Ein Westexport als Hymne

Nina Hagen

Wie Nina Hagen dazu kam, die Hymne des 1. FC Union zu singen.

Seit dem Aufstieg in die erste Bundesliga 2019 hat das Profiteam des 1. FC Union Berlin eine atemberaubende Entwicklung genommen. Grund genug für uns, mit Hilfe des Autors und Union-Fans Frank Nussbrücker und seines Buches „111 Gründe, den 1. FC Union Berlin zu lieben“ hinter die Kulissen des Kultvereins zu blicken.

In dieser Folge allerdings erzählt Musikjournalist Gunnar Leue, wie es passieren konnte, dass Nina Hagen die Vereinshymne eingesungen hat.

Mehr Aufmerksamkeit

Wie Vereinschronist Gerald Karpa schon vor Jahren in seiner Rekonstruktion der Hymnenhistorie berichtete, wollten die damaligen Vereinslenker (wir sprechen vom Jahr 1997 – d.R.) mit der berühmten Sängerin auch für überregionale Aufmerksamkeit sorgen.

Vizepräsident Peter Wolfram, ein Münchner Werbefachmann, sei überzeugt gewesen, dass eine neue Hymne zur Imagehebung beitragen könne. Eines Images, das fortan nicht allein auf der Ostherkunft des Vereins beruhen sollte.

Als Ostberliner Pflanze, die nach der Übersiedlung 1976 so richtig im Westen aufgeblüht war, passte Nina Hagen natürlich hervorragend.

Komponierender Retter

Interesssant ist, dass der damalige Vereinsretter Michael Kölmel erzählte, er habe sich 1997 nicht nur als Schuldenbegleicher verdient gemacht, sondern nebenbei auch für die neue Hymne gesorgt. Sprich, er habe das Unionslied mitkomponiert.

Mit einem Bassisten und einem Keyboarder hätte er rumexperimentiert und die musikalische Vorlage der Sängerin Nina Hagen angetragen. Das endgültige Lied hätten, so Kölmel, Klaus Sperber (Musik) und Andreas Cämmerer (Text) nach seinen Ideen realisiert.

Dass die Beiden Münchner sind und dass der Song in einem Studio in Frankfurt am Main produziert wurde, ist ziemlich viel „Made in Westgermany“ – jedenfalls für eine Songzeile wie: „Wir lassen uns nicht vom Westen kaufen“.

Ziemliche Skepsis

Nicht jeder Union-Fan fand diese Pointe wirklich lustig. Die neue Hymne als Vermarktungscoup der Marke Union, da kam schon Skepsis auf. Die hat sich nach und nach aufgelöst, seit Nina Hagen ihr „Eisern Union“ das erste Mal am 14. November 1998 vorm (0:1 verlorenen) Regionalligaspiel gegen Chemnitz vor 3.300 Zuschauer im Stadion an der alten Försterei live sang.

Dass Ninas „Eisern Union“ Achim Mentzels „Stimmung an der Alten Försterei“ als Vereinshymne quasi ablöste, sah dieser im Übrigen unproblematisch. Schließlich kannten sich beide gut aus gemeinsamen DDR-Tagen. Vor Ninas Ausreise in den Westen, wo sie in den Achtzigern zur Godmother of Punk wurde, hatte er gemeinsam mit ihr in Fritzens Dampferband gesungen, wenn auch keine Fußball-Lieder.

Wieder vereint

Mentzel und Hagen sind inzwischen wieder vereint: Die Lieder beider Sänger sind auf der von Gunnar Leue kuratierten LP „Eisern Union“ zu hören. Auf der Platte finden sich nun neben der unverzichtbaren Hymne von Nina Hagen und dem Achim-Mentzel-Song viele bekannte Union-Klassiker, zum Teil in neuem klanglichen Gewand. Mit dabei sind Iron Henning, A.G.F.A., Sporti, Krispin, Frank Schöbel, Erik von der Gegengerade, Coolhansen und The Breakers. Romano steuert sein „Köpenick“ bei und Stumpen von Knorkator verliest ein Grußwort.

Dieser Text entstand mit Unterstützung des Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlags, Bild: imago/Camera 4

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