Sorge um den Herbstzauber in Berlin

Herbstlaub
Kranke Bäume und Klimawandel: Wie lange wird die bunte Blätterpracht noch erhalten bleiben?

Schön für Spaziergänger, arbeitsreich für Hausbesitzer und die BSR: Berlin schmückt jetzt wieder ein farbenfroher Blätterteppich. Doch die Herbstidylle ist trügerisch. Der Klimawandel zeigt erste Folgen und viele Straßenbäume sind in einem katastrophalen Zustand.

Viele Berliner und Touristen erfreuen sich an der Laubfärbung entlang der Alleen, doch diese Idylle täuscht. Um die Vitalität der Straßenbäume steht es in Berlin schlecht, besonders in der Innenstadt. Der kürzlich vom Senat vorgelegte Straßenbaum-Zustandsbericht weist einen massiven Abwärtstrend bei der Baumgesundheit in den vergangenen Jahren nach. Demnach haben die Schäden an Straßenbäumen seit Beginn der Untersuchungen im Jahr 1979 einen Höchststand erreicht. Und das mit zunehmendem Tempo während der letzten fünf bis 15 Jahre.

Untersucht wurden die häufigsten Arten Linde, Ahorn, Rosskastanie und Platane. Im Jahr 2020 wiesen sie zu 56,6 Prozent Schädigungen der Stufen 2 bis 4 (leicht bis extrem geschädigt) auf. Nur noch rund 43 Prozent der Bäume waren komplett gesund. Ursachen seien die Erderwärmung, aber auch Stressfaktoren wie Bauarbeiten, Hundeurin und Tausalz.

Die Blätter fallen früher

Apropos Erderwärmung: Schweizer Forscher gehen davon aus, dass das Laub wegen des Klimawandels in Zukunft wesentlich früher fallen könnte. Weil die Anzahl warmer Tage zunimmt, verlängern sich die Blattphasen an den Laubbäumen. Die Blätter selbst gehen allerdings nicht in „Verlängerung“, sondern sterben früher ab, berichtet der „Spiegel“. Dahinter stecke ein selbstregulierender Mechanismus von Laubbäumen, der ihre Wachstumsphase begrenzt.

Schon während der Dürresommer der letzten Jahre war zu beobachten, dass sich Blätter schon im August braun färben und auf dem Boden landen. Gut möglich also, dass nicht nur Berlins Bäume in einigen Jahren bereits im Sommer in den Herbst starten.

So schwer wie 6.000 Elefanten

Vorerst bleibt allerdings alles beim Alten: Mit enormem Einsatz geht die Berliner Stadtreinigung (BSR) derzeit gegen die Blätterflut vor: Rund 2.200 Beschäftigte mit 550 Fahrzeugen sind daran beteiligt. Pro Herbstsaison sammelt die BSR durchschnittlich 36.000 Tonnen Laub ein – das entspricht dem Gewicht von etwa 6.000 afrikanischen Elefanten. Auf Straßen, die auch sonst von der BSR gesäubert werden, kümmern sich BSR-Einsatzkräfte um das Laub. Auf Straßen, deren normale Reinigung den Anwohnenden obliegt, müssen diese selbst die Blättermassen entfernen.

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Der Laubteppich zieht sich quer durch die Stadt. Die BSR hat alle Hände voll zu tun. Bild: BSR

Hausbesitzer sollten wissen: Für das Laub von Privatgrundstücken bietet die BSR Laubsäcke an. Ein Abholservice ist im Kaufpreis der Tüten inbegriffen. Dafür genügt es, die Säcke am Straßenrand abzustellen. Außerdem können sie auf BSR-Recyclinghöfen abgegeben werden. Zudem können sich Grundstückseigentümer eine Laub- und Gartentonne bestellen. Geleert wird sie alle 14 Tage. Wer Gartenlaub einfach auf die Straße oder auf Radwege kehrt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und riskiert eine Geldbuße, lässt die BSR wissen.

Laub im Garten hilft der Natur

Laub aus dem eigenen Garten kann übrigens ganz einfach auf dem eigenen Grundstück kompostiert oder in kleinen Mengen über die Biotonne entsorgt werden. Dabei gilt es, die Besonderheiten der Laubsorten zu beachten. Eichenlaub zum Beispiel muss wegen des hohen Gerbsäureanteils aufbereitet werden, ehe es als Kompost verwendet werden kann. Es wird empfohlen, Eichenlaub in einem Laubkorb aus Maschendraht zu lagern, wo es sich langsam zersetzt. Zudem kann es gehäckselt werden, um die Blattstruktur aufzubrechen.

Wer in seinem Garten weniger säurehaltiges Laub vorfindet, kann es dort lassen. Das empfiehlt der Naturschutzbund Deutschland (NABU). „Mithilfe von Laub, Ästen und Zweigen können Gartenbesitzer ihre Gärten im wahrsten Sinne des Wortes ,beleben’“, so der NABU. Zusammengerechte Laubhaufen seien für viele Tiere eine notwendige Überwinterungshilfe.

Laubbläser vernichten kleine Tiere

Zum Beispiel für Igel und die Larven vieler Schmetterlinge. Verteilt auf Beeten und unter Bäumen finden dort Regenwürmer, Spinnen, Käfer, Molche, Raupen und Falter einen Unterschlupf. Viele dieser Tiere sind nützliche Helfer beim biologischen Pflanzenschutz und für die Bodenaufbereitung und dienen als Nahrung für Vögel im Winter.

Von motorisierten Laubsaugern rät der NABU übrigens ab, die ökologischen Schäden seien enorm. Millionenfach werden Kleinstlebewesen zusammen mit dem Laub aufgesaugt und zerstückelt. Vor allem Käfer, Spinnen und Amphibien haben keine Chance. Bei Laubsauggeräten mit Häckselfunktion werden die Tiere und Insekten meist im gleichen Arbeitsgang zerstückelt. Von klimaschädlichen Abgasen nicht zu reden.

Text: Nils Michaelis, Bild: IMAGO/Sabine Gudath

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