Pläne für Neulichterfelde liegen aus – Bau soll Anfang 2023 starten

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Im Projekt “Neulichterfelde” soll urbanes Leben neu gedacht und organisiert werden. Bild: Groth-Gruppe
Im Projekt “Neulichterfelde” soll urbanes Leben neu gedacht und organisiert werden. Bild: Groth-Gruppe

Mit dem Nachtrag zum städtebaulichen Vertrag rückt der Baustart für das neue Stadtquartier in Lichterfelde Süd näher. Bis zum 16. September werden die Planungsunterlagen öffentlich ausgelegt. Der Baubeginn ist für Anfang des Jahres 2023 geplant.

Ende Juli wurde der Nachtrag zum städtebaulichen Vertrag für den Bebauungsplan 6-30 notariell beurkundet und von Steglitz-Zehlendorfs Baustadtrat Michael Karnetzki (SPD) und der Geschäftsführerin der bei dem Projekt federführenden Groth-Gruppe unterschrieben.

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„Nach intensiven Verhandlungen ist damit ein wichtiger Schritt getan, um die Planungen zur Errichtung eines neuen Stadtquartiers in Lichterfelde Süd mit ca. 2.500 Wohneinheiten weiter voranzubringen“, heißt es aus dem Bezirksamt.

Zwischen Osdorfer Straße, Landweg und den Schienen der Anhalter Bahn soll Wohnraum für bis zu 6.000 Menschen entstehen. Bereits 2018 war zwischen Bezirk und Investor der städtebauliche Vertrag für das Neubauvorhaben „Neulichterfelde“ geschlossen worden. Da aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht alle erforderlichen Untersuchungen, Gutachten und Prognosen vorlagen, sei ein Ergänzungsvertrag zum städtebaulichen Vertrag notwendig, der nunmehr alle Regelungen in vollzugsfähiger Form enthalte.

Bürger sind gefragt

Der Bebauungsplanentwurf 6-30 ist bis einschließlich 16. September im Rathaus Zehlendorf und online einsehbar. Interessierte können während der Auslegungsfrist Hinweise und Stellungnahmen abgeben. 

Im Anschluss daran legt das Bezirksamt den Bebauungsplan zur parlamentarischen Beschlussfassung der Bezirksverordnetenversammlung vor. Nach dem Beschluss kann der Bebauungsplan festgesetzt werden und das Neubauvorhaben in Lichterfelde Süd  auf der Grundlage des Plans genehmigt werden.

Linksfraktion vermisst Sozialwohnungen

Die Linksfraktion Steglitz-Zehlendorf erneuerte ihre grundsätzliche Kritik an dem Projekt. „Auch in Steglitz-Zehlendorf gibt es einen erheblichen Mangel an Mietwohnungen, die man sich leisten kann“, so Pia Imhof-Speckmann, Co-Vorsitzende der Linksfraktion und sozialpolitische Sprecherin. „Gebaut werden sollen nun aber 420 Einfamilien- und Reihenhäuser und 1540 hochpreisige Miet- und Eigentumswohnungen.“

Die geplanten 539 Sozialwohnungen seien nicht ausreichend und örtlich so geplant, „dass man denken könnte, sie sollen lediglich als Schallschutzriegel für die attraktiveren Wohnlagen dienen“.

Die neue Infrastruktur, die der Investor bauen müsse, werde seinen Profitinteressen unterworfen. So werde beispielsweise die neue Grundschule nach seinen Wünschen direkt auf einem Grundstück an den Bahngleisen entstehen, dort sei es laut und die Flächen daher schwerer zu vermarkten. „Hier geht Profitgier vor
Gesundheit von Kindern.“

Verkehrschaos befürchtet

Dennis Egginger-Gonzalez, Co-Vorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der Linksfraktion, äußert weitere Bedenken: „Dieses viel zu große Bauvorhaben schädigt erheblich die Tier- und Pflanzenwelt und beeinträchtigt die Lebensqualität
der Menschen, die bereits heute in Lichterfelde Süd leben.“

Obwohl die Lichterfelder Weidelandschaft überaus schützenswerte Flora und Fauna biete, drohe dort ein Kahlschlag. So werde dem Investor die Versiegelung von 39 Hektar statt der gutachterlich empfohlenen 16 Hektar erlaubt. Zudem stehe das
Auto im Mittelpunkt des Verkehrskonzeptes steht.

„Das heute schon täglich erlebbare Verkehrschaos auf der Osdorfer Straße und den angrenzenden Verkehrswegen wird im Kollaps enden“, so Egginger-Gonzalez. Auch
würden durch die Bebauung wichtige Kaltluftschneisen abgeschnitten.

emissionsarme Mobilitätsangebote

Seitens der Planer werden die fortschrittlichen und umweltschonenden Aspekte des Vorhabens betont. Demnach soll in „Neulichterfelde“ urbanes Leben neu gedacht und organisiert werden. Dazu gehöre unter anderem eine klimaneutrale, lokale Energieversorgung und emissionsarme Mobilitätsangebote.

Text: Nils Michaelis

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