Spandauer Vorstadt: Kleinstädtischer Charme

Sophienstraße
Häuserzeile in der Sophienstraße. Bild: Klaus Scheddel

Die kleinteiligen Häuserzeilen in der Spandauer Vorstadt vermitteln eine Ahnung vom quirligen Leben im Berlin der Kaiserzeit.

Eintauchen in das alte Berlin: das geht nirgendwo besser als in der Spandauer Vorstadt. Niedrige Häuserzeilen aus dem 18. und 19. Jahrhundert vermitteln noch heute kleinstädtischen Charme.

Quirliger Markt

Start S-Bahnhof Hackescher Markt, der im Jahre 1882 errichtet wurde und einer von zwei original erhaltenen Stadtbahnhöfen Berlins ist. Die nördlichen Ausgänge führen direkt auf den quirligen Markt mit seinen Läden und Restaurants.


HINKOMMEN
S-Bahnhof Hackescher Markt
DAUER
Zum Schlendern, Staunen, sich überraschen lassen mindestens zwei bis drei Stunden
NICHT VERPASSEN
Die Jugendstilfassaden in den Hackeschen Höfen bestaunen
Den Spuren jüdischen Lebens in der Auguststraße folgen
Den unbekanntesten Park Berlins entdecken


Nicht zu übersehen ist der Eingang zu den Hackeschen Höfen mit Jugendstilornamenten. Die Höfe sind der schönste Wohn- und Gewerbehof Berlins, eröffnet 1906. Im ersten Hof beeindrucken die aufwendigen Schmuckfassaden, danach folgen Höfe mit kleineren Ladengeschäften. Die ganze Anlage wurde nach der Wende denkmalgerecht saniert und bildet eine einzigartige Mischung aus Arbeiten, Wohnen und Kultur.

Nach neun durchquerten Höfen steht man unvermittelt in der Sophienstraße mit ihren alten Wohnhäusern, Läden und Kunsthandwerkern. Links eingebogen passiert man die Sophienkirche, eine 1712 von Königin Sophie Luise gestiftete Hallenkirche mit barockem Kirchturm, der einzige seiner Art in Berlin.

Besonderes Highlight in der Sophienstraße 21 sind die künstlerisch gestalteten Sophie-Gips-Höfe, in denen die private Sammlung Hoffmann zu finden ist. Am Ende der Straße liegt die Urberliner Altstadtkneipe Sophieneck.

Verwitterte Fassade

Über die Große Hamburger Straße gelangt man in die Auguststraße, in der man neben etlichen Galerien auch Spuren jüdischen Lebens in Berlin findet. In Clärchens Ballhaus kann auch heute noch geschwoft werden, das Tanzlokal mit der verwitterten Fassade ist eine Institution und hat noch jeden Wandel überstanden.


Gasthaus Sophieneck
Institution seit den 1990er-Jahren. Urige Kneipe, bodenständige regionale Küche wie Soljanka, Bouletten und Kassler zu moderaten Preisen.
Große Hamburger Straße 37
Tel. (030) 2 83 40 65

Strandbad Mitte
Kein Freibad, sondern ein angesagtes Café mit gutem Frühstück, ideenreicher
internationaler Küche aus Biozutaten im schlichten Lokal mit Außentischen.
Kleine Hamburger Straße 16
www.strandbad-mitte.de


Etwas weiter befinden sich die Kunst-Werke Berlin, die hochkarätige Ausstellungen zeitgenössischer Kunst zeigen. Schräg gegenüber in der Auguststraße 11–13 liegt die ehemalige jüdische Mädchenschule, wo Galerien und ein Museum zu finden sind.

Kurz vor der Tucholskystraße zweigen links die Heckmann-Höfe ab, weitere Kunst- und Gewerbehöfe mit historischen Gebäuden.

Verborgenes Idyll

An ihrem Ende gelangt man auf die geschäftige Oranienburger Straße. Wenige Meter weiter links erhebt sich die 1866 erbaute Neue Synagoge mit ihrer eindrucksvollen, goldschimmernden Kuppel.

Das im zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude wurde nur im vorderen Teil wiederaufgebaut, hier befindet sich das Centrum Judaicum mit einer Ausstellung zur Synagoge. 200 Meter weiter in der Hausnummer 19–20 führt ein unscheinbares Tor in den Krausnickpark, den vermutlich unbekanntesten Park Berlins. Eine grüne Oase, die aus einer ehemals privaten Gartenanlage entstanden ist.

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