Hindernisse im Strandbad Wannsee

Auf einen Treppenlift müssen eingeschränkt mobile Menschen im Strandbad Wannsee wohl noch lange warten. Bild: IMAGO/Andreas Gora
Auf einen Treppenlift müssen eingeschränkt mobile Menschen im Strandbad Wannsee wohl noch lange warten. Bild: IMAGO/Andreas Gora

Zum Start der Badesaison zieht es viele ins Strandbad Wannsee. Menschen mit Behinderung stoßen dort auf viele Hindernisse. Wann die Bäderbetriebe die Mängel bei der Barrrierefreiheit beseitigen, ist unklar.

Die SPD-Fraktion in Steglitz-Zehlendorf hatte sich beim Bezirksamt erkundigt, wie es um die Barrierefreiheit der Bäder im Bezirk steht. Ausgerechnet für das bekannteste und größte Bad im Bezirk, das Strandbad Wannsee, listet Bezirksstadträtin Cerstin Richter-Kotowski gravierende Mängel auf.

„Das Strandbad Wannsee ist aktuell nicht barrierefrei“, heißt es in der Antwort der CDU-Politikerin. „Der betonierte Weg, der zu fünf für Behinderte reservierten Strandkörben und direkt ans Wasser führt, ist derzeit in einem baulichen Zustand, der eine sichere Nutzung nicht mehr gewährleistet.“

Reparatur angekündigt

Um die Zugänglichkeit wiederherzustellen, fand Ende März eine Begehung mit Baufachleuten statt. Die Reparaturarbeiten sollen den Berliner Bäderbetrieben zufolge umgehend beauftragt werden. Einen genauen Termin nannten die Bäderbetriebe bislang nicht. Ein geplanter Treppenlift konnte aus Denkmalschutzgründen noch nicht installiert werden, so Richter-Kotowski.

Immerhin: Behindertengerechte WCs und Duschen sowie Parkplätze für eingeschränkt mobile Menschen seien vorhanden. 

Offene Fragen

Der SPD-Bezirksverordnete Alexander Niessen sieht in Sachen Strandad Wannsee noch großen Klärungsbedarf.  „Die dünne Antwort von Frau Richter-Kotowski hat mich überrascht“, sagt er. „Die Begehung mit Bauexperten war gut, aber das ist nicht genug.“

Das Bezirksamt solle sich dort für mehr Barrierefreiheit ins Zeug legen, auch wenn es nicht direkt zuständig sei. Niessen: „Wer, wie in einer Kampagne geschehen, mit dem Grün und Wasser am südwestlichen Stadtrand wirbt, muss auch dafür sorgen, dass alles top ist. Dafür sind die Regionalrunden der Bäderbetriebe schließlich da. Wir als SPD-Fraktion wüssten gerne, was das Bezirksamt auf diesem Gebiet tut.“

SPD: „Es muss etwas passieren“

Und weiter: „Im Strandbad Wannsee sind die Mängel allerdings offensichtlich. Alle müssen an einem Strang ziehen, dass dort etwas passiert, gerade jetzt am Beginn der Badesaison. Ich hoffe, dass Frau Richter-Kotowski bei der nächsten Sitzung des Sportausschusses am 19. Mai mehr Informationen liefert.“

Niessen kritisiert zudem, dass Richter-Kotowski nicht auf alle Bäder in Steglitz-Zehlendorf eingeht. So fehlen unter anderem Informationen zum Stand der Barrierefreiheit im Sommerbad am Insulaner. „Ich dachte, sie hätte einen besseren Überblick zur Lage in den Bädern“, so Niessen. Unabhängig davon ist er der Aufassung, dass die Bäder im Bezirk bei der Barrierefreiheit insgesamt gut aufgestellt seien.

Bäder gut aufgestellt

Richter-Kotowski führt dafür einige Beispiele auf: Das Stadtbad Lankwitz ist mit einem Eingang (ohne Stufe) mit eienr automatischen Tür ausgestattet sowie mit zwei rollstuhlgerechten Umkleidekabinen mit Dusche. Vorhanden sind außerdem zwei Wasserrollstühle, ein Lift, eine Treppe, die 1,20 Meter breit ist, sowie zwei Behindertenparkplätze.

Die Schwimmhalle Hüttenweg verfüge über einen Haupteingang ohne Stufe, eine rollstuhlgerechte Umkleidekabine mit Dusche und WC, ein Behinderten-WC im Eingangsbereich, zwei Wasserrollstühle, einen Lift sowie taktile Leitstreifen für Menschen mit Sehbehinderung.

Die Schwimmhalle Finckensteinallee biete unter anderem zwei Behindertenparkplätze, eine lange Rampe zum Eingang mit Automatiktür, zwei rollstuhlgerechte Umkleidekabinen mit Dusche und WC, einen Wasserrollstuhl, einen Lift sowie taktile Leitstreifen für Blinde und Sehbehinderte.

Text: Nils Michaelis

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