Taubenkot

In Sachen Taubenkot war zu Beginn des letzten Jahres das Maß des Erträglichen überschritten: Nistende Tauben im Hohlraum zwischen Zwischendecke und dem Dach der Fußgängerbrücke am Storkower Bogen beschmutzten mit ihrem Kot den Brückenboden, so dass sich ein glitschiger rutschiger Film aus der ekelerregenden und gefährlichen Masse bildete.

„Langer Jammer“ heißt die Fußgängerbrücke im Berliner Volksmund, die den Ortsteil Fennpfuhl mit dem S-Bahnhof Storkower Straße und dem Gewerbegebiet „Am Alten Schlachthof“ verbindet. Zerkratzte Fenster, verdreckte und verschmierte Wände und Böden kennen die vielen hundert Passanten, die hier täglich entlang müssen, eigentlich schon immer. In Sachen Taubenkot war zu Beginn des letzten Jahres das Maß des Erträglichen aber überschritten: Nistende Tauben im Hohlraum zwischen Zwischendecke und dem Dach beschmutzten mit ihrem Kot den Brückenboden, so dass sich ein glitschiger, rutschiger Film aus dem ekelerregenden und gefährlichen Taubenkot gebildet hatte.

Ein Antrag musste her

Wer glaubt, dass nun Schaufel, Besen und Eimer dazu genügen könnten, um auf einer Brücke zwischen den Zuständigkeiten zweier Bezirke, dem Senat und der Deutschen Bahn für Abhilfe zu sorgen, wurde enttäuscht – diese Aktion begann zunächst einmal mit einem Antrag. Und der ging so: Am 28. April ersuchte die Lichtenberger SPD-Fraktion das Bezirksamt geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um auf der Fußgängerbrücke das Nisten von Tauben in der Dachkonstruktion zu unterbinden und damit das Verschmutzen mit dem Taubenkot zu verhindern.

Suche nach der Verantwortung

Der Bezirk wandte sich in der Folge an die Deutsche Bahn. Die verwies in ihrer Antwort auf die Zuständigkeit des Bezirks und der kümmerte sich zwei Monate später noch einmal in seinem Ausschuss „Öffentliche Ordnung, Verkehr und Bürgerdienste“ um das Thema. Hier stellte man fest, dass nicht der Bezirk, sondern der Senat zuständig sei.

Neuer Wortlaut

Der ursprüngliche SPD-Antrag bekam die Wortlautänderung „Das Bezirksamt wird ersucht, sich an die zuständige Stelle im Senat zu wenden, damit geeignete Maßnahmen ergriffen werden können, um auf der Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Storkower Straße das Nisten von Tauben zu unterbinden und damit das Verschmutzen mit Taubenkot zu verhindern.“

Nach der Sommerpause wurde diese Formulierung in der Bezirksverordnetenversammlung durchgewunken – ein entsprechender Brief an den Senator machte sich vom Rathaus Lichtenberg am 16. November auf den Weg an die Senatsstelle in der Köllnischen Heide.

Der Senat kümmert sich

Staatssekretär Ingmar Streese meldete sich am 1. Dezember mit einer raschen Brief-Antwort. Darin heißt es „…mehrere  Ortstermine führten zu dem Schluss, dass zum damaligen Zeitpunkt zunächst keine Abhilfe zu der vorherrschenden Situation geschaffen werden kann, da sich bereits ein brütendes Taubenpaareingenistet hatte.“ Das bebrütete  Nest durfte aus tierschutzrechtlichen Gründen nicht entfernt  werden. Erst wenn die Nesthocker ihr Nest verlassen haben, könne der Hohlraum geschlossen  werden.

Es sei mit einer ausführenden Firma ein wöchentlicher Kontrolltermin vereinbart worden. „Leider hatten zu dem bereits vorhandenen Taubennest noch zwei weitere Taubenpaare ihre Nester gebaut. Dadurch wurde die Verschmutzung durch herunterfallenden Taubenkot stärker“, lautetete der erweiterte Schadensbericht aus der Senatsstelle.

Naturschutz hilft

Erst nach einer längeren Zeit der Beobachtung sei mit Unterstützung  des Naturschutz­bundes  Deutschland e. V. die bebrüteten Nester ausgeräumt und die vorhandenen Eier bzw. Jungtiere umgesetzt worden. Im Anschluss daran wurde der Hohlraum sofort verschlossen. Unmittelbar nach diesen Arbeiten wurde zur Vermeidung der Rutschgefahr und der Gesundheitsgefährdung eine Sonderreini­gung der Fußgängerbrücke durchgeführt.

Das Berliner Abendblatt wandte sich in dieser Angelegenheit nun noch einmal rückblickend an den Lichtenberger Bezirksstadtrat für Öffentliche Ordnung, Umwelt und Verkehr, Martin Schäfer. Wann genau die Nester entfernt wurden, konnte dieser nicht benennen. Allein für die verzögerte Umsetzung nannte er ein triftiges Argument: „Das hatte mit dem Tierschutz und den Zuständigkeiten zu tun. Ein bebrütetes Nest darf nicht versetzt werden. Wir sind zwar als Bezirk an unseren Brücken und den Bahnhöfen nah dran. Sie fallen aber nicht in unsere Zuständigkeiten und daher muss an anderer Stelle gehandelt werden“, lautet seine Begründung für die etwas zögerliche Problemlösung.

„Nächstes Mal geht es hoffentlich schneller, weil wir insgesamt am Thema dran sind und die Taubenpopulation reduzieren wollen“, verspricht er zumindest Fortschritte für die weitere Zukunft beim Thema Taubenkot….

Text: Stefan Bartylla, Bild: IMAGO / Rolf Zöllner

 

2 Kommentare

  1. Nicht umsonst nennt man die Tauben auch „fliegende Ratten“. Ich kann das leider nicht nachvollziehen, dass bei aller preußischer Gründlichkeit nicht längst schon das Problem hätte gelöst werden können. Hier stand wieder einmal die Unfähigkeit aller Beteiligten im Raum, was klare Kompetenzen betrifft. Dazu gibt es mehrere Ausreden, nicht kompetent, kein Personal und wie bereits im Text erwähnt, dass man während der Brutzeit nicht aktiv werden kann (und darf).
    Frage, wie sieht das bei den richtigen Ratten aus, wartet man da auch bis der Nachwuchs selbstständig ist, um ggf. darüber nachzudenken, was man tun könnte ?
    Dieser Vorgang ist wieder einmal ein Beispiel und entspricht absolut dem gegenwärtigen Zeitgeist.

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