Yücel-Rücktritt: Rufe nach personeller Erneuerung im PEN

Der Journalist Deniz Yücel nimmt an der Mitgliederversammlung in Gotha teil.
Der Journalist Deniz Yücel nimmt an der Mitgliederversammlung in Gotha teil. Foto: Martin Schutt/dpa

Gotha (dpa) – Nach dem überraschenden Rücktritt des PEN-Präsidenten Deniz Yücel haben PEN-Mitglieder eine personelle Verjüngung gefordert. Die Schriftstellerin Thea Dorn sagte am Samstag bei der Aussprache auf der Mitgliederversammlung in Gotha, für sie mache ein Verbleib im PEN nur Sinn, wenn sich die Vereinigung radikal neu aufstelle. PEN-Mitglied Herbert Wiesner sagte: «Wir brauchen einen Neuanfang mit jüngeren Leuten nach diesem Desaster, wir steuern ins Nirwana.» Neumitglied Markus Ostermair sah in der personellen Verjüngung eine der wichtigsten Aufgaben für die weitere Existenz des Vereins.

Der Journalist Yücel hatte am Freitagabend in Gotha nach einer teils giftig geführten Debatte und eines nur knapp gescheiterten Abwahlantrags sein Präsidentenamt hingeschmissen. Zugleich erklärte der 48-Jährige seinen Austritt aus der «Bratwurstbude» PEN. Am Samstag traten dann auch der PEN-Vizepräsident Ralf Nestmeyer und der Beisitzer Christoph Links aus dem Präsidium zurück.

Der Führungsstil der erst im Oktober gewählten Spitzenriege hatte zu heftigen internen Querelen und einer tiefen Spaltung der Vereinigung geführt. Viele Mitglieder haben nach dem Debakel in Gotha über einen Austritt aus der Schriftstellervereinigung nachgedacht, wie sie am Samstag bekannten. Sie werteten den gegenseitigen Umgang als unwürdig, beschämend, schäbig und peinlich.

Die Schriftstellerinnen Eva Menasse und Julia Franck äußerten in der Aussprache ihre Befremden über die in Gotha zutage getretene Häme und Grabenkämpfe. Franck sprach von einem «Höllenspektakel» und Gefechten, an denen sie sich nicht beteiligen wolle.

Der Führungsstil der erst im Oktober gewählten Spitzenriege hatte zu heftigen internen Querelen und einer tiefen Spaltung der Vereinigung geführt. Dabei ging es unter anderem um Beleidigungen, Mobbingvorwürfe und den Umgangston. Auch in Gotha war am Freitag bei der Jahresversammlung über Stunden hitzig und in teils sehr unversöhnlichem Ton debattiert worden.

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