Singen bis zum Muskelkater

Unioner feiern immer

Warum Union-Spieler Fußballgötter sind und die Fans keine Ruhe geben.

Seit dem Aufstieg in die erste Bundesliga 2019 hat das Profiteam des 1. FC Union Berlin eine atemberaubende Entwicklung genommen. Grund genug für uns, mit Hilfe des Autors und Union-Fans Frank Nussbrücker und seines Buches „111 Gründe, den 1. FC Union Berlin zu lieben“ hinter die Kulissen des Köpenicker Fußballclubs zu blicken.

Noch 20 Minuten nach Abpfiff feierten die meisten der gut 16.000 Fans ihr Team mit lautstarken Gesängen. Dabei hatten die Profis des 1. FC Union Berlin gerade mit 2:5 Toren gegen den FC Bayern München den Kürzeren gezogen.

Eine Niederlage zu verarbeiten, dafür gibt es unter echten Unionern viele Mittel und Wege – nur eines fällt bei ihnen aus: dass sie auch nur eine Zehntelsekunde vor Abpfiff das Stadion verlassen.

Haben die Jungs bei allem Gegurke gekämpft, gehen Unioner auch mit einer Niederlage in die Nachspielzeit. Mit ihrem Applaus darf sich die Mannschaft vor Familienblock, Gegengerade und Waldseite für die unablässige Unterstützung bei den Fans bedanken.

Kein Sündenbock

Dass Fans mit der Leistung eines Spielers ihrer Mannschaft unzufrieden sind, passiert auch beim 1. FC Union Berlin.

Doch in der Alten Försterei gilt: Ein Unioner macht keinen Spieler der Mannschaft zum Sündenbock.

Schönes Beispiel dafür ist der Umgang mit dem einstigen Stürmer Adam Nemec. Der Slowake hatte in der Spielzeit 2012/13 wahrlich keinen Lauf und ob seiner wenig mannschaftsdienlichen Spielweise auch unter den Fans keinen guten Stand.

„Und siehe da“, schreibt Nussbrücker, „am 15. Spieltag zeigte Adam plötzlich, warum man ihn zu Union geholt hatte. In der 81. Minute (des Spiels gegen 1860 München – d.R.) ließ er es klingeln im Kasten des legendären Schlabberhosenträgers Gábor Király.“

Ganz sicher war der anschließende obligatorische Fan-Schrei „Nemec Fußballgott“ um einiges lauter als die Male zuvor.

Und noch eine Besonderheit: Jeder Spieler, der mal in den Diensten des FCU stand, wird, auch wenn er mit einer gegnerischen Mannschaft in die Alte Försterei zurückkehrt, als „Fußballgott“ begrüßt

Heiserkeit zwingend

Union-Spiele sind in jedem Fall ein hervorragendes Muskeltraining für die Stimmbänder. Schließlich ist An der Alten Försterei die Stimmung noch immer ausschließlich selbstgemacht.

Leibhaftige Stadiongesänge statt maschinengestützter Jubelmugge.

Die Frauen und Männer an den Zapfhähnen hinter Waldseite und Gegengerade der Alten Försterei wissen anhand des Geräuschpegels sowie der Spezifikation der Fan-Verlautbarungen in jeder Spielsekunde ganz genau, ob Union gerade angreift, in die eigene Hälfte gedrängt wird oder sich mit dem Gegner auf ein Fehlpassfestival auf Höhe des Mittelkreises geeinigt hat.

„Ganz klar, dass nach jeder Partie der eine oder die andere von uns einen ordentlichen Muskelkater im Hals-Rachen-Raum sein oder ihr Eigen nennt.“

Immer wenn der Schlachtruf „Eisern Union“ erklingt, geht ein leichtes Beben durch die Alte Försterei.

Wann der Ruf zum ersten Mal durch ein Stadion donnerte und warum und wann er bis heute angestimmt wird, lesen Sie in der nächsten Ausgabe.


11 Gründe, den 1. FC Union Berlin zu lieben
Von Frank Nussbrücker
ISBN 978-3-86265-726-1
Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag GmbH
317 Seiten, ohne Abbildungen
www.zwoelftermann.de; www.schwarzkopf-schwarzkopf.de

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