Streik bei Charité und Vivantes

Unbefristeter Pflegestreik in Berliner Charite und Vivantes-Kliniken Deutschland, Berlin: Beschäftigte der Berliner Krankenhäuser Charite und Vivantes fordern mehr Personal und einen TVöD. Sowie bessere Arbeitsbedingungen und ein höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen. Ohne Notdienstvereinbarung werden ca. 1500 Bettengesperrt und Operationen verschoben.
Unbefristeter Pflegestreik in Berliner Charite und Vivantes-Kliniken Deutschland, Berlin: Beschäftigte der Berliner Krankenhäuser Charite und Vivantes fordern mehr Personal und einen TVöD. Sowie bessere Arbeitsbedingungen und ein höhere Bezahlung der Beschäftigten in Tochterfirmen. Ohne Notdienstvereinbarung werden ca. 1500 Bettengesperrt und Operationen verschoben. *** Unlimited nursing strike in Berlin Charite and Vivantes clinics Germany, Berlin Employees of the Berlin hospitals Charite and Vivantes demand more staff and a TVöD as well as better working conditions and higher pay for employees in subsidiaries Without emergency service agreement, about 1500 beds will be locked and operations postponed

Mitarbeiter der Kliniken Charité und Vivantes haben in den frühen Morgenstunden ihre Arbeit für einen unbefristeten Streik und für Tarifverträge sowie personelle Entlastungen niedergelegt. 

Hunderte Pflegekräfte und andere Beschäftigte der Berliner Kliniken von Charité und Vivantes sind seit dem frühen Donnerstagmorgen in einen unbefristeten Streik getreten. Unter Berücksichtigung der Bettensituation wurden die Mitarbeiter nach und nach aus der Frühschicht geholt, erklärte Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger. Die Sicherheit der Patienten in den Kliniken sei jedoch nicht bedroht.

Dramatisch unterbesetzt

Angesichts der Streiks für einen Tarifvertrag und personelle Entlastung bei den landeseigenen Berliner Kliniken Charité und Vivantes wirft die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Versäumnisse vor. „Für die Beschäftigten sind die Streiks Notwehr. Da es für die Krankenhäuser noch immer keine gesetzlichen Vorschriften für eine bedarfsgerechte Personalausstattung gibt und die Stationen und Bereiche oft dramatisch unterbesetzt sind, greifen die Beschäftigten in Berlin jetzt zu dem Instrument Tarifvertrag, um ihre Gesundheit zu schützen und mehr Personal durchzusetzen“, sagt Sylvia Bühler, Mitglied im ver.di-Bundesvorstand und für das Gesundheitswesen zuständig. Trotz vieler Lippenbekenntnisse habe der Bundesgesundheitsminister die entscheidende Maßnahme zur Entlastung des Klinikpersonals unterlassen.

Versorgung nicht gesichert

Die für einige Krankenhausbereiche beschlossenen Pflegepersonaluntergrenzen seien völlig unzureichend. „Die Untergrenzen wurden eingeführt, damit kein Patient zu Schaden kommt. Sie gewährleisten weder eine gute und sichere Versorgung noch bringen sie die so notwendige Entlastung für die Pflegepersonen“, so Bühler weiter. „Die Beschäftigten in den Kliniken lassen sich nicht länger vertrösten. “ Überall dort, wo sich Beschäftigte dafür organisieren, mehr Personal durchzusetzen, werde ver.di sie mit aller Kraft unterstützen. „Die Verantwortung für eine gute Patientenversorgung liegt klar bei der Politik. Deshalb braucht es eine politische Lösung – also bedarfsgerechte gesetzliche Personalvorgaben für alle Bereiche der Krankenhäuser – um die Situation flächendeckend zu verbessern.“ 

Drei Tage Streik

Die Beschäftigten bei Vivantes und Charité waren Ende August bereits in einen dreitägigen Warnstreik getreten, an dem sich zeitweise über 700 Menschen beteiligten. Bei Vivantes musste der Warnstreik vorübergehend ausgesetzt werden, weil der kommunale Klinikbetreiber vor dem Arbeitsgericht eine Einstweilige Verfügung dagegen erwirkt hatte. Nachdem das Gericht diese wieder aufhob, fuhr ver.di den Ausstand wieder hoch. Bei den Vivantes-Tochtergesellschaften, deren Beschäftigte eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) einfordern, konnte der Warnstreik erst nach einer Einigung über eine Notdienstvereinbarung vor dem Arbeitsgericht beginnen.

Gute Arbeitsbedingungen

Bühler: „Ich hoffe sehr, dass die Vivantes-Geschäftsführung jetzt endlich mit ver.di am Verhandlungstisch eine Lösung sucht, statt mit juristischen Winkelzügen ihre eigene Belegschaft gegen sich aufzubringen. Die Gesundheitsbeschäftigten im ganzen Land schauen dieser Tage nach Berlin.“ Mit Blick auf die Auseinandersetzung um eine Bezahlung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) in den Vivantes-Tochtergesellschaften betont Bühler: „Alle Beschäftigtengruppen werden gebraucht, damit die Krankenhäuser gut funktionieren. Sie alle brauchen gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung.“

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit

Doch nicht nur in Berlin lagerten Klinikbetreiber immer mehr Tätigkeiten an Tochtergesellschaften oder externe Firmen aus, um Tarifverträge zu umgehen. „Die Aufspaltung der Belegschaften erschwert die Zusammenarbeit und schadet der Versorgungsqualität.“ Es müsse endlich wieder gelten: ein Betrieb, eine Belegschaft, ein Tarifvertrag. Sie verweist darauf, dass die Servicekräfte im Klinikum Nürnberg erst kürzlich durch viele Aktionen und Streiks erreicht haben, dass ihre Gehälter und Arbeitsbedingungen bis 2024 an den TVöD angeglichen werden. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Das muss auch bei Vivantes und allen anderen Krankenhausträgern gelten.“

Datum: 9. September 2021, Text: red, Bild: IMAGO / Mike Schmidt, Video: Sara Klinke