Der weltreisende Fürst: Pücklers Orienträume wieder zu sehen

Waffenarrangement im Türkischen Zimmer. Bild: SFPM/Gabriela Weidner
Waffenarrangement im Türkischen Zimmer. Bild: SFPM/Gabriela Weidner

Cottbus (dpa/bb) – «Phantastisch, überraschend, märchenhaft» – so fielen die Reaktionen aus, wenn Gäste des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau im Schloss Branitz in Cottbus seine drei Orienträume besichtigten. Das ist in Aufzeichnungen überliefert. Nach längerer Restaurierung und durch die teilweise Rekonstruktion des Interieurs sind die Zimmer seit diesem Freitag (13.5.) wieder zu besichtigen.

Nach Angaben der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz wurden die orientalischen Räume in den vergangenen sechs Jahren aufwändig restauriert. Im «Türkischen Zimmer», dem «Türkischen Kabinett» und dem «Pfeifenkabinett» wurden an Decken und den einzigartigen Papiertapeten unter anderem Risse kaschiert, lose Farbschichten gefestigt, Wandflächen retuschiert und Papiertapeten sowie Schmuckbordüren konserviert.

Der Fürst war nicht nur Gourmet und Landschaftsgärtner sondern auch Weltenbummler und Reiseschriftsteller. Schon als Kind war er von den Märchen aus «Tausend und einer Nacht» begeistert, wie aus Schriften hervorgeht. Den Orient bereiste er zwischen 1834 und 1840 sechs Jahre zu Fuß, in der Kutsche, auf dem Kamel, mit dem Schiff oder natürlich hoch zu Ross. Die orientalischen Räume ließ er zwischen 1851 und 1862 im Obergeschoss des Barockhauses in Erinnerung an seine Reise gestalten.

Nach Angaben der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz sammelte der Fürst Inspirationen für die opulenten Wand- und Deckengestaltungen unter anderem in Algerien, Tunesien, Griechenland, Ägypten und Nubien, dem heutigen Sudan. Von dieser Orientreise brachte er auch etliche Souvenirs mit, die bis heute eine vielfältige Sammlung bilden.

Die Restauration der Räume gestaltete sich nach Angaben der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz nicht einfach, denn die in ungewöhnlich kräftigen Farben gestalteten Papiertapeten und Deckenmalereien mussten gesäubert, repariert und konserviert werden. Sie wurden mit Leimfarbenmalerei gestaltet. Die Wiederherstellung der Zimmer dauerte länger, weil die historischen Farben der Papiertapete aus dem 19. Jahrhundert mit Schwermetallen belastet waren.

Um Pücklers Lebenswelt erlebbar zu machen, wurden neben den erhaltenen Möbeln zusätzliche «orientalische» Ausstellungsmöbel in die Orienträume eingefügt. So dient nun im «Türkischen Zimmer» statt des nicht erhaltenen Diwans ein neuer Diwan zur Präsentation der fürstlichen Reisemitbringsel. Im Pfeifenkabinett wurden Fragmente des Tabakpfeifenregals ergänzt. Zu den exotischen Objekten und orientalischen Reisesouvenirs zählen auch kostbare Altertümer, Waffen und Kunsthandwerk aus dem Osmanischen Reich sowie ostasiatische Porzellane, die ausgestellt sind.

Die drei Räume sind nach Stiftungsangaben seit dem Tod Fürst Pücklers 1871 wieder so zu sehen, wie er sie vermutlich eingerichtet hätte. Auch ein restauriertes Liegemöbel aus seinem Besitz, bei dem es sich vermutlich um das Sterbebett Pücklers handelt, ist nun zu sehen.

Überliefert ist laut der Stiftung auch: Je älter er wurde, desto mehr gefiel es Pückler, sich in orientalische Gewänder zu kleiden und so auch dem Publikum zu begegnen: Mit rotem Fez auf dem Kopf, bestickten Pantoffeln an den Füßen, seidenen Pumphosen und Jacke, gehüllt in aufwändig gewebte Kaschmirtücher. Auf entsprechenden Porträts ist diese Selbstinszenierung des Exzentrikers zu sehen.

Schloss Branitz war der Alterssitz von Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871). Dort fand er auch seine letzte Ruhestätte in einer Erdpyramide in einem See.

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