Neue Heimat für die Potse am Tempelhofer Feld

POtse

Das selbstverwaltete Jugendzentrum „Potse“ hat einen neuen Standort gefunden. Der jahrelange Streit ist damit beigelegt.

Das Jugendzentrum „Potse“ und das Land Berlin haben am Freitag einen Nutzungsvertrag für die rund 480 Quadratmeter große Zollgarage am ehemaligen Flughafen Tempelhof unterzeichnet. Die Schlüsselübergabe erfolgte unmittelbar im Anschluss. Das teilt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen mit.

„Der Umzug wurde notwendig, da der bisherige Standort in der Potsdamer Straße 180 durch den privaten Eigentümer gekündigt worden war“, heißt es aus der Behörde. Mit der Nutzungsvereinbarung erhalte die „Potse“ für die kommenden drei Jahre, mit einer Verlängerungsoption für zwei weitere Jahre, Räume, in denen die Jugendarbeit, wenn auch zunächst in „leiser“ Form, fortgesetzt werden kann.

„Laute“ Nutzungen werden geprüft

Eine vollständige Realisierung des gewünschten Nutzungskonzeptes, auch mit „lauten“ Nutzungen werde im Weiteren geprüft. Hierzu seien umfassende Umbauarbeiten nötig. Der genaue Umfang werde in der nächsten Zeit mit Vertretern der „Potse“, der Tempelhof Projekt GmbH, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sowie der bezirklichen unteren Denkmalschutzbehörde bestimmt. Erst danach könne die Umsetzung der Baumaßnahme beginnen.

Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen, hatte sich nach eigener Darstellung  in den vergangenen Monaten intensiv dafür eingesetzt, dass die mehrfach angekündigte Zwangsräumung des Jugendprojekts abgewendet werden konnte. „Wir kämpfen dafür, dass es in unserer Stadt weiterhin Freiräume für selbstverwaltete Kulturangebote gibt“, erklärte der Linke-Politiker. „Ich freue mich sehr, dass die ,Potse‘ gerettet werden konnte. Die durch den Umzug in die Zollgarage gewonnene Zeit muss der Bezirk nun nutzen, um eine dauerhafte Nutzungsperspektive zu entwickeln.“

Jutta Heim-Wenzler, Geschäftsführerin der Tempelhof Projekt GmbH, begrüßt ebenfalls, dass das Thema nun einen guten Abschluss gefunden hat: „Ich freue mich, dass der Jugendclub für die Übergangszeit nun bei uns ein neues Zuhause gefunden hat. Die Potse passt zum Tempelhofer Feld und fügt sich gut in das Zukunftskonzept des Flughafens, in die Entwicklungsstrategie ,Vision 2030+‘, ein.“ Perspektivisch sollen die „Potse“ und ihr Partnerprojekt „Drugstore“ gemäß den Plänen des Bezirksamtes Tempelhof Schöneberg in das Haus der Jugend umziehen.

„Potse“-Kollektiv: Der Kampf geht weiter

Das „Potse“-Kollektiv äußerte sich einerseits zufrieden über die gefundene Lösung: „Die Zollgarage ist zwar immer noch kein adäquates Ersatzobjekt, aber eine Möglichkeit selbstverwaltete Jugendarbeit am Leben zu erhalten und weiter für langfristig nutzbare Räume zu kämpfen“, heißt es in der Mitteilung vom Freitag, aus der rbb24 zitierte. Man werde zumindest „drei bis fünf Jahre“ dort bleiben können. Gleichzeitig werde man weiter dafür kämpfen, dass das ebenfalls selbstverwaltete Jugendzentrum „Drugstore“ die seit Jahren versprochenen Räume in der Potsdamer Straße 134-136 beziehen könne.

Das Berliner Landgericht hatte im vergangenen Sommer entschieden, dass das „Potse“-Projekt die besetzten Räume verlassen müsse. In der „Potse“ und im „Drugstore“ fanden regelmäßig Punkkonzerte statt.

Datum: 19. September 2021, Text: red/nm, Bild: IMAGO/Stefan Zeitz