Gedenkstätte: Ex-Häftling im ehemaligen Zuchthaus

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Blick auf das ehemalige Hafthaus des Cottbuser Gefängnisses.
Blick auf das ehemalige Hafthaus des Cottbuser Gefängnisses. Foto: -/Menschenrechtszentrum Cottbus/dpa/Handout

Cottbus (dpa/bb) – Das Menschenrechtszentrum Cottbus widmet sich auch 33 Jahre nach dem Mauerfall intensiv der Aufarbeitung von DDR-Unrecht. Dazu soll unter anderem der Kontakt mit ehemaligen Inhaftierten des Zuchthauses Cottbus intensiviert werden. Das Zentrum befindet sich als Gedenkstätte auf dem ehemaligen Gefängnisgelände.

An diesem Freitag (23.9.) ist der Bandleader und Komponist der DDR-Kultband «Klosterbrüder», Dietrich Kessler, zu Gast für Gespräche und ein Konzert. Für ihn sei das ein denkwürdiger Auftritt, denn in Cottbus sei der Sänger inhaftiert gewesen, wie die Leiterin des Menschenrechtszentrums, Heide Schinowsky berichtet. In der DDR gab es im Cottbuser Gefängnis ihr zufolge die meisten politischen Gefangenen. «Man geht davon aus, dass hier in den letzten beiden Jahrzehnten der DDR-Zeit 80 Prozent der Insassen aus politischen Gründen inhaftiert waren, darunter viele wegen Fluchtversuchs in den Westen.»

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Unter den Häftlingen in Cottbus waren damals auch der letzte Leiter der Stasiunterlagenbehörde BStU, Roland Jahn sowie der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete und heutige Vorsitzende vom Verein Menschenrechtszentrum Cottbus e. V., Dieter Dombrowski.

Dass es das Menschenrechtszentrum überhaupt gebe, sei Verdienst der ehemaligen Inhaftierten, sagt die Leiterin. Viele von ihnen seien auch heute noch sehr aktiv dabei mitzugestalten. Es gebe Zeitzeugengespräche, Seminare und Führungen, die mit dem Engagement der ehemaligen Gefangenen organisiert würden. Auf diese Weise sei der Unrechtsort zu einem lebendigen Gedenkort geworden, so Schinowsky.

Die Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus ist ihren Angaben nach die einzige Gedenkstätte, die nach der friedlichen Revolution Eigentum von ehemaligen politischen Gefangenen geworden ist. Thematisiert werden vor allem die Zeit die NS-Terrorherrschaft sowie das Repressionssystem der DDR. Ehemalige Häftlinge bilden in den Gremien des Trägervereins die Mehrheit und sind aktiv in die Gedenkstättenarbeit eingebunden.

Zur weiteren Entwicklung des Stasi-Unterlagen-Archivs wird nach einem Beschluss des Bundestages auf dem Gelände der Gedenkstätte Zuchthaus Cottbus eine zusätzliche Außenstelle eingerichtet. Zu Beginn der Herbstferien werde dazu eine Themenwoche stattfinden, kündigt die Leiterin an. Zu den Aufgaben der künftigen Außenstelle gehört ihren Angaben zufolge eine regelmäßige Bürgerberatung, die Annahme von Anträgen zur Akteneinsicht sowie die Unterrichtung der Öffentlichkeit über die DDR-Geheimpolizei und den besonderen Charakter und Symbolwert des Stasi-Unterlagen-Archivs.

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