Industrieanlagen.
Industrieanlagen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Schwarzheide (dpa/bb) – Im Winter droht eine Gaskrise, Unsicherheit besteht auch beim Strom. Politiker und Experten in Deutschland rufen zum Energiesparen auf, energieintensiven Unternehmen und Versorgern kommt dabei neben Privathaushalten eine zentrale Rolle zu. Sie sparen bereits oder haben sich unabhängiger von Gaslieferungen gemacht.

In Brandenburg hat sich der Chemiekonzern BASF am Lausitzer Standort Schwarzheide nach eigenen Angaben auf Szenarien mit reduzierten Erdgaslieferungen vorbereitet. Der benötigte Energiebedarf werde nahezu vollständig aus dem firmeneigenen modernisierten Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) abgedeckt, berichtete Sprecherin Linda Bottin. Bei Verknappung der zur Verfügung stehenden Gasmenge könne man auf andere Energieträger zurückgreifen, um die Energieproduktion zunächst aufrecht zu erhalten.

Zudem seien jüngste Tests erfolgreich verlaufen, das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk zur Strom- beziehungsweise Dampferzeugung komplett mit Heizöl zu betreiben, erläuterte Bottin. Im Bedarfsfall könne außerdem elektrischer Strom aus dem Landesnetz bezogen werden.

Arcelormittal am Standort Eisenhüttenstadt hat es da schwerer. In dem Werk in Ostbrandenburg werden hochwertige Flachstahlprodukte für Kunden der Haushalts-, Automobil- und Bauindustrie vor allem in Ost- und Mitteleuropa hergestellt. Doch dafür wird Erdgas benötigt. Nach Unternehmensangaben wurde seit Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine die Abhängigkeit von Energieträgern wie Kohle reduziert und auch der Gasverbrauch auf ein Minimum gesenkt.

«Wir sehen kurzfristig kaum weiteres Senkungspotenzial», sagte Pressesprecherin Carolin Becker. Jede weitere Senkung des Erdgasverbrauchs würde zu Reduzierungen in der Produktion führen und negative Auswirkungen auf die Beschäftigung haben. Im Notfall könnten erste Rationierungen innerhalb der Prozesse aufgefangen werden, bei weiteren Verringerungen würden Anlagenteile vorübergehend außer Betrieb genommen. «Da wir auf Schwesterwerke in Europa zur Produktion unserer Endprodukte zurückgreifen können, würden wir unsere Kunden weiter beliefern können», sagte Becker.

Benötigt wird Erdgas dem Unternehmen zufolge in erster Linie für Wiedererwärmungsöfen und in den Walzstraßen für die Fertigung der Flachstahlprodukte. An dieser Stelle sei Öl keine Alternative, sagte die Sprecherin. Zudem würde eine technische Umstellung auf Induktion mit Strom lange dauern und wäre sehr teuer.

Die steigenden Energiepreise und ein mögliches Gasembargo seien für den Transformationsprozess des Unternehmens hin zu klimaneutraler Produktion alles andere als optimal. Erdgas werde als Brückentechnologie für die Transformation zu «grünem Stahl» benötigt, sagte die Sprecherin. Daher müsse die Versorgung mit Flüssiggas schnell erschlossen werden bei gleichzeitigem Ausbau der Wind- und Sonnenenergie für die Erzeugung von «grünem» Wasserstoff. Mittelfristig plant das Unternehmen Partnerschaften, etwa mit RWE, um gemeinsam Offshore-Windflächen zu erschließen und durch langfristige Lieferverträge kurzfristige Energiepreissteigerungen abzufangen.

Bei BASF in Schwarzheide wird schon länger auf erneuerbare Energien gesetzt. Ende August ist dem Unternehmen zufolge geplant, den in Kooperation mit dem ostdeutschen Energiedienstleister enviaM errichteten Solarpark in Betrieb zu nehmen, der dann etwa 10 Prozent des aktuellen Strombedarfs des Produktionsstandorts decken könne.

Die Energie und Wasser Potsdam (EWP) und die Netzgesellschaft Potsdam (NGP) wollen Energiesparmaßnahmen in der Landeshauptstadt rasch umsetzen. So werden den Angaben zufolge in Verwaltungsgebäuden Kühlanlagen für Büros heruntergefahren, das Warmwasser in den Küchen und Toiletten ausgeschaltet und Beleuchtung reduziert. Für die Heizsaison im Herbst sollen moderne, schaltbare Thermostate in den Büros nachgerüstet werden, um dauerhaft Heizenergie einzusparen.

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