Cablitz: Rassismus in Teilen der Gesellschaft

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Thilo Cablitz.
Thilo Cablitz. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild

Berlin (dpa/bb) – Von den einen wurde er rassistisch beschimpft, von den anderen als Nazi in Polizeiuniform tituliert. Thilo Cablitz war früher Streifenpolizist in Kreuzberg und Neukölln, seit 2018 wurde er als Pressesprecher der Berliner Polizei bekannt, in dieser Woche endet die Tätigkeit. Sein Vater stammt aus Afrika, er selbst kennt Rassismus aus eigener Erfahrung. Das Problem gebe es weiterhin in manchen Bereichen von Gesellschaft und auch Polizei, sagte Cablitz (geb. 1978) in einem dpa-Interview. «In der Gesellschaft mangelt es in Teilen noch an Sensibilität für diskriminierende Sprüche, die vermeintlich als Witz formuliert waren.»

Schon früher hat Cablitz über derartige Erlebnisse innerhalb und außerhalb der Polizei gesprochen. «Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Wenn man das sein Leben lang im Alltag erlebt, ist das nicht lustig, macht es keinen Spaß und man möchte es einfach nicht. Es geht schlicht darum, als Mensch gesehen und auch so behandelt zu werden – gleichwertig. Und es wäre fantastisch, wenn alle ausgrenzenden Zuschreibungen einfach mal keine Rolle spielen würden.»

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Auch in der Polizei sei das Problem noch vorhanden, Polizisten seien nicht «unfehlbar», sagte Cablitz. «Leider gibt es solche Sachverhalte noch immer. Es ist wichtig, dass dann schnell konfrontiert und auch interveniert wird.»

Erst kürzlich war ein Video bekannt geworden, in dem ein Polizist eine Familie aus Syrien beschimpft. Die Polizei ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der «fremdenfeindlichen Beleidigungen», mehrere Parteien sprachen von Rassismus.

Cablitz betonte, zwar seien die Einheiten der jüngeren Polizistinnen und Polizisten heute «deutlich vielfältiger als früher, wenn man sich Herkunft und Familiengeschichten ansieht». Die Polizei spiegle damit zumindest die Vielfalt der Gesellschaft wider.

Er räumte aber auch ein: «Vielfalt alleine schützt nicht vor diskriminierendem Verhalten. Schauen Sie sich zum Beispiel das Herkunftsland meines Vaters, den Sudan, an. Es ist unbeschreiblich, unfassbar, unmenschlich, was sich Menschen dort wegen Glaubensfragen oder ethnischen Zugehörigkeiten gegenseitig angetan haben und noch immer antun.» Und es gebe noch unzählige andere Beispiele. «Daraus wird deutlich, dass Rassismus kein speziell weißes oder deutsches Problem ist, sondern überall auf der Welt auftritt.»

Für die Polizei sei es weiterhin wichtig, darauf auch zu achten. «Wir sind zwar vielfältiger als früher, müssen aber trotzdem an dem Thema dran bleiben. Wir müssen die neutrale Mitte sein, auf die sich jede und jeder verlassen kann», betonte Cablitz. In dem Zusammenhang habe sich vieles getan. «Die Kollegen in meinem Bekannten- und Freundeskreis reagieren mit Entsetzen auf solche Sachverhalte, die wir aufdecken oder die bekannt werden.»

Beim Bekanntwerden rassistischer Vorfälle von Polizisten müsse die Behörde von sich aus und unmittelbar reagieren, sagte Cablitz. Es gehe um «Aufrichtigkeit und Integrität auch im Umgang mit eigenem Fehlverhalten». Nur so könne die Polizei «als offen und ehrlich» wahrgenommen werden.

Etwa jeder dritte junge Polizist oder Auszubildende hat eine sogenannte Migrationsgeschichte, stammt also aus einer Familie mit ausländischen Wurzeln. Junge Polizisten, deren Familien aus 95 Nationen stammten, seien in den vergangenen Jahren eingestellt worden, heißt es von der Polizei. Bei den älteren Jahrgängen sei der Migrationsanteil kleiner. Jedes Jahr werden mehr als 1000 junge Polizisten ausgebildet. Insgesamt hat die Polizei mehr als 26 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon knapp 19 000 Polizeibeamte.

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