Umzug nach Lichtenberg: Drugstore sieht Probleme

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Der "Drugstore" ist das älteste selbstverwaltete Jugendzentrum Berlins. Es wurde im September 1972 in der Potsdamer Straße in Schöneberg eröffnet. Bild: Drugstore-Kollektiv

Das stadtweit bekannte Jugendzentrum Drugstore zieht von Schöneberg nach Lichtenberg.  Das hat der Bezirk Tempelhof-Schöneberg als Erfolg gefeiert. Die Betreiber sehen an dem neuen Standort aber noch viele Schwierigkeiten.

Umziehen oder schließen: Vor dieser Alternative stand das „Drugstore“-Kollektiv. Nach langem Überlegen gingen die Betreiber von Berlins ältestem selbstverwalteten Jugendzentrum auf die Offerte des Bezirks Tempelhof-Schöneberg ein, Räumlichkeiten im „Rockhaus Berlin“, ein von gut 1.000 Künstlern genutzter Komplex mit 190 Proberäumen in der Buchberger Straße, zu beziehen.

„Ich bin sehr erleichtert, dass wir den Jugendlichen des Kollektivs nun endlich wieder einen Ort geben können, den sie für leise und für laute Veranstaltungen gleichermaßen nutzen dürfen“, sagte Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) Ende April. Die Verhandlungen insbesondere mit dem Mieterbeirat des „Rockhauses“ seien teilweise sehr herausfordernd gewesen. „Es galt, mit einem langen Atem Widerstände zu überwinden und Vorbehalte auszuräumen.“

Streit um Veranstaltungssaal

Schworcks Erleichterung teilt das „Drugstore“-Kollektiv ausdrücklich nicht. Nach wie vor gebe es mit den anderen Mietern viele Streitpunkte. Im Mittelpunkt steht der Veranstaltungssaal, er gehört zu dem 173 Quadratmeter großen Bereich, den das Bezirksamt für den „Drugstore“ angemietet hat.

„Die anderen Mieter hätten den Saal selbst gerne betrieben“, sagt Domi vom „Drugstore“-Kollektiv. Man habe ihnen angeboten, dort an bestimmten Tagen Events zu organisieren. Allerdings sollen die Bestandsmieter darauf bestanden haben, Eintritt zu verlangen.  „Das verträgt sich aber nicht mit unserer Philosophie“, so Domi. Traditionell sind alle Veranstaltungen unter dem Dach des „Drugstore“ für Besucher gratis.

Auch Domi sieht generelle Vorbehalte gegen die neuen Nachbarn, die eng mit der Punk- und Antifaszene verbandelt sind. „Viele befürchten, dass es wegen uns Dreck und Chaos geben wird, das ist natürlich völlig abwegig“, sagt sie. Das „Drugstore“-Kollektiv habe immer wieder das Gespräch gesucht, seit dem Abschluss des Mietvertrags herrsche allerdings Funkstille.

Einzug in zwei Monaten

Der Einzugstermin am 1. Mai steht ohnehin nur auf dem Papier. Das Kollektiv rechnet damit, frühestens in zwei Monaten im Berliner Osten ansässig zu sein. Vorher stehen noch diverse Umbauten an. Zudem wird der neue Standort nur ein provisorischer sein. In gut fünf Jahren soll der „Drugstore“ ins neue Haus der Jugend in Tempelhof-Schöneberg ziehen.

Einen Standort für den Neubau hat das Bezirksamt noch nicht gefunden. Laut Domi ist ein Areal nahe dem S-Bahnhof Schöneberg im Gespräch. Damit könnte das Kollektiv wegen der Nähe zum heimischen Kiez leben. Auch im Hinblick darauf sei der Umzug nach Lichtenberg „völlig Banane“, so Domi.

In einem Offenen Brief begrüßt der Mieterbeirat des „Rockhauses“ den Einzug des „Drugstore“. In dem Konzept für „eine (vermeintlich gemeinsame) Nutzung des Saales für Veranstaltungen und Workshops, Tourvorbereitungen und Videodrehs“ sehe man aber keine Lösung, die die Bedürfnisse der bisherigen Mieter berücksichtige.

Verlust des Treffpunkts

Das Gremium bedauert „den Verlust des Herzstücks und Treffpunkts für die ,Rockhaus‘-Gemeinschaft“. Außerdem wird kritisiert, dass mit dem Jugendamt Tempelhof-Schöneberg bislang kein Kooperationsvertrag zustandegekommen sei.

Der „Drugstore“ ist das älteste selbstverwaltete Jugendzentrum Berlins. Es wurde im September 1972 in der Potsdamer Straße in Schöneberg eröffnet und ermöglicht seitdem Jugendlichen, Veranstaltungen und Konzerte selbst durchzuführen. Freier Träger ist der gemeinnützige Verein Sozialpädagogische Sondermaßnahmen Berlin, zu dem auch das Tommy-Weisbecker-Haus in Kreuzberg zählt.

Im Gebäude des „Drugstore“ befand sich mit der „Potse“ jahrzehntelang ein weiteres autonomes Jugendzentrum. Im vergangenen Jahr bezog es ein für drei Jahre angemietetes Provisorium in der Zollgarage auf dem einstigen Flughafen Tempelhof.

Text: Nils Michaelis

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