Energiekrise: Das wird kein Winter für „Warmduscher“

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Warmduscher
Für "Warmduscher" wird's ungemütlich. Bild: Imago/Panthermedia

Wie die Bezirke Ressourcen sparen wollen und was auf uns Verbraucher in der absehbaren Energiekrise zukommen könnte.

Das Gas ist knapp und der Winter bald da. Privathaushalte sind dazu aufgerufen, Gas, Strom und Wasser zu sparen, wo es nur geht. Weniger duschen und das am besten mit weniger warmen Wasser, Händewaschen mit kaltem Wasser, weniger heizen, weniger Licht anmachen. „Wir werden die Komfortzone verlassen müssen“, mahnte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, jüngst im „Spiegel“.

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Viele Energiesparideen

Was die Privathaushalte beschäftigt, treibt auch die Berliner Bezirke um. Die haben jetzt damit begonnen, Ideen zum Energiesparen zu entwicklen. Der Senat will noch in diesem Monat ein umfassendes Konzept zum Energiesparen vorlegen.

Ziel soll sein, mindestens zehn Prozent des Energieverbrauchs seiner Verwaltungen einzusparen. Unter anderem werden zahlreiche öffentliche Gebäude in der Nacht nicht mehr angestrahlt, um Strom zu sparen.

Dabei handelt es sich um etwa 200 Gebäude und Wahrzeichen, zum Beispiel Siegessäule, Gedächtniskirche, Berliner Dom oder Rotes Rathaus. In Neukölln werden bereits sämtliche bezirkliche Liegenschaften bis auf weiteres nicht mehr angestrahlt, unter anderem das Schloss Britz und das Rathaus.


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Auch beim Rathaus in Treptow-Köpenick ist das so. Die Mitarbeiter im Bezirksamt Spandau und ihre Besucher etwa könnten in diesem Winter ins Bibbern geraten. Der Bezirk will in den Räumen der Behörde weniger heizen.

„Mit niedrigeren Raumtemperaturen werden wir den Energiebedarf spürbar senken können. Jedes Grad weniger senkt den Energiebedarf um etwa sechs Prozent“, heißt es aus der dortigen Verwaltung. Auch der Bezirk Mitte will so vorgehen. Außerdem sei Mitte dabei, die Anzahl der Photovoltaikanlagen auf „bezirkseigenen Immobilien schnell auszubauen, um zusätzlich Energie zu gewinnen“, sagte ein Sprecher.

Warmwasser abschalten

Wer sich überlegt hat, im Winter aus Kostengründen weniger zuhause zu duschen, sondern lieber die Duschen in bezirklichen Sporthallen zu nutzen, könnte falsch gepokert haben. Denn zu den möglichen Maßnahmen, Energie zu sparen, gehört auch, das warme Wasser in den Berliner Sporthallen abzuschalten.


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Dazu passt eine Idee aus Tempelhof-Schöneberg. Dort hat die zuständige Bezirksstadträtin Angelika Schöttler (SPD) die Abschaltung der Warmwasserbereitung in Schulen im Blick.

Alternative Homeoffice

Eine weitere Energiespar-Idee: Die Arbeitszeit der in den Bezirksverwaltungen Beschäftigten im Herbst und Winter in Zeiten mit Tageslicht zu verlegen. Vielleicht gibt‘s aber auch eine Homeoffice-Regelung.

Schon denken Politiker wie Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) darüber nach, Mitarbeiter von zu Hause arbeiten zu lassen, damit Heizungen in Firmengebäuden runtergedreht werden können.

Experten sehen darin Einsparpotenzial. Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Viele Menschen senken nämlich inzwischen dank smarter Steuerungstechnik die Temperaturen in ihren Wohnungen ab, wenn sie auf Arbeit sind.

Freiwilliger Beitrag

Dass am Ende die Angestellten die Rechnung für warme Räume und genügend Licht während der Arbeitszeit zahlen, befürchten auch die Gewerkschaften. Anja Piel, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erklärte, Energienot dürfe nicht dazu führen, dass Homeoffice dazu genutzt wird, Kosten für Arbeit – dazu gehört das Heizen von Arbeitsstätten – auf die Beschäftigten zu verlagern.

Homeoffice könne nur ein kleiner Baustein sein und funktioniere ausschließlich auf freiwilliger Basis. „Beschäftigten Frieren oder dicke Pullover zu verordnen und ihnen einseitig die Lasten der aktuellen Krise zuzuschieben, geht jedenfalls nicht“, sagte Piel der „Berliner Morgenpost“.

Text: Sara Klinke/dpa

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