Moabit: Am Poststadion bleiben viele Baustellen

Moabit Poststadion

Müll, Vandalismus und Mängel bei der Barrierefreiheit: Der Komplex rund um das Poststadion in Moabit hat viele Probleme. Die wichtigste Sportanlage im Bezirk Mitte kann aber auch Fortschritte verzeichnen.

Ein symbolischer Schritt hat dem Moabiter Poststadion kürzlich viel Aufmerksamkeit beschert: Sechs Sportplätze, die teil des Gesamtkomplexes sind, wurden nach Opfern rassistischer und extremistischer Gewalt benannt. Einer der Namensgeber ist der US-Amerikaner George Floyd. Zuvor hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf Initiative der Linken-Fraktion einen entsprechenden Beschluss gefasst. Der ursprüngliche Anstoß kam vom Sportverein Berliner Athletik Klub 07.

Auch sonst hat sich in diesem Jahr einiges getan. Der Jugendplatz wurde saniert und an die Nutzer übergeben. Die Baustellen- und Schrottablagerungen wurden beseitigt. Um Vandalismus vorzubeugen, wird die Anlage in diesem Herbst probeweise über Nacht verschlossen – und zwar zwischen 22.30 Uhr und 6 Uhr. Letztere Maßnahme geht auf den Neun-Punkte-Plan des Berliner Athletik Klub 07 zurück, den die BVV im November 2020 als Antrag beschlossen hatte.

Sanierung des Platzes auf 2022 verschoben

Viele Punkte dieses Plans harren noch ihrer Umsetzung. Ein Beispiel: Umbau und Sanierung des Jana-Lange-Platzes (vormals „Tenne 2“) werden in diesem Jahr nicht mehr erfolgen. „Lediglich die Planungen werden in diesem Jahr fertiggestellt und die Umsetzung der Maßnahme ist dann für 2022 vorgesehen“, so Bezirksstadtrat Carsten Spallek (CDU) in seiner Beantwortung einer Anfrage der Grünen-Fraktion. 

Burak Isik-Daglioglu vom Berliner Athletik Klub 07, der mit dem Motto „Vielfalt ist unsere Stärke“ für sich wirbt, kritisiert die Verzögerung. „Der Zustand des Jana-Lange-Platzes ist unzumutbar, wir brauchen dort endlich funktionstüchtige Kabinen“, sagt er. Der Verein führt dort unter anderem Fußball-Trainingseinheiten durch und ist im Poststadion beheimatet.

Poststadion Moabit
Das 1929 vollendete Poststadion steht unter Denkmalschutz.

Das an der Lehrter Straße gelegene Poststadion wurde 1929 fertiggestellt. Seit 1990 steht es unter Denkmalschutz. Zusammen mit dem Fritz-Schloß-Park wird der Komplex auch SportPark Poststadion genannt. Dieser gehört zu den größten Sportanlagen Berlins.

Die Linke-Fraktion hatte den besagten Dringlichkeitsantrag, der das Bezirksamt in Sachen Poststadion zum Handeln auffordert, auf den Weg gebracht. Ein Jahr später sieht Fraktionschef Thilo Urchs Fortschritte, aber auch viele Baustellen: „Gerade, was die Barrierefreiheit betrifft, geht der Umbau zu langsam und auch die Ausstattung mit Toiletten, etwa für vereinsungebundene Nutzer, ist ausbaufähig. Hier könnten sogenannte Eco-Toiletten Abhilfe schaffen.“

Barrierefreie Toilette ist schwer zu erreichen

Das eine Toilette im Gästebereich barrierefrei umgebaut wurde, allerdings erst „mittelfristig“ auch barrierefrei erreichbar sein soll, sei nicht hinnehmbar, betont Urchs. Die Verschiebung der Sanierung des Jana-Lange-Platzes sei unbefriedigend, wie auch die fehlenden Müllsammelmöglichkeiten. Vor dem Poststadion und im Bereich der Sportanlagen gebe es so gut wie keine Entsorgungsmöglichkeiten. 

Urchs lobt das Engagement des Berliner Athletik Klub 07 für das Poststadion. „Der Verein leistet einen wichtigen Beitrag zur Umfeldgestaltung und ist auch im Kiez verankert und trägt somit zur Integration, Bildung und gesellschaftlichen Einbindung seiner Mitglieder, vor allem im Jugendbereich, bei“, so der Fraktionschef. „Darüber hinaus schätzen wir das Streben nach gemeinsamen Entwicklungen, zum Beispiel durch die vereinsübergreifende Interessengemeinschaft, die künftig das Sportcasino betreiben und nutzen soll.“ Der Verein hat angeregt, dort einen Treffpunkt für Eltern einzurichten.

Vereine und Platzwarte brauchen Unterstützung

Und auch darüber hinaus brennt Isik-Daglioglu einiges unter den Nägeln: „Das Poststadion und die weiteren Plätze müssen endlich barrierefrei zu erreichen sein. Das gilt gerade auch für die Tribüne im Stadion: Rollstuhlfahrer müssen bislang bei Wind und Wetter in der Kurve stehen. Eine Rampe würde Abhilfe schaffen“ Gerade bei Menschen mit Behinderung habe die Sportanlage großen Zuspruch.

Der Vereinsvertreter wünscht sich zudem eine kontinuierliche Präsenz des Ordnungsamtes. Während des Corona-Lockdowns, als der reguläre Spielbetrieb pausieren musste, und Freizeitsportler auf eigene Faust die Plätze nutzten, seien Vandalismus und Müll zu ernsthaften Problemen geworden. „Vereine und Platzwarte dürfen nicht alleingelassen werden“, so Isik-Daglioglu. Von der neu gewählten Bezirksverordnetenversammlung und dem künftigen Bezirksamt wünscht er sich, dass „sie unseren Neun-Punkte-Plan endlich umsetzen“.

Text und Bilder: Nils Michaelis