Steglitzer Kreisel: Linke kritisiert Bürgermeisterin

Ursprünglich sollte der Umbau des Steglitzer Kreisels in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Ursprünglich sollte der Umbau des Steglitzer Kreisels in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Vom Prestigeprojekt zur Endlosbaustelle: Der Steglitzer Kreisel wirft viele Fragen auf. Die Linksfraktion fordert mehr Engagement vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf.

In der Linksfraktion von Steglitz-Zehlendorf wächst die Sorge, dass der verzögerte Umbau des Steglitzer Kreisels mit einer Insolvenz des Investors endet. Die Fraktion beruft sich auf den mehrfachen Eigentümerwechsel, den mangelnden Baufortschritt und die „fehlende Transparenz des Bezirksamtes“, sagt Fraktionsgeschäftsführer Dennis Egginger-Gonzalez.

„Ein Zeitpunkt der Fertigstellung kann belastbar nicht genannt werden“, heißt es aus dem Bezirksamt zum Stand der Arbeiten. Am Ende könnte die Mieter das Nachsehen haben, so die Befürchtung der Linken. Die Fraktion habe das Bezirksamt mehrfach aufgefordert, sich schützend vor die Anwohner im Kreisel zu stellen und deren Interessen zu vertreten.

Sozialverträgliche Lösungen

In ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken verweist Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU) darauf, dass das Bezirksamt eine Zusage der Eigentümer habe, sozialverträgliche Lösungen zu finden. Ihr sei allerdings nicht bekannt, ob zurzeit noch Menschen im Kreisel wohnen.

„Daraus muss man schlussfolgern, dass die Bürgermeisterin sich für die Situation der Mieter nicht vordringlich interessiert und dass diesbezüglich keine Gesprächsfäden zwischen ihr, den Investoren sowie vor allem den Mietern bestehen“, kritisiert Egginger-Gonzalez.

Das Bezirksamt hätte am Steglitzer Kreisel Verantwortung übernehmen und eine verbindliche Lösung im Sinne der Mieter aushandeln sowie deren Umsetzung kontrollieren müssen. „Es wäre vielleicht möglich gewesen, Umsetzwohnungen und den Wiedereinzug der wenigen Mieter bei vergleichbaren Konditionen nach Ende der Umbaumaßnahmen zu verhandeln.“ Stattdessen setze die Bürgermeisterin auf bloße Absichtserklärungen von Finanzinvestoren.

Wohnungen im Fokus

Ursprünglich war geplant, den Umbau des Steglitzer Kreisels in diesem Jahr abzuschließen. Die Gesamtnutzfläche beläuft sich auf 140.000 Quadratmeter. Nur 23 Prozent davon sind Wohnanteil. Trotzdem liegt der Fokus der Planer auf der privaten Wohnnutzung. 329 Wohneinheiten mit einer Fläche von 30 bis 304 Quadratmetern auf 30 Etagen sollen im Turmgebäude installiert werden. Zum Zeitpunkt des Umbaustarts gab es dort rund 70 Mietwohnungen.

Mit dem Bau des Steglitzer Kreisels war 1968 an der Schloßstraße begonnen worden. Nach einem zeitweiligen Baustopp wurde er 1980 übergeben. Den Hauptteil des Komplexes bildet ein 120 Meter hohes Verwaltungsgebäude, es ist eines der höchsten Hochhäuser von Berlin. Bis 2007 war dort das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf untergebracht.

Text: Nils Michaelis, Bild: IMAGO/Stefan Zeitz

 

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