Besonderes Handwerk: Kleines Glück zum Mitnehmen

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Stark durch die Krise
Inhaber Hjalmar Stecher und sein Handwerk, das noch lange bleiben soll. Bild: kr

In den Heckmann-Höfen produziert Berlins einzige Bonbonmacherei – und hat schon so manche Krise bewältigt.

Explodierende Energie- und Rohstoffpreise, durchbrochene Lieferketten, Fachkräftemangel: Vor allem kleine und mittelständische Firmen stehen vor großen Herausforderungen. Wir erkunden in dieser Serie, wie sich Handwerker, Unternehmensinhaber und Firmenchefs auf die aktuellen Probleme einstellen. Diesmal: Hjalmar Stecher, Bonbonmacherei.

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Abseits vom Mitte-Trubel sind die Heckmann-Höfe ein beliebter Anlaufpunkt für Berliner und Berlin-Besucher. Wer durch die Kreativ-Höfe schlendert, dem weht unweigerlich der süße Duft der Bonbonmacherei entgegen. Nur ein paar Stufen trennen Besucher von den gläsernen Vitrinen, in denen Hjalmar Stecher und Katja Kolbe ihr „Handwerk mit Lecker-Garantie“ anbieten.

Da liegen sie, die bunten Drops, die einem die Kindheit versüßt haben: Rote Himbeeren neben Ingwer-Bonbons und grünen Maiblättern mit ihrem unverkennbaren Waldmeisteraroma. Die heißen übrigens „Berliner Blätter“, wie Bonbonmacher Hjalmar Stecher erklärt. Der betreibt das Bonbonhandwerk seit 22 Jahren in den idyllischen Heckmann-Höfen. Ein Handwerk, das die beiden Betreiber nicht sterben lassen möchten.

Einzige ihrer Art

Die Bonbonmacherei ist nicht nur die Einzige ihrer Art in Berlin, das Konzept, eine Schauküche in den Laden zu integrieren, war sogar lange Zeit einmalig in ganz Deutschland. Die Schauküche ist es dann auch, die Berliner und Besucher der Stadt innehalten lässt, wenn sie an der Bonbonmacherei vorbeikommen. Zweimal am Tag rührt Hjalmar Stecher frische Bonbons an. Sein aktueller Favorit: die fruchtigen Birnen-Drops. Der absolute Verkaufsschlager sind aber die Berliner Waldmeister-Blättchen.

Bonbonmacherei
Aus dieser grünen Masse werden in wenigen Schritten leckere Berliner Blätter.

Diese und andere Leckereien werden nicht nur an Berliner verkauft. „Wir haben auch schon Päckchen nach Hollywood, Israel oder Shanghai verschickt“, erzählt Stecher.

Keine Pause

Bei ihrer Produktion setzt er auf wenige Zutaten – Zucker, Wasser und Farbe – die im Kupferkessel vermengt, erhitzt und anschließend zum Auskühlen auf einer Arbeitsfläche ausgegossen werden. Dort wird die Masse geknetet bis sie fest wird und schließlich durch Walzen gedreht, die ihnen ihr ikonisches Muster verpassen. Eine Bewährungsprobe für die Bonbonmacher waren die vergangenen zwei Pandemie-Jahre. „Unsere Berliner Stammkunden haben uns in dieser Zeit über Wasser gehalten“, erzählt Stecher.

Optimistisch bleiben

Bonbonmacherei
Die Berliner Blätter sind die Verkaufsschlager.

Dass vor allem Touristen ausgeblieben sind, haben sie deutlich zu spüren bekommen. Von den vor Corona üblichen 40.000 Kunden im Jahr kam nur noch ein Bruchteil in ihren Laden. Auch deshalb haben sie „den Sommer durchgemacht“ und auf die sonst übliche mehrwöchige Schließzeit in den warmen Monaten verzichtet. Nun gehe es trotz steigender Miet- und Energiekosten wieder bergauf. Ihr besonderes Handwerk aufgeben, das kommt für Stecher und Kolbe jedenfalls nicht infrage: „Wir müssen einfach durchkommen“, sagen sie. Auch wegen der vielen Kunden, die schon mit einem Lächeln im Gesicht das Geschäft betreten. „Das ist sehr schön, gibt Kraft und lässt uns optimistisch bleiben“.

 

Text: kr

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