Vier Stolpersteine in Tempelhof verlegt

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Mit dabei bei der Zeremonie in der Manfred-von-Richthofen-Straße 169: Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Mitte), Stolpersteine-Koordinatorin Katharina Kretzschmar (dritte von rechts) und ehrenamtlich Engagierte. Bild: BA Tempelhof-Schöneberg
Mit dabei bei der Zeremonie in der Manfred-von-Richthofen-Straße 169: Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Mitte), Stolpersteine-Koordinatorin Katharina Kretzschmar (dritte von rechts) und ehrenamtlich Engagierte. Bild: BA Tempelhof-Schöneberg

In der Manfred-von-Richthofen-Straße in Tempelhof erinnern jetzt vier Stolpersteine an Familie Wolfram.

Dieser Tage sind vor dem Pfarrhaus in der Manfred-von-Richthofen-Straße 169 vier Stolpersteine für die Mitglieder der Familie Wolfram verlegt worden.

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In einer Zeremonie wurden die Biografien und Schicksale von Selma, Paul, Peter Paul und Erna Wolfram vorgestellt. Selma Wolfram zog 1937 mit 64 Jahren in das Haus ihres jüngsten Bruders. Vier Jahre später wurde sie zum Umzug in ein sogenanntes Judenhaus gezwungen, von wo aus sie nach Theresienstadt deportiert und 1943 ermordet wurde.

Paul Wolfram floh 1939 mit seiner Familie nach Belgien. Er wurde interniert, in das Vernichtungslager Majdanek deportiert und am 4. März 1943 ermordet.

Im Exil überlebt

Erna Wolfram gelang mit ihrem Sohn Peter Paul die Flucht von Antwerpen nach London, wodurch beide den Holocaust überlebt haben.

Die Initiative für diese Stolpersteinverlegung ging von der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Tempelhof aus, heißt es aus dem Bezirksamt. Seit 2019 recherchierte eine ehrenamtliche Gruppe der Gemeinde über das Leben, die Flucht, Deportation und Ermordung der einzelnen Familienmitglieder.

Bei ihren Recherchen erhielten Christoph Wilcken – Kirchenmusiker im Ruhestand – und das Team aus der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde auch Unterstützung von Nachkommen der Familie Wolfram in Australien und England.

Hass und Hetze

Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann (Grüne): „Die Stolpersteine für die Familie Wolfram sind weitere Spuren von jüdischen Nachbarn in unserem Bezirk, die vor den Nationalsozialisten geflohen, deportiert oder ermordet worden sind. Ihr Andenken ist uns wichtig. Mit den Stolpersteinen werden ihre Namen genannt und sie bleiben uns in Erinnerung. Mit der Steinlegung erinnern wir, mahnen aber auch vor dem auch heute noch existierenden Antisemitismus, Rassenhass und Hetze.“

Katharina Kretzschmar, Stolperstein-Koordinatorin des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, ergänzt: „Im Jahr 2022 konnten 105 Stolpersteine allein in unserem Bezirk verlegt werden. Bei den Recherchen werden wir von Familienangehörigen, aber auch von den vielen Ehrenamtlichen unterstützt, denen unser ganz besonderer Dank gilt. Oftmals wird mir von den Angehörigen rückgemeldet, wie sehr sie sich über dieses Engagement freuen.”

Stolpersteine kann jeder stiften

Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern am letzten frei gewählten Wohnort an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Sie können ebenso an überlebende Verfolgte erinnern.

Stolpersteine kann jeder stiften. 120 Euro ermöglichen die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteines. Weitere Informationen gibt es online.

Text: red

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