Chamäleon: Von der Lust, zu sehen und gesehen zu werden

Varieté

Zum Abschluss ihrer Residenz im Chamäleon verantaltet veranstaltet Circa Contemporary Circus eine Peepshow in den Hackeschen Höfen.

Geht es um Sex? Um Erotik? Der schwungvolle Neonschriftzug „Peepshow“, der über der Bühne leuchtet, spricht dafür.

Außerdem: die ellbogenlangen roten Satinhandschuhe, fast nackte Körper, knappe bunte glitzernde Höschen, pralle Muskeln, schummriges Licht und dieses beglückend wuschige Gefühl, wenn der Zauber zu wirken beginnt.

Laszive Bewegungen

Circa‘s Peepshow im Chamäleon ist aber keine Sexshow, sondern eine Studie über das Vorführen, Zusehen, Beobachten, Zurschaustellen.

„Es geht darum,“ so der Kreativleiter der Kompanie, Yaron Lifschitz: „wie wir durch das Gesehenwerden manipuliert werden, aber auch durch das Wissen, dass wir gesehen werden, durchs Schauen und durchs Nicht-Schauen.“

Circa‘s Peepshow im Chamäleon ist ein Bühnenstück in zwei Akten für elf Performer. Sie verbinden Burlesque und Akrobatik, laszive Bewegungen und exakte Körperbeherrschung.

Seit fast zwei Jahrzehnten gilt die australische Kompanie als Vorreiter des Neuen Zirkus und bringt weltweit das Publikum zum Staunen.

Physische Erfahrung

Im ersten Teil erlebt das Publikum eine Art Cabaret-Show. Die Akrobaten liefern exzentrisch frivole Posen und körperbetonte Balancefiguren.

Nach der Pause verlagert sich das Geschehen in einen Nachtclub. Die Grenze zwischen den Beobachtenden und den Darbietenden löst sich auf.

Die Musik vom Musiker und DJ Ori Lichtik, einer der Gründungsväter der Technoszene Israels, ist ein einziger, 20-minütiger Elektrotrack, und wird zu einer eigenen physischen Erfahrung: hart, hämmernd, fordernd.

Die Präsentation wird so zu einem intimen Akt, der berührt. Eine Reise vom „Schauen“ zum „Fühlen“.

Text: Redaktion, Bild: Andy Phillipson

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