Wie die Stadtteilmütter Neukölln veränderten

133
Das Projekt Stadtteilmütter startete vor 18 Jahren mit einer Gruppe türkischsprachiger Frauen im Neuköllner Schillerkiez. Heute sind Neuköllner Stadtteilmütter in 15 Sprachen unterwegs. Bild: BA Neukölln/Stephanus Parmann
Das Projekt Stadtteilmütter startete vor 18 Jahren mit einer Gruppe türkischsprachiger Frauen im Neuköllner Schillerkiez. Heute sind Neuköllner Stadtteilmütter in 15 Sprachen unterwegs. Bild: BA Neukölln/Stephanus Parmann

Vor 18 Jahren gingen die Neuköllner Stadtteilmütter an den Start. Der Bezirk Neukölln sieht in dem Projekt eine Erfolgsgeschichte.

74 Stadtteilmütter mit roten Schals sind dieser Tage von Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel im Rathaus Neukölln empfangen und mit einer Urkunde ausgezeichnet worden. Acht der Stadtteilmütter erhielten gleichzeitig ihr Ausbildungszertifikat und ihren eigenen Schal. Sie sind frisch ausgebildet und damit seit heute offiziell als 20. Generation der Stadtteilmütter in Neukölln unterwegs.

-Anzeige-

Das Projekt Stadtteilmütter startete vor 18 Jahren mit einer Gruppe türkischsprachiger Frauen im Neuköllner Schillerkiez. Heute sind Neuköllner Stadtteilmütter in 15 Sprachen unterwegs – von Albanisch über Arabisch, Hindi bis hin zu Urdu. Das teilt das Bezirksamt Neukölln mit.

150.000 Gespräche mit Familien

Mehr als 15.000 Familien seien jeweils mindestens zehnmal besucht worden. Das seien 150.000 Gespräche über gesellschaftliche Teilhabe und Selbstbestimmung. Alleine in Neukölln wurden bis heute 486 Frauen zu Stadtteilmüttern ausgebildet und eingestellt worden. Für viele von ihnen war es die erste Erwerbstätigkeit überhaupt.

Hikel dankte den aktiven Stadtteilmüttern für ihre tägliche Arbeit: „Die Stadtteilmütter sind Vorbilder: in ihren Familien, aber auch für andere Mütter und Großmütter. Sie leben vor, wie ein selbstbestimmtes Leben möglich ist und unterstützen gleichzeitig Tausende Neuköllner Familien. Was die Stadtteilmütter in 18 Jahren in ihren Gesprächen und durch ihre Vorbildrolle in Neukölln geleistet haben, lässt sich kaum in Worte fassen. Ohne ihre Arbeit wäre Neukölln ein anderer Ort.“

Seit 2020 ist etwa die Hälfte der Neuköllner Stadtteilmütter über das Landesprogramm der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie beschäftigt. Weitere Stadtteilmütter arbeiten im Rahmen von Beschäftigungsmaßnahmen des Jobcenters und der Senatsverwaltung für Arbeit.

Würdigung der Stadtteilmütter

„Die Verstetigung des Projektes über das Senatsprogramm im Jahr 2020 war ein Meilenstein für die Etablierung und Würdigung der Stadtteilmütter“, heißt es aus dem Bezirksamt.

Auch Mirjam Blumenthal (SPD), die zuständige Bezirksstadträtin für Jugend und Gesundheit, dankte den Stadtteilmüttern für ihre Arbeit und der Senatsverwaltung für die gute Zusammenarbeit. Träger und langjähriger Partner des Projektes in Neukölln ist das Diakoniewerk Simeon.

Olaf Petzold, Geschäftsführer im Diakoniewerk Simeon: “Wir freuen uns sehr, auf eine langjährige Zusammenarbeit und Unterstützung durch die Förderer der Stadtteilmütter in politischer, struktureller und vor allem finanzieller Hinsicht zurückblicken zu können. Das Bezirksamt hat früh die Wichtigkeit der Arbeit der Stadtteilmütter als Multiplikatorinnen und Vermittlerinnen im Bezirk Neukölln erkannt und das Projekt seit 2004 kontinuierlich unterstützt. Dadurch konnte das Projekt von Neukölln aus wachsen. Heute unterstützen die Stadtteilmütter in allen Berliner Bezirken Familien.”

Viele Aufgaben

Die Rolle der Stadtteilmütter habe sich von Beginn an nicht nur auf Themen der Erziehung, Bildung und Gesundheit bezogen. Sie hättem auch eine wichtige Funktion in der Erreichbarkeit und Aktivierung von Menschen, um sich im Bezirk zu beteiligen.

Hier geht es um Themen der Nachbarschaft, Frauenrechte, politische Mitsprache. Stadtteilmütter sind in Quartiersmanagement-Beiräten beteiligt, Mitglieder in Vereinen, Elternvertreterinnen in den Schulen ihrer Kinder, Stadtführerinnen in ihrem Kiez. Neben ihren Kernaufgaben engagieren sie sich mit herausfordernden Themen wie Flucht, Geschichte, Rassismus, Kunst sowie Kultur.

„Damit schlagen sie Brücken zwischen den Institutionen und den Familien, vermitteln zwischen den Kulturen und vertreten hiermit einen weiten Begriff von Erziehung“, so das Bezirksamt.

Text: red/nm

Hinterlasse eine Antwort

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Name bitte hier reinschreiben