Der Traum vom Flussbad Berlin

Erst ins Humboldt Forum, dann in die Spree: Das Flussbad soll es möglich machen. Visualisierung: Flussbad Berlin e.V.
Erst ins Humboldt Forum, dann in die Spree: Das Flussbad soll es möglich machen. Visualisierung: Flussbad Berlin e.V.

Am Tag der Städtebauförderung lassen sich Visionen für Berlin besichtigen. Das Flussbad in Mitte zählt zu den meistdiskutierten Ideen. Bei einer Führung am 14. Mai gibt es die neuesten Infos zu dem Projekt. Lesen Sie auch unser Pro und Contra zum Flussbad Berlin.

Quartiere und Orte in Berlin im Sinne des Gemeinwohls neu denken: Auch darum geht es am Tag der Städtebauförderung. Am 14. Mai können die Berliner ein Projekt näher kennenlernen, das die Fantasie besonders vieler Menschen beflügelt. Und das seit Jahren auf heftige Kritik stößt.

Gemeint ist das Flussbad Berlin. Seit mehr als zehn Jahren setzt sich der Verein „Fluss Bad Berlin“ dafür ein, dass das öffentliche Baden im Spreekanal zwischen Fischer- und Museumsinsel wieder machbar ist. Die seit 2014 propagierte Idee kommt nicht von ungefähr: Vor gut 100 Jahren gab es in diesem Bereich tatsächlich eine Badestelle. 1924 wurde sie wegen der zunehmenden Verschmutzung geschlossen.

Problem Badeverbot

Vonseiten der Politik ist die Unterstützung für das Projekt an einer der prominentesten Stellen des Zentrums bestenfalls verhalten. Der Verein kritisierte gegenüber dem rbb eine „ungenügende Abstimmung von Senatsumweltverwaltung, Senatsbauverwaltung mit dem Bezirk Mitte“.

Der rot-grün-rote Senat wird aufgefordert, endlich einen Planungsauftrag zu erteilen. Kritik an dem Standort in unmittelbarer Nähe zum Humboldt Forum, den Museen und in Sichtweite zum Berliner Dom weist der Verein zurück.

Die Umweltverwaltung äußerte sich jüngst zurückhaltend. Sie verweist auf den Denkmalschutz der umliegenden Gebäude und den Status des 1,9 Kilometer langen Spreekanals als Bundeswasserstraße. Damit sei ein Badeverbot verbunden. Dieses Verbot gelte auch 100 Meter rund um die zahlreichen Brücken.

Ökologischer Ansatz

Auch die hohen Kosten stehen einer Badestelle im Weg. Im Jahr 2018 wurden sie auf 68,6 Millionen geschätzt. Zumindest im Hinblick auf diesen Aspekt gab es jetzt aus Sicht der Flussbad-Fans gute Nachrichten: Experten haben ausgerechnet, dass der finanzielle Kraftakt um ein Drittel kleiner wird, wenn bei der Reinigung des Wassers kleinere und natürliche Biofilter zum Einsatz kommen.

Das passt zu dem Umweltaspekt des Vorhabens. Der Ort zum Planschen soll nämlich nicht nur als nicht kommerzieller öffentlicher Ort mit hohem Freizeitwert dienen, sondern auch eine ökologische Wasserlandschaft im Bereich der Fischerinsel schaffen.

Wie lässt sich der zubetonierte Bereich am Spreekanal in eine Biotoplandschaft mit Uferwegen und ein 835 Meter langes Flussbad verwandeln? Das können sich Interessierte am 14. Mai im Rahmen einer „dialogischen Führung“ erklären lassen. Während der ersten Tour (10 Uhr) beleuchtet Ephraim Gothe (SPD), Bezirksstadtrat in Mitte, das Vorhaben aus lokalpolitischer Perspektive.

„Ungeheure Strahlkraft“

Gothe befürwortet das Projekt. Das Flussbad könne eine ungeheure Strahlkraft haben, falls wirklich eine badefähige Wasserqualität entsteht. „Verständnis habe ich für die Sorge, dass Heerscharen mit ihren Liegestühlen einfallen und die Museumsinsel in eine Strandbar verwandeln“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Hier müsse sorgfältig der Charakter der Bademöglichkeiten austariert werden.

Weitere Termine sind um 12.30 Uhr und um 15 Uhr. Wer teilnehmen möchte, wird gebeten, sich mit einer E-Mail an info@flussbad-berlin.de anzumelden.

In ganz Berlin finden am 14. Mai Veranstaltungen unter dem Motto „Gemeinsam Berlin Gestalten“ zur Städtebauförderung statt. Mehr dazu gibt es im Internet unter folgender Adresse:

www.tag-der-staedtebaufoerderung.de

Text: Nils Michaelis

 


Pro Flussbad

Baden inmitten der historischen Kulisse der Museumsinsel? Nach der Arbeit noch einen Sprung ins kühle Spree-Nass wagen? Warum nicht?

Die Initiatoren des Flussbades wollen die alte Mitte nicht etwa zum Mini-Ballermann umwandeln, wie manche Kritiker meinen, sondern aufwerten, bereichern und für die Zukunft wappnen. Das Kulturerbe, umgeben von Stein und Beton, könnte durch ein Flussbad ganz neu erlebbar werden.

Und Berlin könnte hier einmal mehr Pionierarbeit leisten und anderen Städten zeigen, wie sich Vergangenheit und Zukunft miteinander verbinden lassen. Dabei geht es auch um einen umweltbewussteren Umgang mit der Stadt und mehr Lebensqualität für all ihre Bewohner!

Badeerlebnisse in der Innenstadt gehörten übrigens bis in die 1920er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts zum Alltag vieler Berliner. Eines dieser Spreebäder befand sich direkt vor dem Berliner Schloss…

Text: Katja Reichgardt


Contra Flussbad

Warum soll in Berlin nicht möglich sein, was Basel und Zürich längst haben? Diese Frage führen Befürworter des Flussbades in Mitte gerne ins Feld.

Es braucht weder den Blick auf die besonderen Bedingungen jener Schweizer Städte noch den Verweis auf den Denkmalschutz oder andere bürokratische Hürden, um sich darüber klar zu werden, dass die Idee einer Badestelle am Spreekanal an sich sympathisch, aber wenig sinnhaft ist.

Nils Michaelis ist Redakteur beim "Berliner Abendblatt". Bild: André Kowalski
Nicht noch ein Touristen-Hotspot in Mitte: Redakteur Nils Michaelis badet lieber im Grünen. Bild: André Kowalski

Seit Jahren beklagen sich die Berliner über die wachsenden Menschenmassen im Zentrum. Um die Übernutzung der City zu mildern und mehr Menschen in die Außenbezirke zu locken, hat der Senat eine neue Tourismusstrategie auf den Weg gebracht.

Das Flussbad würde all das konterkarieren und die Probleme mit großer Wahrscheinlichkeit verschärfen. Baden an Berlinsgrünen Rändern ist ohnehin viel schöner.

Text: Nils Michaelis

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