Hörspaziergang zur NS-Geschichte im Südwesten

Startpunkt des Audiowalks ist die Spiegelwand am Steglitzer Kreisel, die an die jüdischen Berliner, die dem NS-Terror zum Opfer gefallen sind, erinnert. Bild: IMAGO/Schöning
Gedenkstätte, Spiegelwand, Hermann-Ehlers-Platz, Steglitz, Steglitz-Zehlendorf, Berlin, Deutschland *** Memorial, mirror wall, Hermann Ehlers Platz, Steglitz, Steglitz Zehlendorf, Berlin, Germany

Abseits der üblichen Wege über die Zeit des Nationalsozialismus in Steglitz-Zehlendorf informieren: Mit diesem Anspruch ist jetzt ein digitaler Hörspaziergang an den Start gegangen.

Unter der Überschrift „Stadt verhören“ sollen die dort erfahrbaren Geschichten zwei zentrale Lehren aus dem NS-Unrechtsregime verdeutlichen: alltägliche Unterstützung von Verfolgten durch „Hilfe auf Augenhöhe“, wie der Historiker Wolfgang Benz im Interview zu hören ist, war möglich.

„Genauso aber lässt sich in Steglitz am Beispiel des Wirtschaftsverwaltungshauptamts zeigen, wie die arbeitsteilige Struktur des NS-Terrors durch die Mittäterschaft vieler Menschen eine grausame Normalität des Mordens schaffte“, teilen die Initiatoren mit.

Erinnerung an jüdische Berliner

Startpunkt des Audiowalks ist die Spiegelwand am Steglitzer Kreisel, die an die jüdischen Berliner, die dem NS-Terror zum Opfer gefallen sind, erinnert. Im Audiowalk erfahren Hörer von der Kontroverse, die ihre Aufstellung beinahe verhinderte.

Während des weiteren Spaziergangs lernen sie etwa die Widerstandsgruppe ‚Onkel Emil‘ mit ihrem bekannten Mitglied Ruth Andreas-Friedrich näher kennen, die sich mit der Vertreibung und Entrechtung jüdischer Gewerbetreibender auseinandersetzte.

Bedeutsame Nazi-Institution

Zu entdecken gibt es auch eine zentrale, weitgehend unbekannte, jedoch bedeutsame Institution der nationalsozialistischen Herrschaft in Steglitz, das SS-Wirtschaftsverwaltungshauptamt an der Straße Unter den Eichen.

Zu Wort kommen bei dem Hörspaziergang auch ein Mitglied einer frühen Arbeiter-Widerstandsgruppe aus der Onkel-Tom-Siedlung und viele Menschen, die sich in der Nachkriegszeit dafür engagiert haben, Geschichte sichtbar zu machen.Interviews mit den Historikern und Experten zur NS-Geschichte  füllen den Spaziergang mit vielen Details.

Demokratie schützen

Erarbeitet wurde der Audiowalk von dem gemeinnützigen Verein Bidigi, der neue Konzepte zur historischen Bildung enwirft. Die Vereismitglieder Melanie Eis und Fabian Eckert verstehen die Hörstücke auch als Intervention in einer Zeit, in der die Demokratie besonders schützenswert erscheint: vor Verschwörungsmythen, Rassismus und Antisemitismus genauso wie vor dem immer größer werdenden Einfluss rechtsextremer Positionen in der Gesellschaft.

Der vom Bezirk Steglitz-Zehlendorf geförderte Audiwalk lässt sich als Spaziergang erlaufen oder ortsunabhängig anhören und ist über die Plattform „Guidemate“ frei zugänglich. Die Webseite www.tonspur-erkundungen.de führt direkt zur Audioplattform.

Text: red/nm

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