Autos? Nein danke! So wollen die Grünen Spandaus Zentrum umgestalten

Seegefelder-Strasse-Bahnhof-Spandau
Seegefelder-Strasse-Bahnhof-Spandau

Auf dem Altstädter Ring geben Autofahrer Platz an Fußgänger und Radfahrer ab. Die Seegefelder Straße wird komplett autofrei: So sieht die Vision der Grünen für den Verkehr im Herzen von Spandau aus.

Unablässig rollen Blechlawinen über chronisch verstopfte Straßen. Seit Jahren ächzt Spandau unter Verkehrsproblemen. Schnelle Entlastung ist nicht in Sicht. Frühestens ab 2029 gehen neue Straßenbahnlinien in Betrieb. Von neuen U-Bahnlinien ganz zu schweigen.

Noch ist also Zeit für Gedankenspiele. Zumal, wenn Wahlen anstehen. Die Spandauer Grünen haben jetzt ihre „Vision 2030“ für eine Neuorganisation des Verkehrs im Spandauer Zentrum vorgestellt. Aus guten Gründen: Der Altstädter Ring ist mehr eine monströse Schneise zugunsten des Autoverkehrs als ein einladendes Tor zur Altstadt. Und der Bereich Seegefelder Straße/Altstädter Ring/Klosterstraße zählt zu den unfallträchtigsten Kreuzungen im gesamten Bezirk.

Eine Fußgängerzone am Bahnhof Spandau

„Waren auf dem Bahnhofsvorplatz und der Seegefelder Straße (siehe großes Bild, Anmerkung der Redaktion) zwischen Bahnhof Spandau und Münsinger Park früher noch Autos unterwegs, gibt es hier heute eine Fußgängerzone, die lediglich von einigen Bussen durchquert wird“, schreiben die Grünen in ihrem Zukunftsentwurf. „Der Bahnhof hat so deutlich an Attraktivität und Aufenthaltsqualität gewonnen.“ Der Altstädter Ring hat nur noch zwei Spuren, plus einer Busspur je Richtung. Der frei gewordene Platz konnte genutzt werden, um breite und sichere Radverkehrsanlagen zu realisieren. Das Abbiegen von und in den Stabholzgarten ist jetzt nur noch für Busse möglich. Über die Charlottenbrücke kommt man jetzt nur bis zu den Parkhäusern von Karstadt und dem Rathaus.

Altstaedter-Ring-Spandau
Flaniermeile statt Schneise für Autos: So stellen sich die Spandauer Grünen den Altstädter Ring im Jahr 2030 vor.

Voraussetzung dieser Zukunftsideen, die auf eine Zurückdrängung des Autoverkehrs abzielen, ist, dass bis zum Jahr 2030 die drei geplanten Tram-Linien in Spandau auch wirklich an den Start gegangen sind. Die erste führt vom U-Bahnhof Haselhorst über die Daumstraße, Rauchstraße, Streitstraße, Rathaus Spandau bis nach Heerstraße Nord. Die zweite kommt vom neuen Stadtviertel Insel Gartenfeld und führt bis zur Heerstraße Nord, die dritte führt in die Mitte des Falkenhagener Feldes.

CDU fordert übergeordnetes Verkehrskonzept für Spandau

Baustadtrat Frank Bewig schlägt sich tagtäglich mit Spandaus Verkehrsproblemen herum. Kommentieren möchte der CDU-Politiker die Ideen der Grünen dennoch nicht. „Ohne ein übergeordnetes Verkehrskonzept ist das alles reine Spekulation“, verlautet hingegen aus CDU-Kreisen. Niemand könne einschätzen, wie es sich auf den Verkehrsfluss im Bezirk auswirkt, wenn die Seegefelder Straße, wo Autos und Fußgänger einander immer wieder in die Quere kommen, vom Autoverkehr abgehängt wird. Grundlage für Änderungen sei ein Verkehrsgutachten. Das gelte auch für den Altstädter Ring. 

„Eine Schließung der Seegefelder Straße  für den Durchgangsverkehr würde eine erhebliche und zusätzliche Verkehrsbelastung in der Galenstraße, am Brunsbütteler Damm und am Altstädter Ring bedeuten“, so Bewig in seiner Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion im vergangenen Jahr. Eine Machbarkeitsstudie hatte seinerzeit unter anderem eine Umbauvariante hervorgebacht, die eine Sperrung der Seegefelder Straße für den motorisierten Individualverkehr vorsieht. Einzig Busse, Taxen und Radfahrer könnten die Straße weiterhin nutzen. Eine zweite und radikalere Variante sieht neben der Sperrung auch eine Neuaufteilung des Straßenraumes zugunsten von BVG, Taxen, Radfahrern und Fußgängern vor. Genau das schwebt auch den Grünen vor.

Um die Planungen fortzuführen, wandte sich das Bezirksamt an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Bislang offenbar ohne Ergebnis.

Datum: 26. August 2021, Text: Nils Michaelis, Visualisierungen: Stephanie Freisleben, 2021