Im Gegensatz zu anderen hatte Düker jedoch immer Glück – er wurde nie lange festgehalten.

Interessante Fotopunkte

Eine andere Erfahrung musste der Ost-Berliner Fotograf Klaus D. Friede machen. Auch er entdeckte in den 80er Jahren seine Leidenschaft für die Dampflokomotive. Als Geschäftsreisender in der DDR war es ihm dabei ein Leichtes, die interessanten Fotopunkte in der Lausitz, Thüringen und dem Erzgebirge zu besuchen. Doch er blieb nicht lange unbeobachtet. Klaus D. Friede besaß eine Fotoerlaubnis der DR, eine Seltenheit in der DDR. Trotz dieser Erlaubnis wurde er regelmäßig schikaniert. Klaus D. Friede beantragte nach dem Ende der DDR seine Stasi-Akten und erfuhr erst durch die Einsichtnahme, dass er kurz vor der Verhaftung stand.

Mit Bildern und Schautafeln zeigt die Ausstellung, am Beispiel der Biografien der beiden Fotografen, wie nah sich private Interessen und staatliche Kontrolle waren und wie schnell ein auf den ersten Blick unverfängliches Hobby zu einer persönlichen und politischen Gratwanderung werden konnte. Zusammengestellt wurde diese Ausstellung von der Initiative DDR-Fotoerbe unterstützt vom Berliner Beauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Initiative DDR-Fotoerbe ist Teil einer erst im April gegründeten Firma, zu der auch Sandra Neumann gehört, die in Oberschöneweide bereits mit einer Kollegin die Galerie Wilhelmine5 betreibt. Ergänzt wird sie von dem Köpeniker Steffen Ostermaier und der Berlinerin Heike Betzwieser.

Abgerundet wird die Ausstellung durch zahlreiche Originalaufnahmen ostdeutscher Pressefotografen rund um das Thema und einer kleinen Modellbahnplatte in der Spurweite TT.

Text: Redaktion

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