Von Mammutzahn bis Herzschrittmacher: „99 x Neukölln“

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Museum Neukölln
Zu Besuch im Museum Neukölln. Bild: Sascha Uhlig

Der Norden und Süden von Neukölln könnten unterschiedlicher kaum sein: Während oberhalb von Britz ein multikulturelles Flair, die lebhafte Kulturszene und hektischer Straßenlärm das Stadtbild prägen, geht es in Rudow und Buckow weitaus beschaulicher zu. An der Grenze dieser beiden Welten liegt das Museum Neukölln und lädt zum Entdecken der Vielfalt des Bezirks ein.

Ein Idyll mitten in der Großstadt, nur drei U-Bahnstationen vom Ring entfernt: Das ist das denkmalgeschützte Ensemble von Schloss und Gutshof Britz. Genau hier befindet sich das Museum Neukölln, das nach dem Märkischen Museum in Mitte das zweitälteste regionalgeschichtliche Museum Berlins ist. Bereits 1897 wurde es als naturkundliches Schulmuseum gegründet, doch heute stehen statt Natur vor allem die Stadtkultur und die Regionalgeschichte des Bezirks Neukölln im Fokus.

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In der Daueraustellung “99 x Neukölln” können sich die Besucher über ausgewähle Objekte aus der Sammlung des Museums interaktiv die Geschichte und Gegenwart des Bezirks erarbeiten. Zeitlich betrachtet reichen die 99 Objekte vom Mammutzähnen bis hin zum Herzschrittmacher und stehen unverbunden nebeneinander.

Mittels verschiebbarer, digitaler Boards können sich die Besucher die Kontexte dazu selbst erarbeiten. Das Konzept dahinter geht zurück auf Dr. Udo Gößwald, der das Museum über 30Jahre lang leitete. Sein Nachfolger ist Dr. Matthias Henkel, der Anfang dieses Jahres zudem zum Leiter des Fachbereichs Museum, Stadtgeschichte und Erinnerungskultur berufen wurde.

Ein Ort für die Stadtgesellschaft

Dr. Matthias Henkel
Dr. Matthias Henkel leitet das Museum Neukölln seit 2022. Foto: Sascha Uhlig

“Udo Gößwald hat das Museum natürlich nachhaltig geprägt und damit dessen Geschichte maßgeblich bestimmt”, erklärt Henkel. “Ich habe aber keine Angst davor, sondern eher Lust darauf, auf der Basis des Erreichten anzuknüpfen und eine eigene Agenda zu entwickeln.” Der promovierte Archäologe und Europäischer Ethnologe arbeite vor seiner neuesten Berufung unter anderem am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, in der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin und den Museen der Stadt Nürnberg.

Zudem gründete er 2016 eine Agentur, wollte dann aber aufgrund der vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten im Museum Neukölln nach sieben Jahren unternehmerischer Selbstständigkeit wieder in den Öffentlichen Dienst wechseln. “Ich möchte in meiner ,Restlaufzeit‘ gesellschaftlich wirksam sein”, so der 60-Jährige. “Es geht mir darum, an den anstehenden gesellschaftlichen Transformationsprozessen produktiv mitzuwirken – das Museum Neukölln zu einem attraktiven, aktiven, interessanten und im besten Sinne nachhaltigen Ort für die Stadtgesellschaft zu entwickeln.”

Ebendiese setzt sich in Neukölln aus rund 160 verschiedenen Nationen zusammen. “Da müssen wir zwangsläufig global denken und interkulturell agieren”, so Henkel. “Wir wollen ganz bewusst mit der Bevölkerung in Kontakt treten. Heute zum Beispiel werden wir in den Körnerpark gehen und die Bürgerinnen und Bürger zum Thema unserer gerade in Vorbereitung befindlichen Ausstellung befragen.“

Geschichte spielend erleben

Die aktuelle Sonderausstellung “Großstadt Neukölln 1920–2020” spürt der Frage nach, wie sich Neukölln in den letzten 100 Jahren verändert hat. Antworten darauf finden die kleinen und großen Besucher des Museums auf spielende Weise selbst heraus.

Anhand von acht markanten Schauplätzen wie dem Hermannplatz, der Gropiusstadt oder dem Bahnhof Neukölln können sie historische Orte des Bezirks wie in einem Puzzle zusammenbauen. Durch großformatige Fotos auf zwölf Würfeln je Motiv wird die städtebauliche Entwicklung im Bezirk visuell erlebbar. Wer die Fotos genauer betrachtet, wird die Veränderungen im Stadtbild bemerken und kann so verschiedene Epochen miteinander vergleichen.

Zur Info: Museumssonntag in Berlin

Zwar ist der Eintritt im Museum Neukölln ohnehin kostenlos, jedoch weisen wir an dieser Stelle gerne auf den Museumssonntag in Berlin hin. Denn jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt in fast allen Museen der Hauptstadt frei. Weitere Infos und alle teilnehmenden Museen lassen sich online finden. Der nächste Museums­sonntag ist am 7. August 2022.

Das heutige Neukölln wird durch eine Fotoserie von Gundula Friese in Szene gesetzt, während der Fotograf Leon Kopplow Passagiere der U8 in Neukölln porträtierte. Diese begegnen den Besuchern inmitten der Ausstellung. Zusammen mit ihnen blicken die Besucher auf bekannte Straßen, Plätze und Bauten von Neukölln und sehen, dass diese sich genau wie unsere Umwelt im stetigen Umbruch befinden.

 


Auf einen Blick

Adresse
Alt-Britz 81
12359 Berlin

Internetadresse
www.schloss-gutshof-britz.de/museum-neukoelln

Öffnungszeiten
Täglich 10.00–18.00 Uhr

Eintritt
Eintritt frei

Text und Fotos: Sascha Uhlig

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