Berlin: Bienenparadies mit Licht und Schatten

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Bienen
Honigbienen im Anflug auf ihren Bienenstock. Bild: Imago/Frank Sorge

Mit weit mehr als 260 Millionen Bienen ist Berlin die Bienenhauptstadt Deutschlands. Zum Welttag der Bienen am 20. Mai erklären wir, warum sich die nützlichen Bestäuber so wohl hier fühlen.

Obwohl er dort nicht ständig wohnen wollen würde, schwärmt der großstadtmüde Berliner schon immer gern von den Vorzügen des Landlebens. Seine Sehnsucht gilt der scheinbar heilen Natur, der nur von Vogelgezwitscher unterbrochenen Stille, der sauberen Luft.

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Ein Bienenparadies

Würde man allerdings nicht Berliner, sondern Bienen fragen, wohin es sie zieht, bekäme man eine überraschende Antwort: So richtig wohl, würden sie uns verraten, fühlen sie sich eigentlich nur noch in der großen Stadt.

Denn während immer mehr Flächen des ländlichen Raumes versiegelt, die Intensivierung der Landwirtschaft mittels Herbiziden und Insektiziden vorangetrieben und jeder noch so kleine Magerstandort überdüngt und damit immer lebensfeindlicher für die Bestäuber wird, finden sie in einer Stadt wie Berlin fast das ganze Jahr über Nahrung.

Ökologische Haltung

„Den Bienen in der Stadt geht‘s richtig gut“, weiß Johannes Weber, auf dessen Initiative hin 2014 der gemeinnützige Verein „Stadtbienen e.V.“ gegründet wurde und dessen Vorstand er immer noch ist.

Der Verein setzt sich unter anderem für Umweltbildung als Schlüssel zur Förderung von Biodiversität ein, will die ökologische Honigbienenhaltung stärken und versteht sich als Lobbyist für Schutzhabitate, in denen Bienen und andere Insekten unabhängig von menschlicher Einflussnahme wieder sichere Populationen aufbauen können.

„Das Gefährliche ist, dass auch in der Stadt immer mehr Flächen versiegelt werden“, beobachtet Johannes Weber, dem die Liebe zu den putzigen Bestäubern vom Großvater mitgegeben wurde.

Lebensräume fehlen

Und so muss auch er vorm Weltbienentag am 20. Mai konstatieren, dass mit den Bienen in der Stadt doch nicht alles in Butter ist. Jede Baulücke, die gefüllt wird, fehlt Bienen als Nahrungsstandort und Lebensraum.

Ziel müsse es sein, so Weber, dass die Dächer von Neubauten insektenfreundlich begrünt und die Freiflächen zwischen den Gebäuden als Wildwiesen angelegt werden müssen.


Lesen Sie bitte auch: Trockene Zeiten: Können wir uns grünen Rasen noch leisten?


Summende Konkurrenten

Bienen und Imkern liegen in Berlin voll im Trend. Während die Zahl der Imker deutschlandweit abnimmt, gibt es immer mehr Stadtimker. Für Imkerkurse, die von Vereinen und Initiativen wie „Stadtbienen“ oder „Berlin summt“ oder von vielen der 16 im Imkerverband Berlin organisierten Vereine angeboten werden, gibt es inzwischen Wartelisten.

Laut Berliner Tageszeitung taz gab es 2021 rund 2.000 Imker, von denen jeder durchschnittlich 6,6 Bienenvölker hielt. Bei jedem der 13.200 Völker geht man von mindestens 20.000 Bienen aus. Mit 264 Millionen Tieren wäre Berlin zugleich auch die Bienenhauptstadt Deutschlands.

Bedrohte Tierarten

Zumal pünktlich zur Lindenblüte noch einmal Hunderte Gastvölker aus allen Teilen Deutschlands und angrenzenden europäischen Nachbarn quasi nach Berlin „eingeflogen“ kommen.

Sie alle müssen sich die hier wachsenden Blütenpflanzen mit den mehr als 300 in Berlin heimischen Wildbienenarten teilen, von denen die Hälfte auf der Roten Liste oder der Vorwarnliste der vom Aussterben bedrohten Tierarten steht.

Schon warnen Kritiker vor einer Verdrängung gefährdeter Wildbienenarten. Dem halten die Experten der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung entgegen, dass sich das Sammel- und Aktivitätsverhalten vieler Wildbienen von denen der Honigbienen so unterscheidet, „dass eine sichere Bestäubung nur durch das Zusammenwirken beider garantiert ist“. Wild- und Honigbienen, so heißt es, würde sich also ergänzen.

Wilde Wiesen

Trotz geschilderter Defizite wird in Berlin einiges getan, um Bienen und anderen Insekten einen lebenswerten Alltag zu ermöglichen. So hat sich die Stadt 2016 dem Netzwerk pestizidfreier Kommunen angeschlossen.

Damit kommt zum Beispiel das Insektengift Glyphosat nicht mehr zur Entgrünung von Bürgersteigen zum Einsatz. Zum anderen werden in einigen Bezirken verstärkt sogenannte wilde Wiesen angelegt.


Wenn Sie mehr über bienenfreundliche Pflanzen erfahren wollen: Lesen Sie hier.


So plant zum Beispiel das Grünflächenamt Pankow mehrere Bienenwiesen, für die Schulklassen und Kitagruppen Patenschaften übernehmen können. Zum bundesweiten Pflanzwettbewerb „Wir tun was für Bienen“ hat jetzt wieder die in Berlin gegründete Initiative „Deutschland summt“ aufgerufen.

Bis 31. Juli können sich Einzelpersonen, Gruppen oder Firmen am Wettbewerb um den insektenfreundlichsten Garten bewerben. Mehr Infos online.

Text: Ulf Teichert

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