Comeback statt Karriere-Aus: Ex-Unioner Ujah trifft wieder

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Braunschweigs Anthony Ujah (r) und Immanuel Pherai jubeln nach dem Schlusspfiff.
Braunschweigs Anthony Ujah (r) und Immanuel Pherai jubeln nach dem Schlusspfiff. Foto: Swen Pförtner/dpa

Braunschweig (dpa) – Nach zwölf Jahren Profifußball kennt Union Berlins ehemaliger Stürmer Anthony Ujah beinahe alles und jeden. Thomas Tuchel holte den Stürmer einst zu Mainz 05 nach Deutschland. Den 1. FC Köln schoss er zum Aufstieg in die Bundesliga, Werder Bremen verkaufte ihn für mehr als zehn Millionen Euro nach China. Der 1. FC Union holte ihn später als Erstliga-Neuling nach Berlin und ließ ihn nur drei Jahre später als Europa-League-Club wieder gehen. Doch fragt man den neuen Torjäger von Zweitligist Eintracht Braunschweig, was genau an dieser turbulenten Karriere ihn am meisten geprägt hat, dann sagt er: Die Momente, in denen er befürchten musste, sie sei vorbei.

Ujah bestritt zwischen Juni 2020 und Februar 2022 kein einziges Profispiel, weil er sich schwer am Knie verletzt hatte. Ein erster vermeintlicher Routineeingriff löste das Problem nicht. Vor einer zweiten Operation hieß es dann: Wir sägen Ihnen in der Nähe des Kniegelenks den Oberschenkelknochen durch und fügen ihn in einer korrigierten Stellung wieder zusammen. Diese «Achskorrektur» ist ein gängiger chirurgischer Eingriff – nur nicht bei Leistungssportlern.

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«Das war hart», sagte der 31 Jahre alte Nigerianer in einem Sky-Interview. «Ich habe mit drei, vier Ärzten und Professoren über meine Situation gesprochen. Einer hat gesagt: Deine Chancen stehen 50:50. Die anderen sagten: Wir haben keine Daten darüber, ob ein Leistungssportler nach so einer OP noch einmal Fußball oder Basketball spielen kann. Nur einer hat gesagt: Okay, lass uns daran glauben. Und dann habe ich gesagt: Wenn das die einzige Option ist, wenn keine andere Behandlung und Therapie mehr möglich ist – dann machen wir das! Denn das war die erste Verletzung in meiner Karriere. Ich habe vorher nie länger als zwei Tage im Training gefehlt.»

Ein paar Monate später macht Ujah wieder das, was er am besten kann: Tore schießen, besonders wichtige noch dazu. Der neue Mittelstürmer traf für die Braunschweiger zuletzt beim 4:2 gegen Nürnberg, beim 1:1 in Hannover und am vergangenen Freitag sogar doppelt zum 2:1 gegen Karlsruhe.

«Es bedeutet mir sehr viel, dass ich diese zweite Chance bekommen habe und dieser tollen Mannschaft helfen kann», sagte Ujah nach dem Karlsruhe-Spiel. «Jedes Mal, wenn ich in den letzten Wochen ein Tor geschossen habe, musste ich an diese schwere Zeit denken.»

Die Eintracht und ihr prominentester Neuzugang – das ist zumindest aktuell eine Win-Win-Situation. Denn zu dieser Geschichte gehört auch: Viele andere Clubs wollten einen 31-jährigen Stürmer nach einer 19-monatiger Verletzungspause nicht haben. Und umgekehrt bekamen die Braunschweiger auch keinen der Spieler, um die sie sich vor Ujah bemüht hatten.

Großes Lob gibt es von seinem neuen Trainer: «Er erkennt die Räume, macht den Ball ruhig. Er spielt einen ganz normalen Pass, wenn jüngere Spieler noch sehr viel Hektik in ihrem Spiel haben. Von ihm können sie sich noch einiges abschauen. Das ist schön», sagt Michael Schiele. Und fügte noch hinzu: «Er ist ein super Typ!»

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