Fahrradstraße in Friedenau: Radlobby demonstriert gegen „Mogelpackung“

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Die geplante Fahrradstraße in der Handjerystraße ist umstritten. Symbolbild: IMAGO/Rolf Poss
Die geplante Fahrradstraße in der Handjerystraße ist umstritten. Symbolbild: IMAGO/Rolf Poss

In der Handjerystraße soll Tempelhof-Schönebergs erste Fahrradstraße entstehen. Radaktivisten fürchten, dass die Planung verwässert werden könnte. Für den 16. November kündigen sie eine Protestkundgebung vor dem Rathaus Schöneberg an. 

Dort tritt an dem Tag die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg zusammen. Dann wird auch die Fahrradstraße in der Friedenauer Handjerystraße Thema sein. „SPD, FDP, CDU und AfD fordern gemeinsam regelwidrige Umplanungen zugunsten von Autostellplätzen“, teilt das Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg statt. 

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Und weiter: „Im nördlichen Abschnitt werden behinderte Menschen, Kinder und Radfahrende in ihren Schutzinteressen gegeneinander ausgespielt. Die Planungen bringen aber erhebliche Verbesserungen auch für Menschen zu Fuß oder im Rollstuhl mit sich. Dennoch wird der Umbau erst einmal blockiert.“

„Wirkungslose Schilder“

Zwischen Bundesallee und Renée-Sintenis-Platz solle der Radverkehr zudem mit wirkungslosen Schildern und in ferner Zukunft noch mit einer Ampel abgespeist und  Autostellplätze dagegen Bestandsschutz erhalten. Laut der Initiative widerspricht der Antrag den Vorgaben des Berliner Mobilitätsgesetzes.

Auch der ADFC Schöneberg beteiligt sich an der Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg. Die Stadtteilgruppe fordert, die Fahrradstraße in der Handjerystraße entsprechend den Planungen des Bezirksamts Tempelhof-Schöneberg zügig umzusetzen.

„Planungen zügig umsetzen“

„Nach acht Jahren Diskussion und Vorplanungen darf es für die erste wirkliche Fahrradstraße im Bezirk keine Abstriche bei den rechtlich vorgeschriebenen Standards geben“, erklärt Markus Kollar, Sprecher der Stadteilgruppe. „Diese Standards würden aber verletzt bei einem umfassenden Erhalt von Kfz-Parkplätzen – das wäre ein Etikettenschwindel.“

Fahrradstraßen seien eine wesentliche Maßnahme für sicheres Radfahren in der Stadt.
So beschreibt es das Berliner Mobilitätsgesetz und gibt im zugehörigen
Radverkehrsplan die Standards vor. In der Handjerystraße überwiege schon heute der
Radverkehr. 

Parkplätze erhalten

Im Ausschuss für Straßen und Verkehr fand kürzlich ein Antrag von FDP und SPD eine Mehrheit, der unter anderem vorsieht, dass im südlichen Teil der Handjerystraße – also zwischen Reneé Sintenis Platz und Bundesallee – die jetzigen Parkplätze erhalten bleiben und die Fahrbahnbreite für Radfahrer entsprechend angepasst wird.

Auch CDU und AfD stimmten für den Antrag. Mit dieser deutlichen Mehrheit empfahl der Ausschuss den Antrag zur Annahme in der (BVV). 

Sollte dieser Antrag beschlossen und umgesetzt werden, bliebe für die geplante Fahrradstraße zu wenig Platz. „Wir können nichts anordnen, was geltenden Standards widerspricht“, so Verkehrsstadträtin Saskia Ellenbeck (Grüne) gegenüber der „Berliner Zeitung“.

Zu wenig Platz

Wenn die Längsparkplätze im Südteil bleiben, reiche der Platz nicht für eine regelkonforme Anordnung aus. Die Grünen-Politikerin gab sich dieser Tage entschlossen: „Die Fahrradstraße kommt – entweder mit oder ohne Änderungen der Planungen.“

Laut den aktuellen Planungen soll der nördliche Teil der Handjerystraße ab Renee-Sintenis-Platz bis Jahresende zur Fahrradstraße umgestaltet werden. Der südliche Teil soll im kommenden Jahr folgen.

Unter Anwohnern ist die Fahrradstraße umstritten. Viele sorgen sich um die Sicherheit für Kinder und Senioren, wenn durch die ruhige Wohnstraße eine „Fahrradautobahn“ führt.

Text: Nils Michaelis

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