Verdienen die Chefs zu viel?

Vivantes Chef-Gehälter Landesbetriebe
Die frühere Vivantes-Chefin Andrea Grebe kam 2020 auf ein dickes Plus.

Auch in der Corona-Krise freuen sich Top-Kräfte der Berliner Landesbetriebe über saftige Zuwächse.

Man kannte es bereits von der Finanzkrise 2008 und vom Diesel-Skandal 2015: Unternehmen geraten ins Straucheln und die Beschäftigten werden auf magere Zeiten eingeschworen. Trotzdem kassieren die Menschen in den obersten Chefetagen ab, als wäre nichts gewesen.

So ist es auch in Zeiten der Corona-Pandemie. Nicht nur bei Autobauern wie Daimler-Benz oder Volkswagen. Auch beim Blick auf die Berliner Landesbetriebe offenbart sich hier und dort eine deutliche Schieflage.

Überschuss halbiert

Das Land Berlin ist an mehr als 50 Firmen in der Hauptstadt beteiligt, bei 36 zu 100 Prozent. Darunter sind Verkehrsanbieter, Wohnungsbauunternehmen und Kultureinrichtungen. Laut dem Beteiligungsbericht des Landes Berlin erwirtschafteten sie im vergangenen Jahr einen Überschuss von 232 Millionen Euro. Dieser war im Jahr vor Corona mehr als doppelt so hoch.

48 Firmen schlossen das Geschäftsjahr 2020 mit Gewinn oder ohne Verlust ab. Einige Unternehmen machten Verluste von 492 Millionen Euro. Dennoch lagen die Chefgehälter in den Berliner Beteiligungsunternehmen in der Summe sogar um 10.000 Euro höher als der Rekordwert von 2019 (11,24 Millionen Euro). Seinerzeit betrug das Plus allerdings 7,5 Prozent oder 800.000 Euro.

Fast jede zweite Top-Kraft bekam mehr

Die Senatsfinanzverwaltung ist überzeugt, dass sich die Bezüge der Unternehmenschefs nicht von den Einkommen der Mitarbeiter entkoppelt hätten. Aber das ist wohl Auslegungssache. Eine Top-Führungskraft verdiente im letzten Jahr 8,5-mal so viel wie ein Durchschnittsmitarbeiter. Fast jeder zweite Chef bekam 2020 mehr als im Jahr zuvor.

Einige Beispiele ragen heraus: Christian Göke, der Chef der Messe Berlin, verdiente im vorigen Jahr 748.000 statt zuvor 566.000 Euro. Im gleichen Jahr verzeichnete die von Corona gebeutelte Messe Berlin ein Minus von 67 Millionen Euro. Die inzwischen ausgeschiedene Vivantes-Chefin Andrea Grebe verbesserte ihr Jahresgehalt von 476.000 auf 604.000 Euro.

Magere Tarifabschlüsse

Auch beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg und den Kulturprojekten Berlin war Raum für Zuwächse. Die Chefs Susanne Henckel und Moritz van Dülmen freuten sich über ein Plus von zehn Prozent. Angesichts des Fahrgastrückgangs im ÖPNV und der von zwei Lockdowns ausgebremsten Kultur wäre das nicht unbedingt zu erwarten gewesen.

Einige Vergütungszuwächse in den Chefetagen werden mit nachgezahlten Erfolgsprämien oder Abfindungen begründet. Die Beschäftigten, die seit Jahren mit bescheidenen Tarifabschlüssen leben, interessieren solche Feinheiten allerdings nur bedingt.

Beschäftigte unzufrieden

„Viele Arbeitnehmer fühlen sich ungerecht behandelt“, sagt Andreas Splanemann von der Gewerkschaft ver.di. Er kritisiert eine veränderte Unternehmenskultur: „Landeseigene Unternehmen setzen immer mehr darauf, Führungskräfte aus der Privatwirtschaft mit guten Gehältern anzulocken.“

Text: Nils Michaelis, Archivbild: IMAGO/Metodi Popow

2 KOMMENTARE

  1. Das stimmt. In der Privatwirtschaft ist wenigstens die Einhaltung von Zeitplänen und Kosten verlangt, wofür die oberste Etage dann gerade stehen muss.
    Fakt ist, die Arbeit machen die unteren Ebenen, die müssten gerecht bezahlt werden, dann Brauch man die oben nicht mehr.
    Drücken die Kosten für ihre Boni auf Kosten der Angestellten, der engagierten Firmen und zu Lasten der Bewohner dieser Stadt.

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